"Charly, i brauch' a Wetter" alias Karl Gabl

© KURIER/Franz Gruber

Porträt
10/18/2016

Der Mann, auf den die Extrem-Bergsteiger hören

Wetterfex. Der Meteorologe Karl Gabl ist ein wichtiger Informant bei Skirennen und Expeditionen.

von Uwe Mauch

Wenn seine Freunde irgendwo auf einem eisigkalten Achttausender stehen und ihn mit ihren Satelliten-Telefonen anrufen, kann es sein, dass er sie warten lässt. Zum Beispiel dann, wenn er selbst gerade irgendwo in den Bergen unterwegs ist.

Karl Gabl, der in wenigen Wochen seinen Siebziger feiert und soeben seine Memoiren herausgebracht hat (siehe unten), sagt das gerade heraus. Der Meteorologe aus Sankt Anton hat in seinem Leben hundertfach für Bergsteiger und Skifahrer eine Wetterprognose erstellt. In seiner Pension steht er noch immer mit seinem Rat und seiner Erfahrung zur Seite. Aber stressen lässt er sich nimmer.

Erfahrene Alpinisten wie der Rennleiter des Hahnenkammrennens in Kitzbühel, Axel Naglich, vertrauen auf ihn: "Charly, i brauch’ a Wetter hab’ ich zu ihm hundertfach am Telefon gesagt. Bis heute schätze ich seine Arbeit. Seine Prognose ist eine Mischung aus meteorologischem und alpinem Fachverständnis." Mit leuchtenden Augen erzählt der Gelobte: "Auch die Gerlinde Kaltenbrunner schwört auf mich."

Leben mit der Lawine

Der Charly stammt aus einer klassischen Skifahrerfamilie aus dem Tiroler Oberland: "Mein Onkel Franz hat 1948 in Sankt Moritz die erste Silberne im Abfahrtslauf für Österreich geholt, meine Cousine Gertrud wurde 1969 Gesamt-Weltcupsiegerin."

Das Haus seiner Eltern stand nur dreißig Meter von der roten Zone entfernt. Gabl weiß daher genau, wie Lawinen donnern, stauben: "Das war bei uns damals nichts ungewöhnliches." Der Vater hatte jedoch keine Freude, als ihm eröffnet wurde, dass der Filius nach Innsbruck gehen und Meteorologie studieren will. In Sankt Anton wurden die Söhne der Bauern Rechtsanwälte oder Steuerberater. "Mit der Meteorologie ist doch kein Geld zu verdienen." Dennoch faszinierte ihn die Vorhersage, vor allem in den Bergen.

Wie lebenswichtig seine Arbeit ist, zeigt ein Blick auf die Liste jener 25 Männer, die sich seinerzeit mit ihm zum Bergführer ausbilden ließen: "Neun von uns wurden von Lawinen begraben." Auch seine Cousine, die erfolgreiche Skifahrerin, wurde von einem abgehenden Schneebrett erfasst: "Sie war damals erst 27 und hatte eine kleine Tochter zu Hause."

Mag sein, dass der passionierte Bergsteiger deshalb die heikle Gratwanderung zwischen Aufstiegseuphorie und Vorsicht gut geschafft hat: "Ich war 50 Mal auf Gipfeln oberhalb von 5000 Metern, mit 66 habe ich es noch einmal auf 7200 Meter geschafft. Zwei Mal entschied ich, Expeditionen auf Achttausender aufgrund schlechten Wetters abzubrechen."

Verantwortungsvoll

Und wenn er dann Zeit findet, um sich zu Hause in Sankt Anton an den Laptop zu setzen und die bevorstehenden Winde und Niederschläge weit entfernt vom Tiroler Oberland zu berechnen, übernimmt er für seine Freunde immer auch Verantwortung: "Manche sehen mich als Teil ihrer Expedition an. Mein Problem ist immer, dass die Prognosen nie hundertprozentig sein können." Besonders schwer sei es, Schlechtwetterzellen punktgenau zu berechnen. Doch dürfte er sein Handwerk gut beherrschen. Sonst würden die Profis nicht mehr auf ihn hören.

BUCHTIPP: Karl Gabl „Die Berge. Das Wetter. Mein Leben“: Die Memoiren des bald 70-jährigen Berg- und Wetterfex aus Sankt Anton sind im Verlag Tyrolia erschienen. Das Buch kostet 24,95 Euro.

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