Satellitenbild des nächtlichen Europas (Suomi National Polar-orbiting Partnership, Suomi NPP Satellit), aufgenommen 2012, veröffentlicht von der NASA 2014

© Reuters/NASA

Lichtverschmutzung
12/18/2014

Sternenhimmel verzweifelt gesucht

Das Verschwinden der Nacht wird seit Langem vorhergesagt, nun ist es da, sagt US-Autor Paul Bogard.

von Martin Burger

Wussten Sie, dass der 22. Dezember der Tag der Wintersonnenwende und damit der kürzeste Tag des Jahres ist?

Bis zum Jahr 2025 werden die USA östlich des Mississippi von einem "rot-gelb glühenden Ausschlag" übersät sein, unterbrochen nur von den "grellweißen Pusteln" der hell erleuchteten Ballungsräume. Man merkt es der Wortwahl an: Paul Bogard ist Literaturwissenschaftler, aber er hat auch lange und gründlich NASA-Nachtaufnahmen studiert und festgestellt, dass Sternbilder und Planeten selbst an den entlegensten Stellen des Landes vom Nachthimmel verschwunden sind. Ausgeblendet von Leuchtreklamen, 120-Watt-Peitschenlampen und verschwenderisch beleuchteten Geschäftsgebäuden. Und dieser Befund trifft auch für andere Erdteile zu.

Der Wiener Astronom Thomas Posch unternahm 2010 an einer Exkursion in die Karoo Wüste zum South African Large Telescope teil, das sich, 300 km von Kapstadt entfernt, im Landesinneren befindet. "Dort draußen konnte ich immer noch in der Ferne den Lichtschein von Kapstadt sehen, trotz seiner starken Beleuchtung einer der gefährlichsten Städte der Welt. Da habe ich mir gedacht, was ist da eigentlich los?" Seitdem beschäftigt sich Posch mit dem Phänomen der Lichtverschmutzung, auch "Lichtmüll" genannt – definiert als "jede nachteilige Auswirkung von künstlichem Licht". Und wie ist es um Europa bestellt, Herr Bogard? Der US-Autor stellte bei seinem jüngsten Wien-Besuch fest, dass die Beleuchtung des europäischen Nachthimmels nicht ganz so grell sei wie in seiner Heimat. "Ich hoffe für euch, dass das so bleibt."

Schwarze Luft

Wenn es draußen im Wiener Sternwartepark dämmert, liegt auch das Zimmer von Thomas Posch im Halbdunkel. Er hält ein ganzes Gespräch lang durch, ohne den Lichtschalter zu betätigen. Nur der Computerbildschirm spendet künstliche Helligkeit. Dank eines speziellen Programms hat der Bildschirm aber einen angenehm gelblichen Farbton. Das verlieren wir, wenn die Nacht immer heller wird: "Die Tiefenwirkung, die durch helle und schwächer leuchtende Sterne entsteht, verschwindet. Der Lichtsmog macht den Himmel flach."

Der Nachthimmel ist ein geistiger Rückzugsort der Menschen, sagt Posch. Überlebende des Pinochet-Terrors erzählen, dass der Schein durch das Kerkerfenster geholfen habe, das Grauen zu ertragen. Auch die Kunst vermisst die finstere Nacht. Bogard: "Wo würde Van Gogh seine ,Sternennacht‘ malen, würde er jetzt leben? Eine Reduktion der Lichtstärke um 50 Prozent würde man kaum bemerken."

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