Leben
13.04.2017

Darum kommen manche Menschen immer zu spät

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben - oder so. Zuspätkommer können offenbar aber gar nichts dafür, dass andere stets auf sie warten müssen.

Psychologen der Washington University legen einen Zusammenhang zwischen chronischem Zuspätkommen und der Fähigkeit Zeitspannen korrekt einschätzen zu können nahe. Im Zuge einer Studie, die bereits 2016 veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass das zeitbasierte prospektive Gedächtnis bei Menschen unterschiedlich akkurat ist.

Der Begriff "prospektives Gedächtnis" beschreibt die Fähigkeit, sich zur richtigen Zeit an zuvor gefasste Handlungsabsichten zu erinnern. Nimmt man sich beispielsweise vormittags vor, am Abend einen Freund anzurufen und denkt am Abend tatsächlich daran, so ist das eine Leistung des prospektiven Gedächtnisses. Viele Aktivitäten des alltäglichen Lebens erfordern prospektive Gedächtnisleistungen.

Um zu testen, wie unterschiedlich das "Gedächtnis für die Zukunft" bei Menschen funktioniert, wurden den Probanden von den Wissenschaftlern Susan Krauss Whitbourne, Emily Waldun und Mark McDaniel im Labor Aufgaben gestellt, die sie in einer gewissen Zeit absolvieren mussten. Die Zeit mussten sich die Teilnehmer selbst einteilen. Ihnen wurde zwar erlaubt vor Beginn der Aufgabe auf die Uhr zu schauen, durch das stressige Laborsetting vergaßen viele jedoch darauf. Mit der künstlichen Atmosphäre zielte man darauf ab, realistische Alltagssituationen nachzuahmen, in denen man die Zeit "vergisst" und in weiterer Folge beispielsweise zu spät kommt.

Es zeigte sich, dass Menschen mit einem gut funktionierenden prospektiven Gedächtnis öfter auf die Uhr schauten und sich nicht auf ihr Zeitgefühl allein verließen. Zudem konnten sie besser abschätzen, wie lange eine bestimmte Aufgabe dauert – in Analogie zum Zuspätkommen beispielsweise der Anfahrtsweg zu einem Treffpunkt.

Motivation & Widerstand

Neben diesem wissenschaftliche Ansatz gibt es eine Reihe weiterer Vermutungen, warum manchem Menschen stets zu spät erscheinen. So kann beispielsweise mangelnde Motivation zu späterem Erscheinen führen, auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, beispielsweise mangelnde Gewissenhaftigkeit beziehungsweise geringes Pflichtbewusstsein, können Zuspätkommen fördern. Folgt man der Freudschen Lehre, so kann Zuspätkommen ein Ausdruck des Widerstands sein.