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Ehe
08/26/2015

Warum sich Frauen eher scheiden lassen

Aus die Maus: Frauen sind mutiger, wenn's in der Ehe kriselt. Sie machen bei der Scheidung öfter den ersten Schritt.

Sind Frauen mutiger, wenn’s ans „Scheiden“ geht? Ja - sagen US-Forscher von der Universität Stanford, die ihre Erkenntnisse bei einem Kongress der American Sociological Association in Chicago präsentierten. Wenn’s ans Eingemachte geht, also im Rahmen einer Ehe scheinbar „nix mehr geht“, sind es vor allem Frauen, die den ersten Schritt tun und die Scheidung einreichen. Anders bei Beziehungen ohne Trauschein – da gehen die Trennungs-Ambitionen von beiden Geschlechtern aus, unabhängig davon, ob das Paar zusammenlebt oder nicht.

Die heikle Rolle der Ehefrau

Die Vermutung der Forscher rund um den Soziologen Michael Rosenfeld: Es gehe weniger um die Beziehung per se, sondern um die Rolle, beziehungsweise um die Veränderungen, die diese Rolle mit sich bringt. Ehefrau zu sein, scheint nach wie vor Nachteile zu haben. Die Institution „Ehe“ ist immer noch mit vielen alten und tradierten Rollenbildern verknüpft. Ist der „Bund einmal besiegelt“, ist von der Gleichberechtigung der Geschlechter oft keine Rede mehr. Man sitzt als Frau "in der Falle". Allerdings haben Frauen zunehmend Mut, sich daraus zu befreien.

Trennung macht dennoch Angst

Dass Frauen dennoch besonders unter einer Trennung leiden, bleibt hingegen unumstritten. Laut Dr. Bettina Zehetner vom Verein „Frauen beraten Frauen“ würden sie sich nach wie vor sehr über das Konstrukt „Beziehung“ definieren. Apropos „alte Rollenbilder“. Das Thema Trennung und die damit verbundene Neuorientierung sei vielfach mit Existenzängsten verbunden, weil Frauen immer noch den größten Teil der unbezahlten Arbeit leisten. Frauen geben sehr viel auf, wenn sie verheiratet sind und Kinder erziehen – etwa soziale Kontakte. Und auch das Bild von Beziehung ist geschlechterspezifisch. Laut Zehetner würden Männer „ihre Frau“ nach wie vor als Egoverstärkung betrachten, die das „Nest“ betreut. Frauen erleben sich an der Seite des Ehemanns eher als „Team“ und sind gemeinschaftsorientiert.

Bevor es kracht

Experten raten daher, sich bereits vor Eheschließung sehr konkret mit Beziehungsvorstellungen auseinander zu setzen – und mit dem Thema „Wer ist wofür zuständig?“, also: Wer bleibt daheim, wenn Kinder kommen – was ist jeder bereit, zu geben. So wäre es möglich, klassische Rollenbilder schon im Vorfeld aufzubrechen und Zuständigkeiten neu zu definieren.

Zwar sind die Ehescheidungen leicht rückgängig, doch auffällig ist, dass das Scheidungsalter in Österreich ansteigt. Waren Frauen im Jahr 2004 zum Zeitpunkt der Trennung 38,1 Jahre alt, waren sie im Jahr 2014 knapp über 41 Jahre alt. Ähnlich ist es bei Männern. Durchschnittsdauer einer Ehe: 10 Jahre, wobei sich die Trennungen nach dem 25. Hochzeitstag mehren – 9,6 Prozent dieser Ehen gingen im Jahr 2004 zu Bruch, im Jahr 2014 waren es schon 13,4 Prozent.

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