Leben
16.05.2018

Very british: So feiern die Österreicher Harry und Meghan

Wenn am Samstag in London geheiratet wird, stoßen auch zahlreiche Österreicher bei Tea Partys an.

Ein Wiener Kaffeesieder freut sich zur Mitte dieser Woche: „120 Mitglieder haben sich bereits für unsere Veranstaltung am Samstag angemeldet.“ Kommerzialrat Kurt Tiroch hat lange in London gearbeitet und dort seine Liebe für den Lifestyle und auch den Humor der Briten entdeckt.

Der Präsident der Austro-British Society führt mit seiner Frau das Café Ministerium nahe der Wiener Ringstraße. Wo sich wochentags österreichische Beamte aus den drei umliegenden Ministerien gerne zum Kaffee treffen, wird es am Samstag wieder einmal very british.

Die geschlossene Gesellschaft trifft sich gegen 12 Uhr, um gemeinsam die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle im Fernsehen anzusehen. „Nebenbei werden sich die Mitglieder unserer Society gut unterhalten und standesgemäße Snacks konsumieren“, erklärt der Herr Präsident, der auch schon zu anderen royalen Ereignissen eingeladen hat.

Willkommene Freude

Die Austro-British Society zählt 500 Mitglieder, rund ein Fünftel besitzt einen britischen Pass. Laut einer aktuellen Erhebung der Statistik Austria leben etwas mehr als 10.000 Briten in Österreich. Zuletzt hat sie mehr die bohrende Frage beschäftigt: Wie geht es weiter nach dem Brexit? Kurt Tiroch weiß aus vielen Gesprächen, dass die Sorgen seiner Freunde groß sind: Bleibt mir mein Arbeitsplatz im Ausland erhalten? Werde ich weiterhin meine staatliche Pension in voller Höhe ausbezahlt bekommen?

Die Trauung in London, die seit Tagen weltweit für Gesprächsstoff sorgt, ist somit auch für die Briten in Österreich eine willkommene Abwechslung. Das moderne Märchen vom Prinzen, der eine schöne Amerikanerin um ihr Jawort bittet, bringt sie auf andere Gedanken.

Das weiß auch Lukas Wiesböck, der Sprecher der britischen Botschaft in Wien, der bezüglich Brexit zu beruhigen versucht: „Die Verhandlungen sind noch lange nicht abgeschlossen.“

Anders als bei der Hochzeit von William und Kate vor sieben Jahren, die an einem Werktag stattfand, lädt der britische Botschafter am Samstag nicht zum Empfang in die Wiener Jauresgasse. „Der Botschafter kann am Samstag leider nicht in Wien sein“, erklärt dazu Lukas Wiesböck. „Er ist in die Vorbereitungen der Ratspräsidentschaft involviert.“ Der Botschaftssprecher weiß jedoch von zahlreichen privat organisierten Tea Partys in Österreich. „Alle freuen sich darauf. Das englische Königshaus genießt überall hohe Sympathiewerte.“

Öffentliche Zusammenkünfte wie das Public Viewing in der Luftburg im Wiener Prater, wo traditionell eher Bier gezapft als Tee getrunken wird, sind eher die Ausnahme. Die Mehrheit der Österreicher wird die Hochzeit des Jahres maximal ne-benbei verfolgen. Zu Pfingsten fahren viele fort, andere nehmen an der Vielzahl hiesiger Veranstaltungen teil.

Besser als Fußball

Doch so wie beim Song Contest gibt es auch Österreicher, die die Fernsehübertragung ordentlich zelebrieren möchten. So wie Karin Schiller-Suchard. Die Marketingfachfrau einer Wiener Großbank hat ihrem Mann und ihrem Sohn einen Ausflug nahe gelegt und drei Kolleginnen zum Royal Brunch eingeladen. Unkenrufe diesbezüglich perlen an ihr ab: „Wenn die Männer gemeinsam Fußball schauen, und Fußball wird öfters gespielt als in London geheiratet wird, regt sich auch niemand auf.“

Gespannt sind Frau Schiller-Suchard und ihre Kolleginnen auf die Brautleute: „Die sind in unserem Alter. Da werden wir sicher auch über die Kleider und die Blumen sprechen. Das ist auch eine nette Flucht aus dem Alltag.“