Wolfgang Neubauer ist "Wissenschaft­ler des Jahres"

ARCHIVBILD: ÖSTERREICHISCHE FORSCHER ENTDECKEN STE
Foto: APA/LBI ARCHPRO Wolfgang Neubauer fährt mit dem Magnetometer über die Wiesen bei Stonehenge

Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zeichnet den virtuellen Archäologen dafür aus, dass er seine Forschung der Öffentlichkeit verständlich und spannend vermittelt.

Auf der Liste der Forschungserfolge von Wolfgang Neubauer stehen der Sensationsfund der Gladiatorenschule von Carnuntum, ein einzigartiger Häuptlingssitz der Wikinger südlich von Oslo, unerforschte Bereiche des Stadtgebietes von Ephesos – und zuletzt ein zweites, viel größeres Stonehenge in Großbritannien. Grund genug, den Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI-ArchPro) auszuzeichnen, der mit High-Tech-Methoden der Zukunft die längst versunkene Vergangenheit erforscht.

Die Wissenschaftsjournalisten würdigen mit der Ehrung alljährlich auch und vor allem das Bemühen von Forschern, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Image der österreichischen Wissenschaft zu heben.

Abenteuer Wissenschaft

Neubauer hat zuletzt im Zuge der Entdeckung des Superhenge in Stonehenge gezeigt, wie spannend österreichische Wissenschaft und Technologie sein kann und wie man sie einem breiten Publikum näher bringt. Außerdem steht er schon seit Jahren den Medien und der Öffentlichkeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

BRITAIN ARCHEOLOGY Foto: EPA/UNIVERSITY OF BIRMINGHAM / HO Am Beispiel Stonehenge lässt sich auch ganz gut erklären, was Neubauers Forschung so besonders macht: Mit einem Mini-Traktor flitzt der Archäologe über sein Forschungsgelände. Unter dem fahrbaren Untersatz: ein eigens entwickeltes Magnetometer, Bodenradar, 3-D-Laser-Scanner und magnetische Sensoren, die Abweichungen vom Erdmagnetfeld zeigen. Alles dient nur einem Zweck: den Boden zu durchleuchten und verborgene Altertümer sichtbar zu machen – berührungsfrei, zerstörungsfrei, schweißfrei.

Neue Wege

"Mit Auflösungen von vier mal acht Zentimetern können wir bis in drei Meter Tiefe hineinschauen", sagt Neubauer. Das Bodenradar ermöglicht es, Überreste durch den Einsatz elektromagnetischer Wellen dreidimensional am Computerbildschirm abzubilden. Die reale archäologische Landschaft wird in eine virtuelle Landschaft umgewandelt, deren Untergrund von den Spezialisten mithilfe Software-basierter Werkzeuge erforscht werden kann.

"Wir wollen neue Wege finden, um komplette archäologische Landschaften effizient zu untersuchen." Mit dieser Zielsetzung für zerstörungsfreie Forschung hat Neubauer 2010 seinen neuen Job als Chef des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie angetreten. Nach zwanzig Jahren Aufbauarbeit sind die Leute vom LBI "international die Besten", ist der Direktor und frischgebackene Wissenschafter des Jahres überzeugt.

Die Vorgänger

Die Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" ist mit einer Einladung des Office of Science and Technology (OST) an der österreichischen Botschaft in Washington zu einem Vortrag in der US-Hauptstadt und dem Besuch als Ehrengast beim Wiener Ball der Wissenschaften am 30. Jänner 2016 verbunden. In den vergangenen Jahren haben der Astrophysiker Wolfgang Baumjohann (2014), die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter (2013), der Ökologe Georg Grabherr (2012), die Archäologin Sabine Ladstätter (2011) und der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal (2010) die seit 1995 vergebene Ehrung erhalten.

Was der Archäologe Wolfgang Neubauer zu seiner Kür zum Wissenschafter des Jahres sagt, was er 2016 in Stonehenge plant und was das alles mit dem Professor Habakuk Tibatong aus dem Kinderbuch Urmel aus dem Eis zu tun hat, lesen Sie in der KURIER-Print-Ausgabe am Freitag.

(kurier) Erstellt am
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