Leben
19.02.2018

Zum Staunen: So schön sind hässliche Käfer

Wenn man genauer hinschaut, ist das vermeintlich Hässliche wunderschön. Die Bilder von Meisterfotograf Levon Biss zeigen Insekten, wie sie sind, aber wie man sie mit freiem Auge nie sehen wird.

Seine Werkzeuge: ein 200-Millimeter Objektiv, eine 36-Megapixel-Kamera, ein Rasterelektronenmikroskop – und unendliche Geduld. Damit fertigt der britische Fotograf Levon Biss von einem Insekt bis zu 8.000 Aufnahmen an, die er dann zu einem verschmilzt. Er fotografiert das Tier von allen Seiten, Körperteil für Körperteil, verändert Licht und Schärfeeinstellung. Levon Biss scannt das Insekt gewissermaßen. An einem solchen Bild tüftelt er mehr als einen Monat. Dafür sieht man dann Dinge, die dem Auge sonst verborgen bleiben: winzige Härchen, Oberflächenstrukturen und atemberaubende Farben.

Das große Krabbeln

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PILZKÄFER Er ist ein naher Verwandter des Marienkäfers. Der Name sagt es schon: Der Pilzkäfer ernährt sich von Pilzen, aber auch anderen Pflanzen. Seine Flügeldecken können Tupfen wie hier, aber auch Streifen zieren. Die Käfer sondern ein mit ihrem eigenen Blut vermischtes Sekret ab, das Feinde vertreiben soll.

LANGHORNBOCK Mit seinen kräftigen, langen  Beinen ist dieser Käfer ein besonders geschickter Kletterer. Die spektakuläre Musterung dieses afrikanischen Bockkäfers besteht aus winzigen Schüppchen wie beim Schmetterling.  Die Larve frisst Totholz, es dauert bis zu 20 Jahre, ehe aus ihr ein Insekt wird.

FELDSANDLÄUFER  Je wärmer es ist, desto schneller sind die Feldsandläufer unterwegs und daher schwierig zu beobachten. Er sieht sehr gut, ist ein hervorragender Jäger und ernährt sich von kleinen Insekten. Die Larven leben in Erdlöchern und lauern im Höhlenausgang auf Beute. Sie packen ihr Opfer und saugen sie aus.

DREIFÄRBIGER PRACHTKÄFER Insektensammler lieben sie, die Prachtkäfer, die es in unzähligen Variationen gibt. Die Insekten mögen die Wärme, dieses  Exemplar stammt aus Indonesien. Der Körper glänzt metallisch-bunt. Um Fressfeinden zu entkommen, bilden sie den Bitterstoff Buprestin. Ihre Larven bohren Gänge in Holz, sie gelten als Schädlinge.

GEMEINE GOLDWESPE Ihr Leib schimmert  metallisch. Kopf und Oberkörper blaugrün, der Bauch kupferrot. Sie können nicht stechen, doch sie rollen sich zusammen, um sich zu schützen. Sie bauen keine eigenen Nester, sondern quartieren sich als Schmarotzer bei anderen Wespen oder Bienen ein.

KURZNASIGER RÜSSELKÄFER Graublaue Härchen und Schuppen bedecken seinen Körper. Eine Besonderheit des aus Brasilien stammenden Rüsselkäfers: ein Saum gelber Haare an den Enden seiner Beinchen. Sie dienen vermutlich dazu, dem Käfer Halt zu geben, wenn er über glatte Oberflächen krabbelt.

ORCHIDEEN-KUCKUCKSBIENE Ihr Name ist Programm: Die Kuckucksbiene legt ihre Eier ins Nest anderer Bienen und lässt sie von den „Wirtsbienen“ aufziehen. Auch Pollen zu sammeln verweigert sie – deshalb hat sie weniger Härchen an ihren Beinen als die fleißigen Bienen.

BLATTKÄFER Wie eine stachelige Schildkröte sieht dieser Blattkäfer aus. Sein Panzer schützt ihn gegen Ameisen und andere Angreifer. Er ist überhaupt ein Meister der Selbstverteidigung: Seine Musterung lässt ihn mit der Oberfläche eines Blattes verschmelzen und macht ihn für seine Feinde nahezu unsichtbar.

STIELAUGENFLIEGE Mit diesen Augen kann sich die Stielaugenfliege auch räumlich bestens orientieren. Je größer die Stielaugen, desto attraktiver sind die Fliegenmännchen für die Weibchen. Bei den Männchen sind die Vorderbeine als Greiforgane ausgebildet – die brauchen sie, um die Weibchen festzuhalten beim Stielaugenfliegensex.