Leben
16.05.2018

Trennungsgebühr: Warum das Liebesaus in China teuer werden kann

Würden Sie Ihren Ex-Partner nach der Trennung finanziell entschädigen? In China ist diese Praktik mittlerweile weitverbreitet.

Anfang Mai wurde die Polizei in der chinesischen Stadt Hangzhou in der Provinz Zhejiang über einen verdächtigen Koffer informiert, der in einer Bar abgestellt worden war. Als die Beamten den Koffer öffneten, fanden sie Bargeld in Höhe von umgerechnet 265.000 Euro darin. Das berichtet die BBC. Die Polizei konnte den Besitzer ausfindig machen: Es handelte sich um einen 23-jährigen Chinesen, der sich mit seiner Ex-Freundin in der Bar treffen wollte, um ihr den Koffer zu überreichen. Die stattliche Geldsumme sei eine Trennungsgebühr gewesen, die der Mann seiner Verflossenen geben wollte.

Trend zur Trennungsgebühr

In China zahlen immer mehr Menschen nach dem Beziehungsende eine solche Gebühr. Mit dem Geld soll der Ex-Partner für das Liebesaus entschädigt werden. Eine rechtliche Grundlage für die Höhe des Betrags gibt es nicht. Vielmehr scheinen sich immer mehr Chinesen moralisch verpflichtet zu fühlen, dem oder der Ex eine finanzielle Kompensation anzubieten.

Zahlen muss die Person, von der die Trennung ausgeht. Basierend auf der Beziehungsdauer und dem emotionalen und monetären Investment in die Liebesbeziehung, wird die Summe kalkuliert. So zahlen die einen exakt jene Summe zurück, die der Partner für Geschenke oder Ähnliches ausgegeben hat, während man noch zusammen war. Andere bemessen die Abgabe am emotionalen Leidensdruck, den die Trennung beim anderen hinterlässt.

Männer zahlen laut BBC wesentlich häufiger die Trennungsgebühr als Frauen – motiviert durch Schuldgefühle oder weil man die Trauer bei der Frau lindern möchte. Doch auch Frauen greifen nach dem Beziehungsaus immer öfter mitunter tief in die Tasche und zeigen sich für Ausgaben für Essen oder materielle Zuwendungen, die in Beziehungen in Asien traditionell der Mann tätigt, erkenntlich.

Verpasste Chancen kompensieren

Wie das Magazin Forbes berichtet, liegt der Trend zur Trennungsgebühr nicht zuletzt im Anspruch moderner Konsumgesellschaften begründet. Neben der Befriedigung möglichst vieler materieller Bedürfnisse durch Konsum oder gegen entsprechende Bezahlung, werden so auch seelische Sehnsüchte gegen Geld aufgewogen. Andere sehen das urbane Phänomen als aufkeimendes Überbleibsel traditioneller Beziehungsmuster der chinesischen Gesellschaft. Dabei standen und stehen vor allem pragmatische Motive im Vordergrund. Beziehungen sind auf eine Ehe ausgerichtet. Wird man als Frau verlassen, fühlt man sich womöglich gewisser Chancen und Möglichkeiten beraubt, da man Jugend und Karriere zugunsten der Liebe vernachlässigt hat. Vor diesem Hintergrund scheint die Trennungsgebühr zumindest etwas weniger absurd.

Dass die Trennungsgebühr auch bizarre Formen annehmen kann, zeigen Fälle aus der jüngsten Vergangenheit. So listete eine Frau im April dieses Jahres etwa penibelst und detailliert alle Restaurants und Hotels auf, die sie zusammen mit ihrem Ex besucht hatte, um ihn folglich angemessen für die Trennung zu entschädigen. Im Jänner dieses Jahres forderte ein verlassener Chinese Trennungsgeld von seiner ehemaligen Freundin, die sich getrennt hatte, weil er eine Glatze bekam.

Andere Fälle machen betroffen: Im Jahr 2014 bestand ein Mann in der Provinz Sichuan darauf, eine finanzielle Vergütung zu erhalten. Er war von seiner Freundin, mit der der verheiratete Mann eine Affäre hatte, mehrmals hintergangen worden. Als die Frau sich weigerte die Summe zu bezahlen, suchte er ihr Zuhause auf und verübte einen Säureangriff auf ihre Familie.

Frau nahm Geld nicht an

Im Fall der Geldübergabe in der Bar in Hangzhou fand die Polizei heraus, dass die verlassene Freundin die Summe nicht akzeptiert hatte. Sie fand den Betrag nicht angemessen – und ließ den Koffer stehen. "Ich habe es nicht genommen und bin gegangen", zitiert die Global Times die Frau in einem Artikel. Schlussendlich wurde das Geld dem Mann zurückgegeben, mit dem Hinweis, künftig sorgsamer mit seinem Ersparten umzugehen. Ob der Aufregung über die hohe Geldsumme zeigte sich der Chinese überrascht: "Ist das eine hohe Summe?", soll er laut Global Times erstaunt gefragt haben.

Auf dem sozialen Netzwerk Weibo (chinesische Version von Twitter) spaltet der Vorfall unterdessen die Userschaft. Während die einen das Aufwiegen von Liebe mit Geld infrage stellen, kritisieren andere, das Phänomen würde ärmere Mitglieder der Gesellschaft bei der Partnersuche unter Druck setzen.