Leben
28.02.2018

Wien bekommt sein erstes Filmfestival für Porno

Das Festival mit Filmen, Vorträgen und Workshops findet erstmals vom 1. bis zum 4. März statt.

Über etwas, das fast jeder schon einmal gesehen hat, müsse man auch reden können, ist die Devise hinter dem ersten Porn Film Festival Vienna. Veranstalter Yavuz Kurtulmus und seine Mitstreiter werden vom 1. bis zum 4. März in verschiedenen Wiener Kinos Pornos fernab vom Mainstream in Form von Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen zeigen.

Frauen als Objekte

"Es ist wichtig, im öffentlichen Raum über dieses Thema zu reden", so Kurtulmus im Gespräch mit der APA: "Pornos sind nichts Schlechtes, aber man soll auch die Alternativen kennenlernen und eine Ahnung davon haben, was man da unterstützt." Mainstreampornos würden Frauen oft objektivierend darstellen. Das Festival konzentriert sich deshalb auf alternatives Material, Schwerpunkte liegen auf Österreich und Feminismus und LGBT-Sichtweisen. Mit dem diversen Programm wolle man alle Menschen ansprechen.

1. Porn Film Festival Vienna from Gregor Schmidinger on Vimeo.

Im Rahmen des Festivals werden nicht nur explizite Filme, davon allein 91 Kurzfilme, gezeigt, sondern auch Vorträge, Diskussionen und Workshops veranstaltet. Diverse Thematiken wie Virtual-Realtiy-Pornos sowie Pornosucht werden angerissen, es gibt eine erotische Rätselrallye durch Wien und einen "Bondage for Beginners"-Workshop. Als Höhepunkt der Veranstaltung nennt Kurtulmus unter anderem "Pieles", den ersten Spielfilm, der am Festival über die Leinwand geht. Auch die "Political Porn Shorts", sowie die darauf folgende Diskussion über den Rechtsruck in der Gesellschaft sowie dessen Einfluss auf die Kunst seien sehr gefragt. Abgeschlossen wird mit einer "Porn Party".

Trailer zu "Pieles":

Pendant in Berlin

Das Pendant in Berlin geht heuer bereits in die 13. Runde. Im Rahmen seines anderen Projektes, dem "Transition Queer Minorities Film Festival", hat Kurtulmus schon von 2014 bis 2016 einen Abend lang Gastpornos aus Berlin gezeigt. "Die Nachfrage war sehr groß, das Publikum wollte mehr als einen Abend, aber das war aufgrund des anderen Fokus des Festivals nicht möglich", erzählt der Veranstalter. Schließlich habe er beschlossen, ein buntes Team - bestehend etwa aus Künstlern, Studierenden und Filmemachern - zusammenzustellen, und das Festival selbst auf die Beine zu stellen. In Wien müsse man "etwas sachter anfangen", erklärt Kurtulmus, da die österreichische Hauptstadt konservativer sei als Berlin. Dennoch werden hier auch die besten Filme aus Berlin gezeigt.

Eine Teaser Night im Schikaneder Kino im November war sofort ausverkauft. "Alle waren begeistert, und es war nicht so schlimm wie erwartet", freut sich der Veranstalter. Nach der ersten Viertelstunde, in der das gemeinsame Pornoschauen noch etwas angespannt gewirkt habe, seien die Zuseher lockerer geworden. "Im Vergleich zu einem normalen Filmfestival ist es gemütlicher, man lacht und hat Spaß und danach unterhält man sich miteinander, die Möglichkeit zum Austausch soll da sein", stellt Kurtulmus fest.

Schwierige Sponsorensuche

Die Sponsorensuche sei hingegen schwierig gewesen, so der Veranstalter, da viele Ansprechpartner im ersten Jahr noch skeptisch gewesen seien. Das Festival wurde unterdessen vor allem mit privaten Geldern sowie einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Man hofft, dass die Kosten durch den Verkauf der Kinotickets gedeckt werden. Diese kann man im Festival Center im Schikaneder sowie vor Filmstart in den Kinos erwerben.

>> Zur Website des Festivals