Scheidung wegen unbeantworte­ter Chat-Nachricht

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Foto: Getty Images/bombuscreative/iStockphoto Symbolbild

Aus der Kategorie "schrägste Scheidungsgründe": In Taiwan sprach ein Gericht einer Frau im Scheidungsverfahren Recht zu, weil sie mittels eines Messengerdienstes beweisen konnte, dass ihr Ehemann sie ignoriert hatte.

Messenger-Nachrichten zu lesen, aber nicht darauf zu antworten, ist nicht nur unhöflich, es könnte vor Gericht sogar gegen Sie verwendet werden.

So passiert ist das kürzlich in Taiwan, wie die BBC berichtet. Eine Frau klagte vor Gericht ihr Recht auf Scheidung ein, weil ihr Ehemann, mit dem sie seit 2012 verheiratet ist, sie dauerhaft ignoriert hatte. Als Beweis für das Verhalten ihres Gatten legte die Frau Nachrichten vor, die sie ihm via Line  (Instant-Messaging-Dienst des japanischen Unternehmens Line Corporation, Anm. d. Redaktion) geschickt hatte. In der App war erkennbar, dass der Empfänger, ihr Ehemann, die Nachrichten zwar gelesen, aber nicht auf diese reagiert hat. Kommunikations-Apps wie WhatsApp oder Line bieten eine Gelesen-Funktion an, bei der der Sender nachprüfen kann, ob seine Nachrichten zugestellt, gelesen oder keines von beiden wurden.

Die mit dem Scheidungsgesuch der Frau betraute Richterin eines Gerichts in Hsinchu, eine Stadt im Nordwesten der Republik China auf Taiwan, sprach der Klägerin schließlich das Recht auf Scheidung zu. Die gelesenen Nachrichten ließ sie als elementares Beweisstück für das rücksichtlos Agieren des Ehemannes und die Zerrüttung der Ehe zu. Die Kommunikation übers Internet sei mittlerweile sehr gebräuchlich, daher könne sie auch als Beweisstück verwendet werden, so die Richterin.

Die Klägerin hatte ihrem Mann über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrmals Nachrichten geschickt, darunter Botschaften aus der Notaufnahme, in die sie nach einem Autounfall eingeliefert wurde. Der Mann reagierte auf keine der Nachrichten, besuchte seine Gattin nur einmal im Krankenhaus.

"Ehe des Paares ist nicht mehr zu retten"

"Der Angeklagte hat sich nicht nach der Klägerin erkundigt und die Information, die von der Klägerin verschickt wurde, wurde gelesen aber nicht beantwortet. Die Ehe des Paares ist nicht mehr zu retten", heißt es laut BBC im Gerichtsentscheid. Der Richterin räumte ein, dass es abgesehen von den unbeachteten Nachrichten noch weitere Probleme zwischen den Eheleuten, familiärer und finanzieller Natur, gebe.

Ob die Scheidung tatsächlich vollzogen wird, ist derzeit unklar. Laut der Richterin sei der Angeklagte bisher nie vor Gericht erschienen und habe auch nicht auf die ihm zugesandten Briefe reagiert. Ob er diese überhaupt erhalten und gelesen hat, wisse man nicht.

(kurier / pama) Erstellt am
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