Leben
04.07.2017

Promis erklären österreichische Eigenheiten

Integrations-Memory: Wie Franzobel den Fußball definiert und Johann Lafer das Schnitzel.

Nicht nur Migranten, auch Österreicher können hier einiges lernen: Für einen spielerischen Zugang zur Integrationsarbeit hat die Diakonie ein Memory mit 32 Begriffen erstellt, die typisch österreichische Dinge und westliche Errungenschaften auf Deutsch und auf Arabisch erklärt. Das Besondere an dem Spiel ist, dass die Begriffe meist humorvoll von prominenten Persönlichkeiten beschrieben werden.

So empört sich der Spitzenkoch Johann Lafer in Bezug auf das Schnitzel: "Es soll immer noch Leute geben, die ein gebackenes Schnitzel mit Sauce essen. Das ist für mich ein Frevel." Conchita Wurst hat sich dem Begriff "Selbstbestimmung" angenommen: "Selbstbestimmt zu leben bedeutet, selbst entscheiden zu können, wie man seinen Alltag gestaltet, welche Arbeit man ausübt, wen man als (Ehe)Partner wählt und schließlich, ob und mit wem man seine Sexualität ausüben oder Kinder bekommen möchte."

Wer Maria Theresia war, wird von der Schriftstellerin Elfriede Hammerl erklärt, die bei der Gelegenheit daran erinnert, dass die österreichische Kaiserin die Unterrichtspflicht für alle Kinder, eine allgemeine Steuerpflicht (auch für Adel und Kirche) und die Abschaffung der Folter für Gefangene zu verantworten hat.

Dass Neutralität Teil der österreichischen Identität ist, erläutert Bundespräsident Alexander Van der Bellen: "Neutral zu sein, heißt nicht, abseits zu stehen. Seine Neutralität verpflichtet Österreich, keinem militärischen Bündnis beizutreten, keinen militärischen Stützpunkt auf seinem Territorium zuzulassen und die Neutralität mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen."

Rausch-Lexikon

Die Weinbäuerin Heidi Schröck verrät in dem Spiel, was es bedeutet, wenn an Eingangstüren in Weinbaugebieten Nadelzweige hängen: "Dann steht man direkt vor einem Heurigen, der gerade ‚ausgesteckt‘ – also geöffnet – hat."

Wichtig sind daher auch die Erläuterungen zum Alkohol von Michael Ostrowski: "Wer Alkohol als Problemlöser nutzen will, bekommt meistens ein noch größeres Problem." Und der Schauspieler nutzt die Gelegenheit auch gleich, um den Wortschatz der Spieler zum Thema Rausch auszubauen: Fetzen, Rakete, Schwüll, Radelln. "Man sagt auch, jemand ist ‚besoffen‘, , angsoffen‘, ,im Öl‘, ,voll fett‘, ,tuttnzua‘, ,blattlwach‘, ,blunznfett‘ oder ,er hat an pickn‘, ,er gspiat si nimmer‘, ,er is anblasn‘."

Schriftsteller Franzobel erinnert daran, dass die Maya nicht die Verlierer, sondern die Sieger den Göttern geopfert haben und nutzt die Gelegenheit gleich dazu, Zugewanderten den österreichischen Bezug zum Fußball zu erklären: "Für Österreicher ist er oft auch ein Erlernen von Demut und Verlieren-Können."

Erhältlich ist das Integrations-Memo gegen eine kleine Spende, die für Integrationsprojekte eingesetzt wird. Bestellung online unter http://memo.diakonie.at