Portugal attackiert Moody's Webseite

Foto: rts

Die portugiesische Bevölkerung reagiert erbost auf die "Ramsch"-Einstufung durch Moody's und setzt sich zur Wehr.


Seit Monaten schon stufen die drei wichtigsten Rating-Agenturen Standard & Poor's, Fitch und Moody's die portugiesischen Staatsanleihen herunter und stoßen damit auf die Kritik der portugiesischen Regierung. Doch nachdem Moody's vergangenen Woche langfristige Staatsanleihen Portugals um vier Stufen von "Baa1" auf "Ba2" beinahe auf "Ramsch"-Niveau herabgestuft hat, macht sich nun auch Unmut unter der Bevölkerung breit. Immer stärker wird den Portugiesen bewusst, dass die negative Einstufung ihres Landes durch die drei großen US-Rating-Agenturen Portugal dazu zwingt, immer höhere Zinsen zahlen zu müssen, um überhaupt noch frisches Geld an den Kapitalmärkten zu bekommen.

Wie heute portugiesische Medien berichten, versuchten in der Nacht von Montag auf Dienstag Tausende von Portugiesen die Homepage von Moody's zu blockieren. Über Internet-Portale wie Facebook griffen Tausende von Personen gleichzeitig auf die Seite zu, um diese lahm zu legen. Auch eine Gruppe portugiesischer "Hacker" versuchte die Internet-Seite der US-Rating-Agentur zu knacken, um sie zu blockieren. Über soziale Netze im Internet wurde auch ein Aufruf gestartet, Moody's per Post ihren "Ramsch zurück zu schicken".

"Wir müssen das Oligopol der Rating-Agtenuren brechen"

Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva schloss sich der Kritik seiner Landesleute bereits am Wochenende an. Cavaco Silva nannte die letzte Herabstufung portugiesischer Staatsanleihen durch Moody's "vollkommen ungerechtfertigt" und "skandalös" und fordert eine vehemente Reaktion der Europäischen Union. Wie andere europäische Staatschefs und Politiker kritisierte Cavaco Silva bei den drei US-Rating-Agenturen das "Fehlen von Transparenz und Objektivität", welches "eine Gefahr für die Stabilität der europäischen Wirtschaft" sei.

In den vergangenen Tagen kritisierte bereits EU-Justizkommissarin Viviane Reding, dass Europa sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen darf. Unterdessen sagte Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): "Wir müssen das Oligopol der Rating-Agenturen brechen". Bei der Rettung angeschlagener Euro-Länder wie Griechenland, Portugal und Italien kommen die Urteile von S&P, Moody's und Fitch Brüssel immer wieder ins Gehege und verschlimmern die Situation der Länder.

(apa) Erstellt am
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