Leben
17.01.2012

Sido zeigt Filesharern den Mittelfinger

Wer sich die Kinokomödie "Blutzbrüdaz" herunterlädt, erlebt oft eine Überraschung.

Wer sich ihre Kinokomödie Blutzbrüdaz aus dem Netz herunterlädt, erlebt in den meisten Fällen eine Überraschung. Denn schon nach wenigen Filmminuten gehen die Musiker auf den Zuschauer zu. "Sag mal bist Du bescheuert, Alter? Hast Du uns beklaut jetzt?" fragt Sido und B-Tight motzt: "Dicker, hier sind 60 Leute am Set, jeden Tag, denkst Du, die sind umsonst hier?" Am Ende meint der Rapper noch in Richtung des Zuschauers: "Es soll nicht umsonst gewesen sein, dass Du das hier heruntergeladen hast, ich hab hier was für dich" und zeigt anschließend den Mittelfinger.

Hinter der Aktion steckt die Produktionsfirma Constantin Film aus München. An mehreren Orten im Internet verstreute sie Clips, die den Eindruck erwecken, als könne man dort den ganzen Film downloaden. Stattdessen handelt es sich um eine Attrappe - eigens gedreht für den Kampf gegen Piraterie. Vorwiegend werden die Fake-Clips über BitTorrent verbreitet.

Warnhinweise nicht mehr zeitgemäß

Damit wollte die Firma etwas Neues ausprobieren anstelle der üblichen Warnhinweise. "Die sind alle ein bisschen dröge, außerdem weiß das eh schon jeder", sagte Filmvorstand Martin Moszkowicz am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Auf mehrere hundert Millionen Euro schätzt er den Schaden, der allein in Deutschland durch illegale Downloads von Filmen angerichtet wird - Geld, das der Branche für neue Produktionen fehlt. "Es geht vor allem darum, die Arbeit von Künstlern zu schützen. Wenn man im Netz alles umsonst verteilt, dann sind die alle arbeitslos und über kurz oder lang gibt es keine Filmindustrie mehr."

Constantin hat schon schlechte Erfahrungen gemacht, etwa bei "Zeiten ändern Dich" mit Bushido. Alleine auf einer Internet-Seite sei der Streifen mehr als neun Millionen Mal heruntergeladen worden, erklärte Moszkowicz. Ähnliches hatte er bei dem neuen Rapperfilm befürchtet, aber bisher wohl umsonst. "Bei ´Blutzbrüdaz´ ist das glücklicherweise bis jetzt noch nicht passiert."