Onlineshop: Wehrmacht-Fanartikel sorgen für Kritik

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Foto: Screenshot/real.de Einer der Artikel, die für kontroverse Diskussionen sorgten.

Der Verkauf von Wehrmachtsdevotionalien im Onlineshop der deutschen Supermarktkette Real sorgt in Deutschland für Empörung. Der Konzern hat sich mittlerweile entschuldigt – und die Produkte offline genommen.

Helme, Gürtel, Notizbücher – alle "genau nach der Vorlage der deutschen Wehrmacht" gemacht: Wegen dieser Produktpalette steht die Einzelhandelskette Real derzeit im Kreuzfeuer der Kritik. Das berichten unter anderem die Süddeutsche Zeitung und Die Welt.

Soldatenuniform für 54 Euro

Für 27,60 Euro wurde ein "Wehrmachts-Hosengürtel, Leder schwarz, Gott mit uns" angepriesen. 53,90 Euro wurden für eine graue Soldatenuniform verlangt, die an die Kleidung der Wehrmacht erinnert. Der Beschreibungstext dazu: "Das Soldaten-Kostüm sieht besonders erschreckend mit unserer Adolf Hitler Maske aus".

Nachdem Screenshots der Produkte ihren Weg ins Internet gefunden hatten, machte sich rasch Empörung auf Social Media breit. Moderator Jan Böhmermann war einer der ersten, der am Sonntag auf Twitter auf das merkwürdige Angebot hinwies. "'Einfach für alles was man nicht vergessen will und darf! Super Geschenkidee, so vielseitig wie Du!'", schrieb er ironisch. Und fügte an: "Was geht ab im @realMarkt?". Sei Beitrag wurde bisher über 800 Mal gelikt und hundertfach geteilt.

Auch der Grünen-Politiker Sebastian Hansen machte auf dem Mikrobloggingdienst auf die Devotionalien aufmerksam. Er kündigte an, Strafanzeige gegen Real zu erstatten.

Real ist eine Einzelhandelskette der Metro AG, die durch die Real Group Holding GmbH in Deutschland mehrere hundert Supermärkte betreibt. Auf Anfrage der Welt entschuldige man sich: "Wir bitten unsere Kunden und die Öffentlichkeit um Entschuldigung. Wir mussten zu unserem großen Bedauern feststellen, dass sich im Angebot Dritter auch Artikel befinden, die die Vorgänge in der Zeit des Nationalsozialismus verherrlichen und als Fan-Artikel angeboten werden", heißt es in einem Statement von Pressesprecher Markus Jablonski. Ähnlich wie bei Amazon würden im Onlineshop von Real diverse Drittanbieter ihre Produkte verkaufen. Man distanziere sich von den Produkten und habe die Artikel entfernt.

"Shit happens"

Gerald Schönbucher, Geschäftsführer des Digitalbereichs bei Real, schrieb auf Twitter als Antwort auf Jan Böhmermanns Posting: "Shit happens. Haben wir erst jetzt Kenntnis von bekommen und natürlich asap rausgenommen. Sorry. No bad intentions." Er teilte außerdem mit, dass nicht jedes Produkt von Drittanbietern manuell geprüft werde, bevor es in den Onlineshop komme.

Nicht zwangsläufig illegal

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gibt Real auf seiner Website an, dass "Propagandamaterial und Material mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen" sowie "gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes" und "diskriminierendes Material" im Onlineshop verboten ist. Dennoch: Selbst wenn der Konzern derartige Produkte aus seinem Sortiment ausschließt, sind sie nicht zwangsläufig illegal.

Laut den Paragrafen 86 und 86a des deutschen Strafgesetzbuches ist das Tragen und Zeigen von Symbolen des Nationalsozialismus verboten. Dazu zählt das Hakenkreuz und die SS-Rune, aber auch Uniformen (oder Teile davon), die auf das Nazi-Reich schließen lassen. Wehrmachtssymbole umfasst das Verbot nicht, da es sich bei der Wehrmacht laut Verfassungsschutz nicht um eine "nationalsozialistische Organisation handelt".

(Kurier / raj/pama) Erstellt am
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