Leben
04.03.2012

Tiercoach: Herzrasen und Reisen

Einmal die Woche gibt Zoo-Direktorin Dagmar Schratter Tipps zum Thema Haustiere und beantwortet Fragen von KURIER-Lesern

Sie sind treue Begleiter, Seelentröster, Ärzte und Unterhalter. Und sie sind oft Sorgenkinder. Vor allem Hunde und Katzen stellen Heimtierhalter vor große Herausforderungen. KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter, Direktorin des Tiergarten Schönbrunn, hilft beim Problemlösen. Hier ihre Tipps zu Leserfragen:

Wir haben einen 14-jährigen Mopsmischling, der immer lieb und unauffällig war. Nun bellt er plötzlich zu den verschiedensten Anlässen: Wenn jemand kommt, die Glocke läutet, sogar wenn ich mein Handy aktiviere. Er reagiert überhaupt nicht auf „AUS“ etc. Gibt es eine Möglichkeit, dem Hund die Bellerei abzugewöhnen?

Übertriebenes Bellen, das plötzlich aufritt, kann ganz verschiedene Ursachen haben, z. B. Stress, Angst vor oder Aggressivität gegenüber Fremden, Unsicherheit, Schmerz. Bei einem älteren Hund funktioniert der Gehörsinn nicht mehr so gut, plötzliche Geräusche können den Hund erschrecken, er ist unsicher und reagiert mit Bellen. Klären Sie also als Erstes den Gesundheitszustand Ihres Hundes ab. Wenn Sie dem Hund das Bellen abgewöhnen wollen, müssen Sie es ihm zunächst erlauben! Aber er soll aufhören, wenn Sie es von ihm verlangen. Wenn Sie auf den ersten Laut ebenfalls mit einem lauten, wütenden „Aus“ reagieren, steigert das nur die Erregung des Hundes und das unerwünschte Verhalten wird unterstützt.

Widmen Sie ihm nach dem ersten Bellen Ihre Aufmerksamkeit, indem Sie sich vor ihn hinhocken, ihm fest in die Augen sehen und ruhig, keinesfalls wütend oder aufgeregt, „nein“ oder „aus“ sagen. Wenn er nicht gleich aufhört, reden Sie weiter auf ihn ein: „Was ist denn das“, „jetzt hör aber auf“ usw. Je länger Sie den Hund zur Nähe zwingen, desto stärker wirkt es auf ihn. Wenn er aufhört zu bellen, loben Sie ihn (so ruhig wie möglich, ohne ihn aufzuregen). Stehen Sie dann ruhig auf und tun das, was Sie gerade tun wollten. Wenn er ruhig bleibt, können Sie ihn zusätzlich mit einem Hundekeks belohnen. Mit etwas Übung sollte es gelingen.

Stimmt es, dass eine Katze vor der Sterilisation ein Mal Junge haben sollte?
Es gibt keinen medizinischen Grund, warum eine Kätzin vor der Kastration Welpen gehabt haben sollte. Es ist kein Problem, junge Katzen vor der ersten Rolligkeit zu kastrieren.

Unser Hund, elf Jahre, ist mit uns noch flott unterwegs. Vor zirka einem Jahr hatten wir eine lustige Gesellschaft. Seither ist Speedy schon nervös, wenn er merkt, dass wir alles für einen Besuch vorbereiten. Er begrüßt die Gäste zwar freundlich, aber dann beginnt er zu zittern, legt die Ohren an und will an mir oder meinem Mann hochspringen. Sein Herz rast. Wie können wir ihm helfen?
Offensichtlich hat Ihr Hund bei Ihrer Gesellschaft vor einem Jahr irgendeine schlechte Erfahrung gemacht und überträgt diese nun auf alle Personen, die zu Besuch kommen. Die „schlechte Erfahrung“ muss nicht mit einer einzelnen Person zusammenhängen, es können z. B. auch ungewohnte, für den Hund unangenehme Geräusche gewesen sein. Jedenfalls muss Speedy lernen, wieder Vertrauen zu den Besuchern zu bekommen. Wenn er versucht, an Ihnen hochzuspringen, und Sie ihn aufnehmen und beruhigen, fühlt er sich in seiner Angst bestätigt. Besser ist es, ihn kurz zu streicheln, vielleicht sogar ein Leckerli zu geben und ihm dann keine weitere Beachtung zu schenken. So wird er wieder lernen, dass von den Besuchern keine Gefahr ausgeht.

Meine Katze ist ein Jahr und drei Monate jung. Sie kam als Baby mit schwieriger Vorgeschichte zu mir. Jetzt ist alles bestens. Nur ICH habe ein Problem: Ich fahre gerne ein paar Tage weg. Ich müsste die Katze mitnehmen, da ich sie niemandem in Pflege geben will, bzw. weil mein Haus schwierig zu heizen ist. Was kann ich tun?
Eine Katze ist eher an ihre Umgebung gebunden als an eine Person. Daher lässt man sie besser an dem ihr vertrauten Ort von einer vertrauten Person versorgen. Eine Katze friert auch nicht gleich, wenn die Wohnung mal etwas kühler ist, ein flauschiges Platzerl mit kuscheliger Decke hilft ihr über ein paar kältere Tage hinweg.

Es gibt aber durchaus Katzen, die gerne reisen, wenn sie es gewöhnt sind, die neue Umgebung interessiert erkunden und kein Problem mit der Umstellung haben. Ob Ihre Katze zu diesen Ausnahmen gehört, können Sie nur ausprobieren: Gewöhnen Sie das Tier zunächst an die Transporttasche, es muss die Tasche positiv assoziieren. Dann testen Sie, ob der Katze Auto fahren Spaß bereitet oder Stress. Wenn beides positiv verläuft, können Sie es mit einem Kurzurlaub probieren. Sie werden schnell merken, ob Ihre Katze reisetauglich ist. Wenn nicht, sollten Sie nicht aufs Reisen verzichten, sondern die erste Variante wählen. Wahrscheinlich vermisst Ihre Katze Sie weniger als Sie die Katze.

Der Hund meiner Tochter ist fast fünf Monate alt und tagsüber auch häufig bei mir. Er hält schon etliche Stunden ohne Gassigehen durch, trotzdem macht er hin und wieder in die Wohnung bzw. in den Keller. Verdauungsprobleme sind es nicht. Ist das in dem Alter normal oder hat die Unsauberkeit spezielle Gründe?
Es liegt in der Natur des Hundes, sich nicht an seinem Schlafplatz zu lösen. Jeder Welpe ist im Prinzip ab der dritten Lebenswoche stubenrein. In dem Alter verlassen sie das Wurflager, um sich ein oder zwei Meter davon entfernt zu lösen.

Wenn der Welpe vom Züchter kommt, ist das für ihn eine große Umstellung, es gibt viele neue Eindrücke und er muss lernen, an welchen Orten er sich lösen darf. Das bedeutet für den Besitzer größte Aufmerksamkeit und Konsequenz. Der Welpe muss nach jeder Mahlzeit, jedem Spiel, nach dem Schlafen und wenn er „sucht“ ausgeführt werden. Hilfreich ist es auch, wenn man regelmäßig mit ihm hinausgeht, um ihm die Möglichkeit zu geben, seinen Körperrhythmus einzustellen. Die Umgebung sollte ruhig sein und der Welpe nicht abgelenkt werden. Ein ruhiges Lob trägt dazu bei, dass der Welpe lernt, dass es positiv ist, seine Bedürfnisse draußen zu verrichten. Wenn er dann zur Tür läuft, um kundzutun, dass er hinausgelassen werden möchte, ist das Ziel der Erziehung zur Stubenreinheit erreicht.

Wenn Ihr Hund mit fünf Monaten noch nicht stubenrein ist, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Abgesehen von gesundheitlichen Problemen sind es häufig Stress, zu viel Ablenkung beim Gassigehen, Unsicherheit, falsches Erlernen der Sauberkeit. Oder der Hund hat gelernt, dass es „egal“ ist, wo er sich löst. Um Ihren Hund also wirklich stubenrein zu bekommen, müssen Sie mögliche Stressfaktoren beseitigen und zum Welpentraining zurückgehen.