Leben
29.08.2017

Streit um Frauenskulpturen vor französischem Gericht

Frauenrechtlerinnen halten die in einer elsässischen Ortschaft aufgestellten Frauenfiguren für sexistisch.

Ein bizarrer Streit um Frauenskulpturen in einer elsässischen Ortschaft beschäftigt jetzt Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht. Der Staatsrat in Paris befasst sich am Mittwoch mit 65 Sperrholzfiguren, die Frauenkörper darstellen und von Frauenrechtsaktivistinnen als sexistisch angeprangert werden.

Die Skulpturen waren vor Monaten in der elsässischen Gemeinde Dannemarie aufgestellt worden. Sie zeigen unter anderem Frauen mit hochhackigen Schuhen, im Badeanzug, mit kurzem Kleid beim Tanzen, mit Kind und während der Schwangerschaft. Die östlich von Belfort gelegene 2.300-Seelen-Ortschaft wollte damit nach Worten von Bürgermeister Paul Mumbach ein "Jahr der Frau" feiern und die "Vielseitigkeit" der Rollen der Frau in der heutigen Gesellschaft zeigen.

Von "Stereotypen" geprägtes Frauenbild

Die Aktion weckte aber den Zorn der Frauenrechtsgruppe "Les Effronte-e-s" (Die Unverschämten), die die Silhouetten als "für Frauen herabsetzend und demütigend" kritisiert. Die Feministinnen zogen vor das Verwaltungsgericht von Straßburg, damit die Skulpturen von den Straßen und Kreisverkehren des Ortes entfernt werden - und bekamen Recht. Die Richter sahen ein von "Stereotypen" geprägtes Frauenbild und eine "schwere Verletzung des Prinzips der Gleichheit zwischen Frauen und Männern".

Das Rathaus entfernte die Skulpturen daraufhin, bot den Bewohnern von Dannemarie aber an, sie in ihren Gärten, bei sich zu Hause oder in ihren Geschäften aufzustellen. Viele "adoptierten" die Frauenfiguren. "Wir haben sie hierher geholt, um das Rathaus zu unterstützen und einen Angriff auf unsere Freiheit anzuprangern", sagt Bewohnerin Rita Walter.

Die Feministinnen von "Les Effronte-e-s" erhoffen sich dagegen vom Staatsrat ein Grundsatzurteil zur Darstellung der Frau in der Öffentlichkeit.