Hinter der Idee von Pop-up-Stores steckt auch der Gedanke, möglichst nahe beim Konsumenten zu sein – als Gegentrend zum Onlinehandel.

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Pop-up-Stores
12/05/2014

Da poppt was auf

So schnell wie sie auftauchen, sind sie auch wieder weg. Was Pop-up-Stores so erfolgreich macht.

von Sandra Lumetsberger

Es ist wie im Märchen. Über Nacht verwandeln sich dunkle Garagen, leer stehende Lagerhallen oder schäbige Bars in Läden, die selbst gemachten Schmuck, bunte Mode und feine Delikatessen anbieten. Auch in Wien tauchen fast wöchentlich so genannte "Pop-up-Stores" auf – Lokale werden von Kreativen für bestimmte Zeit gemietet und mit allerlei genähten, gemalten oder gebackenen Kostbarkeiten ausgestattet.

In Mariahilf, zum Beispiel, bieten Lokal-Besitzer um Anna Wessely jeden ersten Freitag im Monat Designern und Kreativen Räume an, um ihre Ketten, Ringe, T-Shirts, Cupcakes oder Seifen dort zu verkaufen. Wessely, 26 Jahre alt, hat sich dieses Konzept überlegt und nennt es "Grätzeltour". Sie kann nachvollziehen, dass es für junge Unternehmer schwer ist, ein eigenes Reich aufzubauen. Drei Jahre lang suchte sie nach einem passenden Ort für ihren Feinkostladen "Home Made", in dem sie vegane Bio-Kost anbietet: "Durch die hohen Mietpreise sind Geschäftslokale kaum finanzierbar." Sharing – also Teilen – ist das Grundprinzip, mit dem sie Pop-up-Stores möglich macht: "Die Verkäufer, die sich bei uns einmieten, sparen sich teure, monatliche Fixkosten und können sich ihren Alltag flexibler einteilen."

Aus den USA

Für kurze Zeit verfügbar und dann wieder weg – dieses Geschäftskonzept gab es in Amerika schon Mitte der 1990er-Jahre, ehe es 2004 Deutschland erreichte. Die Luxus-Marke Comme des Garçons nutzte damals eine alte Bücherei in Berlin und verkaufte dort ihre Mode. Nur durch Mund-Propaganda erfuhren Fans von der ungewöhnlichen Dependance, die nach einem Jahr wieder zusperrte. Ähnlich wie es fahrende Händler Jahrhunderte zuvor praktizierten, zog das Unternehmen weiter und belebte in anderen Städten alte Lagerhallen, Garagen oder Clubs mit Designer-Mode.

Hinter der Idee von Pop-up-Stores steckt auch der Gedanke, möglichst nahe beim Konsumenten zu sein – als Gegentrend zum Onlinehandel. Anna Wessely sieht einen weiteren Vorteil: "Die Wertschätzung der Erzeugnisse wird höher, da die potenziellen Kunden den Menschen hinter der Marke kennenlernen."

Konsumentenforscherin Elfriede Penz von der Wirtschaftsuniversität Wien bezeichnet den Boom von Pop-up-Stores im shabby chic (schäbiger Schick, Mischung aus Flohmarkt-Möbeln und selbstgebastelten Stücken, Anm.) und Secondhand-Läden als Reaktion auf die Wirtschaftskrise. "Menschen haben gelernt, mit weniger auszukommen, bestehende Ressourcen zu nutzen, weil sie keine neuen und teuren Sachen kaufen."

Eine Couch, Vintage-Stehlampen aus den 1960er-Jahren, dazu Musik vom Plattenspieler – dass manche Läden aussehen wie Wohnzimmer, kommt gut an. "Sie sind für eine bestimmte Gruppe attraktiv, weil sie sich durch Gemütlichkeit und warme Atmosphäre von teuren Luxusmarken-Shops unterscheiden, die oft sehr clean rüberkommen und in denen das Personal als unfreundlich wahrgenommen wird." Und sie wecken Sehnsüchte: "Dieses Heimelige zieht jene an, die sozialen Austausch suchen und ohnehin finden, dass es kalt genug ist in dieser unfreundlichen Welt."

Exklusiv

Nicht teure, dafür exklusive Ware wie etwa selbst gemachte Schüsseln aus Schallplatten oder handgewebte Schals: Kunden legen Wert auf einzigartige Produkte, erklärt Penz. "Sie achten auch auf Herkunft und Produktionsbedingungen. Gleichzeitig will man sich abheben, investiert viel Zeit, sich auf Nischenprodukte zu konzentrieren und versucht, diese zu bekommen." Pop-up-Initiatorin Wessely beobachtet ein ähnliches Kaufverhalten: "Massenproduktion und Billigware werden immer uninteressanter. Die Leute sehnen sich nach Individualität und nach handgemachten, hoch qualitativen Produkten." Dass diese limitiert und nur für bestimmte Zeit zu haben sind, macht das Pop-up-Geschäft besonders reizvoll.

Info:

"POP it UP Vienna" – am 5. 12. werden in ausgewählten Lokalen im 6. Bezirk von 15–21 Uhr Mode, Kunst & Köstlichkeiten verkauft. www.facebook.com/POPitUPvienna

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