König Papa und seine kleine Prinzessin

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Foto: /IStockphoto .

Die Beziehung zu ihrem Vater prägt Töchter für ihr Leben. Wie werden Sie ein cooler Papa und bleiben es auch noch, wenn Ihre Tochter schon ein Teenager ist?

Im Leben jedes Vaters kommt einmal dieser Moment: Seine kleine Prinzessin wird groß und verliebt sich in einen anderen Mann. Geht nächtelang weg. Zieht aus. Und er kann sie nicht mehr beschützen. Die gute Nachricht an Papas: Sie sind trotzdem die erste Liebe ihrer Töchter und bleiben ihr Held.

Die Wissenschaft bestätigt, wie prägend engagierte Väter sind. Ihre Mädchen haben oft ein stärkeres Selbstbewusstsein, einen besseren Zugang zu Leistung, ein positiveres Selbstbild und klarere Vorstellungen einer respektvollen Beziehung, sagt etwa US-Psychologin Linda Nielsen. Nun macht Autorin Meg Meeker in ihrem neuen Buch "Starke Väter, starke Töchter" Männern ihre Bedeutung klar: "Wenn Ihre Tochter 25 ist, wird Sie ihren Partner mit Ihnen vergleichen. Mit 35 hat die Zahl ihrer Kinder damit zu tun, was sie mit Ihnen erlebt hat. Die Stunden und Jahre, die Sie mit ihr verbringen, bestimmen, welche Art Mensch Ihre Tochter wird. Sie sind als Vater die erste Liebe Ihrer Tochter, und daher ist die Art der Beziehung, die Sie in ihren ersten Lebensjahren zu ihr aufbauen, von ausschlaggebender Bedeutung."

Erste Liebe

Das Berater-Duo Stefan und Sandra Teml-Jetter beschäftigt sich intensiv mit Rollenbildern in Familien und erlebt in der Praxis Frauen, die noch als Erwachsene darunter leiden, dass sie von ihrem Vater nicht geschätzt wurden. "Eine Klientin erzählte mir, dass ihr Vater Frauen immer nach ihrem Äußeren beurteilt hat. Viele arbeiten auf, dass sie von ihren Papas nicht wahrgenommen wurden. Wenn Väter immer alles besser wissen, kiefelt die Tochter ein Leben lang an ihrer Kompetenz", so Stefan.

Ihm vertrauen Väter oft an, dass die Liebe zu ihren Töchtern stärker ist als zu ihrer Frau, weil diese von Paar-Konflikten belastet ist. Doch er erlebt auch, wie Väter Nähe meiden, weil sie den Anschein von Missbrauch fürchten. Dafür hat er eine einfache Anleitung: "Ab einem gewissen Alter, etwa wenn die Brüste wachsen, gibt nur noch das Mädchen vor, welche Distanz sie wünscht und wie viel Nähe sie haben möchte."

Er selbst hat zu seiner heute 13-jährigen Tochter eine "magische Beziehung, von Geburt an". Es sei wichtig, dass der Vater ein Mädchen als geistiges und auch als körperliches Wesen anerkennt. "Er soll ihr ruhig sagen, wie schön sie ist", so Stefan über die "unschuldige Beziehung".

Sandra Teml-Jetter fällt auf, dass "oft Mütter die Vater-Tochter-Beziehung untergraben, weil sie ein so inniges Verhältnis zwischen Vater und Kind nicht aushalten". Als Mutter zweier Söhne und einer Tochter kann sie vergleichen: "Ich hatte bis zur Pubertät eine stärkere Beziehung zu meinen Söhnen und erst dann zu meiner Tochter Franziska. Aber ihre primäre Bindungsperson bleibt Stefan." Auf die Frage nach der Besonderheit ihrer Beziehung zum Papa antwortet Franziska (13) sofort: "Wir reisen gerne zusammen. Das interessiert uns und es ist schön, Papa mal ganz alleine zu haben. Es ist etwas anderes, mit ihm zu reden als mit Mama."

Große Mädchen

In der Pubertät gehen die Emotionen hoch. "Entweder lieben die Mädchen ihre Väter oder hassen sie – manchmal beides zugleich", stellt Autorin Meeker fest. "Väter müssen auf der einen Seite streng und konsequent, auf der anderen Seite aber auch sanft und gütig sein und ihre Töchter so akzeptieren, wie sie sind. Das ist ein Balanceakt." Vor allem ihr Männerbild hat mit der Wahrnehmung der Tochter durch den Vater zu tun, berührt Meeker einen heiklen Punkt: "Jedes Mädchen, das im Playboy abfotografiert ist, ist irgendjemandes Tochter. Wenn Sie nicht wollen, dass es Ihre Tochter ist, klären Sie sie auf, welche Folgen welches Verhalten haben kann. Jetzt mag Ihre Tochter Sie deswegen vielleicht hassen, aber später einmal wird Sie Ihnen dankbar sein." Sie rät im Sinne amerikanischer Teenie-Filme, dass Mädchen von zu Hause abgeholt werden und die Burschen die Präsenz des Vaters erleben. "Wenn Freunde bei mir sind, ist es okay, wenn die Eltern fragen, wer das ist, aber dann sollen sie nicht alles überwachen", stimmt Franziska zu. "Vertrauen ist sehr wichtig", betont sie.

Das sieht ihr Vater ähnlich: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Tochter einen drogensüchtigen Idioten mitbringt und ich einschreiten muss. Mit zwölf ist die Erziehung vorbei und man kann nur noch ernten." Da widerspricht die Mutter: "Ich beobachte, dass Stefan bei seiner Tochter eine weiche Seite hat und ich die Dinge klar sehen muss. Bei meinem großen Sohn war das genau umgekehrt." Da müssten Erwachsene einander ausgleichen – und schauen, wo ihre eigene Angst liegt. Sandra: "Eltern haben eben eine stärkere Tendenz, ihre Töchter zu beschützen als ihre Söhne."

Tipps für Papas

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Füße im Sand, Kind steht au… Foto: /IStockphoto/LindaYolanda Erziehen Sie eine Prinzessin und Pionierin. Tragen  Sie Ihre Tochter auf Händen wie eine Prinzessin, aber zeigen Sie ihr auch das echte Leben. Das geht nicht, wenn sie nur in rosa Watte gepackt wird. Nur Mädchen, die lernen, ihren Mann zu stehen, entscheiden sich später für den richtigen Traumprinzen.

Seien Sie der Mann, den Ihre Tochter einmal lieben soll. An Ihrer Art, mit Frauen umzugehen, lernt Ihre Tochter, wie Beziehungen laufen sollen.

Reden Sie mit Ihrer Tochter. Väter und Söhne können wortlos ihre Beziehung pflegen, Töchter nicht. „Verwenden Sie etwa doppelt so viele Wörter, als Sie normal verwenden würden“, rät Autorin Meg Meeker.

Finden Sie Ihre gemeinsamen Interessen. Väter fassen ihre Töchter mehr mit Samthandschuhen an als Söhne. Aber ein sportliches Duell am Tennisplatz hat noch keiner Tochter geschadet. Und keinem Mann, wenn er im Kino einen Mädchenfilm gesehen hat.

Vertrauen erarbeiten. Teenager werfen ihren Vätern oft vor, dass er ihnen nicht vertraut. Machen Sie Ihrer Tochter klar, dass die Regeln keine Frage des Vertrauens sind, sondern der  Sicherheit dienen. Aber Achtung: Keine Tochter schüttet ihrem Vater ihr Herz aus, wenn  sie bei solchen Gesprächen Angst hat, nur kritisiert zu werden.

Gehen Sie mit der Zeit. Entwickeln Sie ein Gefühl dafür, wie es in der Welt aussieht, mit der Ihre Tochter heute, morgen und in zehn Jahren konfrontiert ist.

Lieben ohne Bedingungen. Sie müssen Ihre Tochter auch dann lieben, wenn sie nicht Ihr süßes Mädchen ist, sondern eine grässliche Nervensäge.

Erfahrung

Ich war einmal ein Held – und heute brauche ich den Trost

Ich war bei der Geburt dabei und der erste Mann, den sie gespürt hat. Ich blieb ein Jahr lang daheim, um ihre ersten Schritte,  ersten Worte und ersten Blödheiten zu erleben. Ich brachte sie in die Kindergruppe, in die Schule und zum Flughafen, als sie mich in diesem Sommer erstmals für zwei Wochen verließ. Und wie ich sie dort umarmte, fiel mir ein, wie wir einst nach einem langen Winterspaziergang  entdeckten,  dass ihr Stofftier verloren gegangen war. Also lief ich kilometerlang durch die eisige Nacht, auf der Suche nach der heiligen Muhkuh. Und ich fand sie.  Einsam im Schnee liegend. Ich kann heute noch nicht ausdrücken, wie groß das Glück war, das ich in diesem Augenblick empfand. Ich kehrte als Held zurück. Auf meinen Schultern: die Muhkuh. Und vor mir stand meine Tochter, in deren Augen ich lesen durfte, dass nur ein von Engeln inspirierter Papa dieses Wunder vollbringen hatte können. Uns blieb für immer das Gefühl einer außergewöhnlichen Symbiose. Einer besonderen Liebe. Genährt durch kraftvolles Urvertrauen, leidenschaftliche Dialoge und die Gewissheit, dass es eine Unmöglichkeit ist, das Beste zu machen, aber eine Selbstverständlichkeit, es zu versuchen. Jetzt hat die Zeit der anderen Männer begonnen. Nicht leicht für mich.  Es dreht sich.  Meine Tochter nimmt längst mich in den Arm, um mich zu trösten. Der tollste Papa bleibe nämlich garantiert ich. Sagt auch die Muhkuh.

Berühmte Väter und ihre Töchter

Starnacht 2008 Champagnerparty Foto: KURIER/Rainer Eckharter „Ich wünsch’ dir Liebe ohne Leiden  und eine Hand, die deine hält.“ Seine Wünsche an Jenny verpackte Udo Jürgens 1984 in ein Vater-Tochter-Duett. Obwohl das Lied ein großer Erfolg wurde, entschied sich Jenny gegen eine Gesangs- und für eine Schauspielkarriere – ihre Stimme sei gut, aber nicht gut genug, sagte sie selbstkritisch in einem Interview. Ihren Vater verehrte sie – trotz seines ausschweifenden Lebensstils – bis zu seinem überraschenden Tod 2014.

Welche Bürde ein berühmter Name sein kann, weiß Paloma Picasso. Schon als Kind wurde die Tochter des legendären Malers Pablo immer mit ihrem Vater verglichen, wenn sie sich künstlerisch betätigte. „Sie war ein außergewöhnlich schüchternes Mädchen“, verriet eine Freundin der Familie einmal. „Die Leute zeigten auf sie, weil sie Picassos Tochter war.“ Erst durch ihre Arbeit als Designerin für Schmuck und Accessoires erlangte die heute 66-Jährige Selbstbewusstsein, sagte sie der Zeitschrift Harper’s Bazaar: „Ich muss mir nichts mehr beweisen. Jetzt kann ich entspannen.“

Regisseurin Sofia Coppola hat sich mittlerweile daran gewöhnt, in jedem Interview nach ihrem Vater, Regie-Legende Francis Ford Coppola, gefragt zu werden. Obwohl  die Fußstapfen des Filmemachers („Der Pate“,  „Apocalypse Now“) groß waren,   hatte sich die 44-Jährige ebenfalls für eine Karriere hinter der Kamera entschieden. Mit Erfolg: Für „Lost in Translation“ gewann sie 2004 einen Oscar, ihr Film „Somewhere“ wurde mit einem Goldenen Löwen ausgezeichnet – er handelt von einer Vater-Tochter-Beziehung.

Kokowääh Foto: ORF Auch Emma Schweiger steht schon seit ihrer Geburt im Rampenlicht. Mit drei Jahren gab die jüngste Tochter von Til Schweiger ihr Schauspieldebüt im Film „Barfuß“, es folgten Auftritte in „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ – immer unter der Regie des berühmten Papas. Der schwärmt vom Talent der Zwölfjährigen, sie bemerkt: „Mit Papa ist es schon anstrengend, weil er sich traut, strenger mit mir zu sein.“

Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen französischen Partei Front National, scheint sich endgültig von ihrem Vater Jean-Marie emanzipiert zu haben.  Wegen antisemitischer Aussagen verpasste sie dem Alt-Politiker und Partei-Gründer einen Maulkorb. „Er erträgt einfach nicht, dass der Front National ohne ihn weiter existiert.“ Manche Väter halten es eben nicht aus, plötzlich im Schatten der eigenen Tochter zu stehen.

(kurier) Erstellt am
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