Leben 14.03.2016

Sonde auf dem Weg zum Mars

Schiaparelli reist seit heute vormittag Richtung Mars © Bild: ESA - David Ducros

Start geglückt: Österreichische Technologie ist unterwegs zum Mars.

Auf der Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars haben die Europäische Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos gemeinsam eine Sonde ins All geschossen. Die Proton-M-Rakete hob am Montag planmäßig vom russischen Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab. Damit geben Esa und Roskosmos den Startschuss für ihr mehrere Milliarden Euro teures Projekt ExoMars. Die Proton bringt einen Forschungssatelliten und ein Testlandemodul ins All. Mitte Oktober sollen die Instrumente nach siebenmonatigem Flug den Roten Planeten erreichen. In einer zweiten Etappe soll voraussichtlich 2018 ein Rover zum Nachbarplaneten der Erde starten.

Orbiter

Der erste Teil des ESA Marserkundungsprogramms ExoMars, bestehend aus dem sogenannten Trace Gas Orbiter und einem Landemodul namens Schiaparelli, das heute seine rund 7 Monate dauernde Reise vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur zum Mars antreten hat. Gegen die extremen Temperaturverhältnisse auf dieser Reise wird die Mission durch Thermalisolation von RUAG Space aus Österreich geschützt. Das Wiener Weltraumtechnikunternehmen lieferte auch wichtige Elektronikbaugruppen für den zentralen Steuerungscomputer des Orbiters.

ExoMars ist ein gemeinsames Programm der europäischen Weltraumagentur ESA und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zur Erkundung des Mars und seiner Umgebung. Hauptziel ist die Untersuchung, ob auf dem roten Planeten jemals Leben existiert hat oder sogar noch existiert. Gleichzeitig sollen neue Technologien für zukünftige bemannte und unbemannte Marsmissionen erprobt werden. Zu diesem Zweck ist das ExoMars Programm zweigeteilt. Die erste Mission startet im März 2016 und besteht aus einem Marsorbiter, dem sogenannten Trace Gas Orbiter (TGO), und einem Landemodul namens Schiaparelli. Benannt wurde dieses nach jenem italienischen Astronomen, der 1877 zarte Rinnen auf der Marsoberfläche entdeckte, die medial als Marskanäle bezeichnet wurden und die Forscher mehrere Jahrzehnte lang beschäftigten. Die zweite Mission startet 2018 und wird einen europäischen Mars-Rover mit rund 350kg sowie eine feste russische Station auf dem Mars absetzen. Beide Missionen werden von Baikonur aus mit russischen Proton Raketen ins Weltall gebracht.

Der Marsorbiter TGO dient nach Erreichen seiner Marsumlaufbahn in rund 400 km Höhe über dem Planeten neben der Untersuchung der Marsatmosphäre auch als Daten-Relaisstation für beide Missionen. Mit Schiaparelli soll die Technologie für eine kontrollierte Landung auf der Marsoberfläche auch von schweren Nutzlasten für zukünftige unbemannte und bemannte Mars-Erkundungsmissionen erprobt werden. Hauptauftragnehmer für die erste Mission ist der internationale Weltraumtechnikkonzern Thales Alenia Space.

made in Austria

Geschützt wird der Marsorbiter während seiner Einsatzdauer von 6 Jahren durch eine Schutzhülle „made in Austria“. Die aus mehreren Lagen sehr dünner metallbedampfter Kunststofffolie bestehende Thermalisolation wird von RUAG Space den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend ausgelegt und an die komplexe Satellitenoberflächenform individuell angepasst. Um die von den wissenschaftlichen Instrumenten erzeugte Wärme abzustrahlen, sind einzelne Oberflächenbereiche mit von RUAG Space auf Paneelen montierten Radiatorflächen, sogenannten OSRs (Optical Solar Reflectors), bedeckt. So lässt sich auch in der Nähe des kalten Planeten weitab von den wärmenden Sonnenstrahlen ein gleichmäßiges und für die Geräte im Inneren des Satelliten geeignetes Temperaturniveau erreichen.

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2016