Schweiz trifft Österreich - Mehr Österricher arbeiten bei den Eidgenossen als Schweizer in Österreich.

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Schweizer in Österreich
05/23/2016

Unsere Eidgenossen in Wien

15.000 Schweizer leben hier. Das denken Sie über Österreich und ihre Menschen.

von Uwe Mauch, Jeff Mangione, Christine Karner

"Also ausschauen tun wir genauso wie ihr", sagt der Wirt aus dem Berner Oberland. Hans Schmid hat sich in der Wiener Innenstadt gut etabliert. Ein Mal im Monat treffen sich seine Landsleute standesgemäß in seinem Restaurant, dem Chamäleon in der Blutgasse. Zum Fondue-Essen. Eine gute Gelegenheit, um mehr über jene zu erfahren, die so wie der Teamchef des österreichischen Fußball-Nationalteams aus der Schweiz stammen.

"Die österreichischen Männer sind noch immer galanter", meint Judith Greiner, die als Assistentin der Geschäftsführung eines namhaften Wiener Finanzdienstleisters arbeitet und seit 15 Jahren mit einem von den "Galanteren" verheiratet ist. Die Schweizer wären beim Komplimente-Machen hölzerner, unbeholfener. Dafür sind die Sesselleisten von Marcel Koller & Kollegen immer im rechten Winkel. Auch dort, wo ihr Mann längst hinwegschaut.

Marcel, einer von 15.000

Rund 15.000 Schweizer leben in Österreich, erklärt Ivo Dürr vom Ausländerschweizerrat beim Fondue-Essen. Das ist im Vergleich zu den 60.000 Österreichern in der Schweiz relativ wenig. Die meisten seiner Landsleute kommen wegen des Berufs – oder folgen der Liebe. Ihre Hochburgen rechts des Rheins sind – nicht weiter überraschend – Wien und Vorarlberg.

Wirtschaftsflüchtlinge sind die Schweizer in Österreich nicht. Im Gegenteil. Während man in ihrer Heimat über die Einführung eines "bedingungslosen Grundeinkommens" diskutiert (der Richtwert dafür liegt bei 2300 Euro), wissen viele am Stammtisch, dass sie mit dem, was sie in Österreich angespart haben, in der Schweiz nicht mehr über die Runden kommen. Aus rein finanziellen Gründen rückt daher die nahe gelegene Heimat in weite Ferne, meint die Präsidentin der Schweizer Gesellschaft in Wien, Anita Gut.

Dafür sei die Work-Life-Balance in Österreich deutlich besser, betont Judith Greiner: "Bei uns in der Schweiz muss man immer funktionieren. Da geht man auch noch mit Grippe und Antibiotika in der Handtasche zur Arbeit." Andererseits fühlen sie sich in der Schweiz sicherer, kontern die Brüder Norman und Joel Waser. Wer könnte das besser bewerten als sie? Sind doch beide als Mitarbeiter einer Wiener Security-Firma tätig. In Ottakring. Lautstarkes Ottakring, verschlafenes Solothurn – sie haben beides probiert und sagen unisono: "Kein Vergleich."

Meret Baumann, Korrespondentin der Neuen Zürcher Zeitung, wundert sich wiederum über das Ausmaß der Korruption und der Schwarzarbeit in der anderen Alpenrepublik. Eine ihrer ebenso honorigen Landsfrauen nickt energisch, dann sagt sie: "Ich habe lange Zeit nicht verstanden, was das heißt, wenn mich Handwerker und auch der Zahnarzt gefragt haben, ob ich eine Rechnung brauche."

Den Fußballtrainer Marcel Koller, der nicht mit ihrer Schweizer "Nati", sondern mit den österreichischen Kickern zur EURO nach Frankreich fliegen wird, finden übrigens die meisten am Stammtisch "guat". Warum Koller, der am 11. November 1960 in Zürich geboren wurde, bei den Schweizern gut ankommt, erklärt Judith Greiner so: "Weil er stur geblieben ist und sich nicht vom Wiener VIPtum und den Einflüsterern beeinflussen ließ." Dann lächelt die Landsfrau des großen rot-weiß-roten Hoffnungsträgers: "Stur sein, ja, das können wir Schweizer."
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