Prüfen Lehrer lieber in der ersten Schulwoche?

"Die Jugendlichen wissen schon am ersten Schultag, in welcher Klasse sie sitzen." Dieter Braunstein Direktor
Foto: KURIER/Gruber

In diesen Tagen treten rund 12.000 Schüler zur Nachprüfung an. In Niederösterreich werden es knapp 4.000 Schüler sein.

Für die meisten betroffenen jungen Menschen heißt das: Sie sitzen am Montag oder Dienstag der ersten Schulwoche in einem extra Raum - getrennt von ihren Mitschülern. Doch das ist nicht überall so. In der AHS Anton- Baumgartner-Straße in Wien haben 49 Schüler ihren Nachzipf bereits hinter sich. Der Vorteil: "Die Jugendlichen wissen schon am ersten Schultag, in welcher Klasse sie sitzen werden", sagt Direktor Dieter Braunstein. Er hat deshalb beim Lehrerkollegium für die "Ferientermine" geworben. Die Mehrheit ließ sich von ihm überzeugen.

"Der Schulbeginn ist somit entspannter. Schüler, Lehrer und Eltern starten positiv ins neue Schuljahr", sagt Lehrerin Irene Dürkop. Sie betreut die Schüler psychologisch, die die Nachprüfung nicht bestanden haben. "Von einigen habe ich aber auch gehört, dass sie die vier Tage noch zum Lernen gebraucht hätten."

Nachhilfe

Elternvertreterin Michaela Waberer ist selbst eine "betroffene Mutter" und stimmte im Schulgemeinschaftsausschuss für die Vorverlegung: "Die meisten Schüler nehmen sowieso professionelle Nachhilfe. In der letzten Woche wird nur wiederholt. Wer den Stoff bis Donnerstag nicht beherrscht, wird ihn am Montag darauf auch nicht können."

Schulsprecher Andreas Hausberger sieht in dem "Ferientermin" ebenso mehr Vorteile: "Ich kenne Fälle, da saß eine Schülerin am Montag noch bei ihren 'alten' Mitschülern. Am Mittwoch musste sie sich dann in ein für sie neues Klassenzimmer setzen, weil sie den Nachzipf nicht geschafft hatte." Dass bereits in den Ferien die Nachprüfung angesetzt wird, ist nur an wenigen Schulen so. Auch weil im Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) sowohl die Mehrheit der Lehrer als auch der Eltern und der Schüler zustimmen müssen. Liegt es also daran, dass die Lehrer einfach nicht in den Ferien in der Schule sein wollen?"

Gewerkschaft

Von der AHS-Lehrergewerkschaft heißt es dazu: "Das ist eine schulautonome Regelung. Wir sehen darin auch kein Problem, die Prüfungen erst in den ersten Schultagen zu machen. Denn da ist meist eh so viel Organisatorisches zu erledigen." Und auch beim Unterrichtsministerium sieht man keinen Anlass, an der aktuellen Regelung etwas zu verändern. "Wir lassen die Schulen da autonom entscheiden, wann sie das machen wollen. Wir wollen da niemanden bevormunden."

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(kurier) Erstellt am
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