Leben
25.04.2017

Neue Brüste zum Muttertag? - SPÖ klagt Kronehit

Neue Brüste zum Muttertag? Damit wirbt aktuell der österreichische Radiosender Kronehit. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek kündigte am Montag eine Anzeige an.

Update 10.52 Uhr: Stellungnahme von Kronehit eingelangt

"Tutti kompletti" heißt die Promo-Kampagne des Privatradiosenders, die derzeit die Gemüter erhitzt. Anlässlich des bevorstehenden Muttertags sollen zwei Schönheitsoperationen für Mutter und Tochter begleitet werden. Den Teilnehmerinnen wird dafür ein Honorar von je 5.000 Euro für Aufnahmen, Studiobesuche und PR-Termine geboten. Mit dem Satz "Willst du dir und deiner Mutter neue Brüste schenken zum Muttertag?" wirbt man seit Sonntag auf der Homepage und in den sozialen Medien für die Kampagne.

"Kein Gewinnspiel"

Mitmachen kann man, indem man ein Foto von sich und seiner Mutter einschickt. Das Schönheitsoperationengesetz (ÄsthOpG) verbietet seit 2013 Werbung für ästhetische Behandlungen und Operationen sowie Preisausschreiben, Spiele, Verlosungen oder vergleichbare Verfahren. Wie der Radiosender in seinen Teilnahmebedingungen allerdings schreibt, stellt "das Experiment kein Gewinnspiel dar".

Das sieht man bei der SPÖ anders: Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek kündigte am Montag eine Klage gegen den Radiosender und den behandelnden Arzt an. "Wir sehen das nicht als 'kein Gewinnspiel' sondern als ein Gewinnspiel. Das ist unterste Schublade und geschmacklos", sagte Heinisch-Hosek. "Mit Frauenkörpern experimentiert man nicht", kritisierte die Frauenvorsitzende.

Gegenüber kurier.at sagte Daniela Linzer, stellvertretende Programmchefin bei Kronehit: "Jede Frau sollte selbst über ihren Körper bestimmen dürfen, darum geht es uns." Man wolle mit der Aktion eine offene Diskussion über das Frauenbild ermöglichen und fördern. "Dafür sind wir als Medium da, dass wir Themen, die gerade diskutiert werden, aufgreifen."

Die Kritik an dem Honorar für die Teilnehmerinnen weist sie zurück: "Es gehört viel Mut dazu sich so einer Operation zu unterziehen. Das sollte gerecht entlohnt werden." Tatsächlich handelt es sich Linzer zufolge nicht um eine Verlosung der OPs im Sinne eines Gewinnspiels: "Die Teilnehmerinnen müssen selbst für die OP-Kosten aufkommen. Weil wir sie dabei begleiten dürfen, gibt es von unserer Seite das Honorar." Welche OP-Kosten letztendlich für die Teilnehmerinnen entstehen würden, könne man im Vorfeld nicht sagen, bisher hätten sich aber bereits fast 300 Personen für die Aktion angemeldet. Die Anzeige wolle man rechtlich prüfen.

"Bescheuerte Idee"

Auch auf Facebook hagelte es unter dem Posting zur Aktion Kritik: "Bescheuerte Idee", "So was blödes" oder auch "Geht's noch?? Wenn ihr schon etwas mit Brüsten machen wollt, dann engagiert euch bitte für Brustkrebsuntersuchungen (Mammografie)", ist da zu lesen. Zahlreiche User zeigen sich aber auch begeistert und kündigen via Facebook eine Teilnahme an. Laut Linzer hält sich der Tenor unter dem Posting die Waage, zwei Drittel der Emoji-Reaktionen seien zudem positiver Natur. Mittels unterschiedlicher Emojis kann man auf Facebook seit geraumer Zeit seine Meinung zu Themen kundtun.

Anlass für die Planung der Kampagne war offenbar ein Anruf, der während "Absolut Anita – Girlietalk Deluxe", der sonntäglichen Talkshow des Privatradiosenders mit Moderatorin Anita Ableidinger, einging. "Vanessa hat bei Absolut Anita – Girlietalk Deluxe erzählt, sie hat sich neue Brüste machen lassen – und ihre Mama gleich mit ihr. Klingt wie ein Scherz aber erstaunlich viele Mädchen haben angerufen, sie würden das auch machen. Aber reden ist das eine, wir wollen es genau wissen", heißt es auf der Kronehit-Homepage.

Kronehit hat gegenüber kurier.at am Dienstagvormittag eine Stellungsnahme angekündigt, diese ist jedoch nicht vor Veröffentlichung des Artikels eingelangt. (Update: Mittlerweile wurde der Artikel mit der Stellungnahme ergänzt.)

Mit der Aktion werden Erinnerungen an eine ähnliche Kampagne eines deutschen Radiosenders wach. Der bayrische Radiosender Radio Galaxy Ingolstadt 107,9 wollte im Rahmen einer Werbeaktion Anfang des Jahres einen "Traumbusen" verlosen. Nach Protesten wurde das Gewinnspiel schließlich gelöscht (mehr dazu hier).