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Erziehung
06/06/2016

Wovon die Höhe des Taschengelds abhängen sollte

In England werden Buben beim Taschengeld bevorzugt - worauf Eltern beim Geldgeben achten sollten.

von Hedwig Derka, Julia Pfligl

"Gender Pay Gap" nennen Ökonomen die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern – geschlossen ist sie bis heute nicht. 2014 verdienten Frauen laut einem Bericht der Europäischen Kommission durchschnittlich 16 Prozent pro Stunde weniger als Männer, in Österreich waren es sogar mehr als 20 Prozent. Eine britische Studie belegt nun, dass die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern schon viel früher entstehen – nämlich im Kindesalter.

Denn Buben erhalten im Schnitt 13 Prozent mehr Taschengeld als Mädchen – das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des britischen Bankinstituts Halifax mit 1200 Kindern und 575 Eltern. In absoluten Zahlen heißt das: Britische Buben zwischen acht und 15 Jahren bekommen 6,93 Pfund (8,97 Euro) pro Woche, britische Mädchen nur 6,16 Pfund (7,97 Euro). Im Jahr davor gaben Eltern ihren Kindern um sechs Prozent weniger Geld, allerdings war auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern kleiner: Im Vorjahr betrug er gerade einmal zwei Prozent.

No-Go

"Die Höhe des Taschengeldes sollte vom Alter des Kindes und vom Einkommen der Eltern abhängen und nicht vom Geschlecht. Das ist ein absolutes No-Go – aus psychologischer und aus frauenrechtlerischer Sicht", sagt Familienpsychologin Claudia Rupp. Grundsätzlich lernen Heranwachsende über die regelmäßige finanzielle Zuwendung den Wert des Geldes kennen und den Aufschub von Wünschen aushalten. Die Scheine kommen nicht aus dem Bankomaten, sie müssen verdient werden.

Als Faustregel gilt: Je jünger das Kind, desto geringer der Betrag und kürzer der Abstand, in dem Taschengeld ausbezahlt wird. Das Bundeskanzleramt nennt Summen "zur Orientierung" (siehe Grafik) und betont, dass die tatsächliche Höhe private Vereinbarung ist.

"Taschengeld kann nicht über die Verhältnisse ausgegeben werden. Es ist wichtig, dass Eltern da Realität hineinbringen", sagt Rupp. Familiäres Aushandeln – selbstverständlich bei gleichen Rechten für Mädchen und Buben – statt Vorgaben von außen. Auch bei Scheidungskindern kommt das Taschengeld am besten von beiden Eltern gemeinsam.

"Kinder lernen am Modell. Das gilt nicht nur für den Fernsehkonsum oder das Rauchen, sondern auch beim Umgang mit Geld", betont die Psychotherapeutin die Vorbildfunktion der Eltern. Taschengeld soll den Sprösslingen tatsächlich zur freien Verfügung stehen. Das Anleiten, welche Anschaffung sinnvoll und was überflüssig ist, bleibt aber ein "wesentlicher Teil der Erziehungsarbeit: Man soll und muss mit Kindern über das Geldausgeben reden".

Kaufkraft

Apropos reden: 2014 befragte das Marktforschungsinstitut MAKAM Research 596 Eltern von Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren zum Thema Taschengeld. Es zeigte sich, dass vier von zehn Sprösslingen regelmäßig Taschengeld erhielten, durchschnittlich waren es rund 19 Euro im Monat. Im Vergleich zu den britischen Girls und Boys müssen die heimischen Mädels und Burschen also sparsamer haushalten. Ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, bleibt offen. Die wurden in Österreich bisher nicht erhoben.

Wofür Kinder und Jugendliche Geld ausgeben dürfen

Was Heranwachsende vom Gesetz her kaufen dürfen, hängt von ihrem Alter ab:

  • 0 bis 7 Jahre Kinder jünger als sieben sind geschäftsunfähig, dürfen weder Geschäfte abschließen noch Geschenke annehmen. Ausnahme: "Taschengeldgeschäfte", das sind kleinere Anschaffungen wie Wurstsemmel und Straßenbahnkarte.
  • 7 bis 14 Jugendliche sind nun beschränkt geschäftsfähig. "Taschengeldgeschäfte" erlauben jetzt z.B. den Kauf von Büchern oder CDs ohne Zustimmung der Eltern.
  • 14 bis 18 Die Minderjährigen sind nach wie vor nur beschränkt geschäftsfähig, dürfen aber mehr tun als jüngere, z.B. mit kleinen Arbeiten Geld verdienen und es ausgeben.
  • ab 18 Als Volljährige können sie eigenständig diverse Verträge abschließen.
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