Leben
13.01.2012

Spurensicherung auf dem Mond

40 Jahre lang blieben die Überreste der Apollo-Missionen unbemerkt. Jetzt möchte sie die NASA unter Schutz stellen.

Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, (Rauschen) ein (Rauschen) riesiger Sprung für die Menschheit." Alle Welt beobachtete am 21. Juli 1969 den Astronauten Neil Armstrong beim Spaziergang auf dem Mond. Kaum einer achtete dabei auf seine Füße. Dabei sind Armstrongs Fußspuren im weißen Mondstaub von Tranquility Base heute von unermesslichem ideellen Wert. Ein fragiler Schatz. Sollte eine Mondfähre in der Nähe der Apollo-Landepunkte aufsetzen und zu viel Wind machen, wären die Spuren der ersten Menschen, die den Mond betreten haben, für immer verloren.

Armstrongs Urinsackerl

Seit 40 Jahren hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Aber alle Apollo-Missionen haben etwas zurückgelassen. Auf der Liste der Artefakte stehen: zwei Paar Raumfahrer-Stiefel, eine amerikanische Flagge, leere Essensbeutel, eine Zange, ein Urinbeutel. Sie alle liegen im näheren oder weiteren Umkreis der Landepunkte im Staub. "Das ist das Erbe der Menschheit." Beth O’Leary, eine US-amerikanische Anthropologin, kämpft seit Jahren dafür, die Überbleibsel der Apollo-Missionen unter Schutz zu stellen. Vergeblich.

Auch Bestrebungen des australischen Archäologieprofessors John Campbell, alles zum Weltraumerbe der Menschheit zu erklären, was auf dem Mond zurückgelassen wurde, fanden kaum Widerhall.

Vorbei mit der Ruhe

Das ändert sich jetzt. Nach Jahrzehnten der Ruhe planen Russland und Indien Roboter zum Mond zu schicken. "Die NASA hat Empfehlungen erstellt und ersucht andere Staaten, einen Respektabstand um die Landeplätze einzuhalten", erklärt Irmgard Marboe, Expertin für Weltraumrecht an der Uni Wien. "Es besteht wissenschaftliches Interesse, den Zustand der zurückgelassenen Gerätschaften zu untersuchen. Die Angst, dass dabei ein Roboterfahrzeug irrtümlich über eine alte Fußspur fährt und sie zerstört, ist berechtigt."

Lösungsvorschlag der NASA: Ein Sicherheitsradius von 75 Metern um die Fußspuren von Armstrong und Aldrin. Im Fall der Hinterlassenschaft von Apollo 17, der letzten Mission, schlägt die NASA einen Schutzradius von 225 Metern vor, da die Astronauten Eugene Cernan und Harrison Schmitt einen Mondbuggy einsetzten.

Die lieben Kollegen

Die Bitte an die "lieben Kollegen" aus den anderen Weltraumnationen hat einen Grund: "Artikel I des Weltraumvertrages von 1967, den auch die USA ratifiziert haben, sieht vor, dass alle Teile des Mondes für alle Staaten frei zugänglich sein müssen."

Gefahr besteht laut der Weltraum-Juristin aber nicht nur durch neue staatliche Mondmissionen, sondern auch durch die kommerzielle Eroberung des Weltraums. Der Internetkonzern Google hat den "X-Prize", ein Wettbewerb um die erste private Mondlandung, mit ca. 22 Millionen Euro ausgelobt. Einen Bonus gibt es für den, der den Apollo-11-Landeplatz besucht und Bilder und Videos zur Erde funkt. Zumindest die juristische Verantwortung im Fall der Fälle ist im Weltraumrecht geregelt: Für Aktivitäten privater Unternehmen ist der Heimatstaat zuständig.

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