Leben
05.08.2017

Der Mann, der beim Fremdgehen hilft

Eine Agentur versorgt Fremdgänger mit Alibis – nicht nur im neuen Kinofilm "Alibi.com".

Mit seiner neuen Firma hat Grégory ins Schwarze getroffen: Zusammen mit zwei Kollegen verschafft er seinen (überwiegend männlichen) Kunden wasserdichte Alibis, wenn diese ihre Partnerinnen betrügen wollen. Ein florierendes Geschäft – bis sich der fesche Greg in die entzückende Flo verliebt, die lügende Männer überhaupt nicht ausstehen kann. Und mit vollem Karacho in einen Gewissenskonflikt schlittert.

Die Komödie " Alibi.com" hat in Frankreich bereits 3,6 Millionen Menschen in die Kinos gelockt. Ja, das Thema " Fremdgehen" zieht immer noch – nicht nur auf der Leinwand. Die Zahl jener, die betrügen, variiert je nach Umfrage; glaubt man einer Studie des Flirt-Portals C-date aus dem Jahr 2013, spielen knapp 40 Prozent der Österreicher mit dem Gedanken an außerehelichen Sex. Die Mitgliederzahlen einschlägiger Internet-Plattformen bestätigen die Lust am diskreten Seitensprung: C-date verzeichnet alleine in Österreich mehr als 500.000 Mitglieder, Ashley Madison verhalf schon 25 Millionen Menschen weltweit zu einem Fremdflirt.

Der echte Greg

Auch Patrick Ulmer profitiert vom erotischen Auswärtsspiel. Der Deutsche ist das Real-Life-Pendant zum französischen Leinwandhelden Greg: Vor zehn Jahren gründete er die Agentur "Diskretes Alibi", die Kunden deckt oder ihnen aus der Patsche hilft, wenn es eigentlich schon zu spät ist. "Wir arbeiten in allen Bereichen, aber die meisten Aufträge betreffen das Fremdgehen", berichtet der 32-jährige Familienvater am Telefon. "Auszeit" nennt er es, wenn seine Kunden einfach mal weg wollen – vom Alltag, vom Job, von der Ehe. "Die sagen dann, sie sind in Zürich bei einem Seminar – dabei urlauben sie mit der Affäre in Italien."

Damit der oder die Daheimgebliebene keinen Verdacht schöpft, lässt sich der Alibi-Profi einiges einfallen: Mit seinem Team erstellt er Seminareinladungen oder kooperiert mit Hotels, damit diese den Aufenthalt der Person im gegebenen Fall bestätigen. Mittlerweile würden genauso viele Frauen wie Männer seine Dienste in Anspruch nehmen, berichtet Ulmer. "In den vergangenen Jahren hat sich das angeglichen. Einen Unterschied gibt es: Die Frauen planen schon im Vorhinein genau, die Männer melden sich erst dann, wenn es schon zu spät ist."

So wie jener Kunde, der sich verzweifelt an Ulmer wandte, weil seine Frau von seiner Affäre Wind bekommen hat. "Wir haben dann eine Schauspielerin engagiert, die sich am Telefon als vermeintliche Nebenbuhlerin ausgegeben hat und gesagt hat, da ist nichts, der will mich gar nicht."

Lüge als Dienstleistung

Ähnlich wie Greg im Film musste auch Ulmen seiner Frau irgendwann erklären, wie er sein Geld verdient. "Am Anfang war das natürlich schon schwierig für sie. Aber mittlerweile kann sie gut damit umgehen. Ich verheimliche nichts vor ihr."

Die Frage nach dem schlechten Gewissen muss Patrick Ulmer in jedem Interview beantworten. "Natürlich habe ich persönliche Grenzen, etwa, wenn ich mitbekomme, dass es anderen Menschen schlecht geht. Aber grundsätzlich sehe ich meinen Job als Dienstleistung: Ich biete den Menschen etwas an, und sie nehmen es. Das ist, wie wenn man in ein Geschäft einkaufen geht." Nachsatz: "Außerdem fügen wir ja keinen Schmerz zu – wir sorgen dafür, dass dieser erst gar nicht entsteht."