Ausgebrannt und dennoch unter Strom

© KURIER/Boroviczeny

Ausgebrannt und dennoch unter Strom
12/05/2011

Ausgebrannt und dennoch unter Strom

Aktuell sind in Österreich 1,5 Millionen Menschen Burn-out- gefährdet. Wichtig ist eine Früherkennung und rechtzeitige Behandlung.

Der Begriff "Burn-out" wurde 1974 vom amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger erstmals verwendet. Allgemein bezeichnet er Ausgebranntsein, einen Zustand von großer, emotionaler Erschöpfung, verbunden mit geminderter Leistungsfähigkeit. Exakte Zahlen über die Verbreitung des Burn-out-Syndroms gibt es derzeit noch nicht. Laut Österreichischem Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) sind aktuell aber 1,5 Millionen Österreicher Burn-out-gefährdet. Da das Krankheitsbild in sich variiert, gibt es in diesem Sinne auch keine Standardbehandlung. Die Behandlung muss sich daher an den individuellen Beschwerden und dem persönlichen Hintergrund des Patienten orientieren.

Sieben Alarmzeichen

Der deutsche Psychologe Matthias Burisch nennt in seinem Buch "Das Burn-out-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung" sieben typische Alarmsignale: 1. Ständig unter Strom Hyperaktivismus, Gefühl der Unentbehrlichkeit, Zeitdruck, Verleugnung eigener Bedürfnisse, Beschränkung sozialer Kontakte auf den Job, chronische Müdigkeit. 2. Hass auf den Job Desillusionierung, innerer Rückzug, Zynismus, Widerwillen gegen das Büro und die Kollegen, Arbeiten fürs Geld, Gefühl mangelnder Anerkennung. 3. Gefühlschaos Selbstmitleid, Humorverlust, unbestimmte Nervosität, abrupte Stimmungsschwankungen, Labilität, Ungeduld, innere Leere, Reizbarkeit, Misstrauen, Schuldzuweisung, Konflikthäufung. 4. Leistungsabfall Konzentrationsschwäche, Kapitulation vor komplexen Aufgaben, Unfähigkeit zu Entscheidungen und klaren Anweisungen, Antriebsarmut, verringerte Fantasie und Flexibilität, Widerstand gegen Veränderungen. 5. Null Bock auf nichts Desinteresse an der Umwelt, Eigenbrötlereien, Aufgeben von Hobbys. 6. Körper-Streik Anfälligkeit für Infekte, Schlafstörungen, Atembeschwerden, Herzklopfen, Verspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Gewichtsveränderungen. 7. Verzweiflung Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Selbstmordgedanken.

Unterstützung holen

Grundsätzlich gilt: Je früher man sich Hilfe sucht, desto besser. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Alarmsignale nicht zu ignorieren, sondern frühzeitig ärztliche bzw. psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Eine erste Abklärung kann meist der Hausarzt vornehmen. Er entscheidet, bei welchem Spezialisten eine weitere Behandlung erfolgen soll und kann bei Bedarf dorthin überweisen. In einem persönlichen Gespräch und anhand standardisierter Fragebögen kann der Spezialist Ihre Beschwerden genauer einordnen. Auch körperliche Beschwerden müssen sorgfältig untersucht und organische Ursachen ausgeschlossen werden. Die Abgrenzung zu anderen psychischen Krankheiten ist oft sehr schwierig. Vor allem Depressionen zeigen ähnliche Symptome wie Burn-out. Dazu sei gesagt, dass es manchen Menschen leichter fällt, die Diagnose "Burn-out" anzunehmen, als das Krankheitsbild "Depression". Das liegt vermutlich daran, dass " Ausbrennen" in den Ohren vieler besser klingt - damit werden hoher Arbeitseinsatz, Fleiß und Engagement verbunden, während bei Depression eher negative Vorstellungen wie Passivität, Rückzug und Trauer mitschwingen.

Behandlung - angepasst an die jeweilige Situation

Für das Burn-out-Syndrom gibt es keine Standardtherapie, vielmehr muss die Behandlung zum Patienten und seiner Lebenssituation passen. In leichten Fällen kann es genügen, die eigene Lebens- und Arbeitssituation zu überdenken und unter Anleitung etwas Ordnung in den Alltag zu bringen. So kann es helfen, sich die eigenen Erwartungen einmal genauer anszuschauen, und sich leichter erreichbare Ziele zu stecken. Vielleicht lässt sich auch an der Jobsituation noch das eine oder andere verbessern, bei manchen liegt die Lösung auch in einem Arbeitsplatzwechsel. Auch ist ein starkes, soziales Netzwerk wichtig. Partner, Freunde oder Familie können in schlechten Zeiten Rückhalt geben. Wer zusätzlich auf gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und angemessene Bewegung achtet, stärkt Körper und Seele. Bei deutlicheren Symptomen erweist sich eine Verhaltenstherapie oft als hilfreich. Diese kann ambulant, oder falls nötig auch stationär erfolgen. Auch in Selbsthilfegruppen fühlen sich Betroffene meist gut aufgehoben. Letztlich geht es darum, eigene Verhaltensweisen, die mit zur Überlastung und Überforderung beigetragen haben, zu verändern. Wenn die depressive Symptomatik im Vordergrund steht und die Problembearbeitung dadurch erschwert ist, wird der Arzt möglicherweise auch Medikamente verschreiben, zum Beispiel aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Diese verstärken den Effekt des Botenstoffes Serotonin und werden auch gegen Depressionen verschrieben. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, verminderte Libido, Erektions- und Ejakulationsstörungen sowie innere Unruhe und Erregung können vorkommen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt darüber aufklären.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.