Seit 2010 ist kein akutes Gämsenmassensterben mehr aufgetreten.

© APA/ZOO SALZBURG

Pathologie
06/11/2014

Plötzliches Gämsensterben ist geklärt

VetmedUni Wien weist nach vier Jahren umfassender Analysen Bakterien nach.

Das Rätseln hat ein Ende. Vier Jahre nach dem plötzlichen Sterben von Gämsen konnte die Ursache jetzt geklärt werden: Das Pathologische Labor am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmed Uni Wien fand heraus, dass zwei Bakterienstämme für den Tot der Paarhufer verantwortlich waren.

Im Frühjahr 2010 starben im Norden Österreichs 30 Prozent der dort angesiedelten Gämsen. Die Todesursache war unklar. Beunruhigte Jäger und Forstwirte sandten gefundene Tierkadaver zur Obduktion an die Wildtierpathologie der Vetmeduni Vienna. Umfangreiche Untersuchungen ergaben, dass die Tiere an einer bakteriellen Lungenentzündung verstorben waren. Die Ursache waren zwei, bisher bei Gämsen unübliche, Bakterienstämme. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Journal of Wildlife Diseases veröffentlicht.

Lungenentzündung

19 der verstorbenen Tiere aus der Region Amstetten, Lilienfeld und Salzburg wurden untersucht. Die Forschenden obduzierten die Tiere, analysierten verschiedene Gewebe und suchten nach Bakterien, Viren oder Parasiten in den Kadavern. Die Analysen ergaben, dass die Tiere an einer massiven Lungenentzündung verstorben waren.

Die Ursache der schwerwiegenden Entzündung waren Bakterien mit den Namen Mannheimia glucosida und Bibersteinia trehalosi. Bislang wurden diese Bakterien in Rindern und Schafen nachgewiesen. Dass diese Keime bei Gämsen tödliche Lungenentzündungen mit Seuchencharakter auslösen können, war den Experten bisher nicht bekannt. „Wildtiere dürfen nicht medizinisch behandelt werden. Deshalb gibt es nur wenige Möglichkeiten, den seuchenartigen Verlauf einzubremsen“, erklärt Annika Posautz vom Pathologie-Team des Forschungsinstitutes. „Man kann beispielsweise die Verwendung von Salzlecksteinen vermeiden.“

Seit dem Jahr 2010 ist kein akutes Gämsenmassensterben mehr aufgetreten. „Es war wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Winter war sehr hart und die Tiere litten unter Parasitenbefall. Beides schwächt das Immunsystem der Tiere und führte wahrscheinlich zu den fatalen Sterbefällen“, erklärt Posautz.

Bedrohung

Gämsen teilen ihren Lebensraum mit unterschiedlichen Wildtieren und auch mit Nutztieren. Werden erkrankte oder gar verstorbene Tiere entdeckt, ist die Aufklärung der Krankheits- oder Todesursache wichtig, da das Risiko einer Übertragung zwischen verschiedenen Tierarten besteht.

Gämsen kommen in den Alpen auch mit Haustierarten wie Rindern und Schafen, die auf den Almen weiden, in Kontakt. Wildtierforscherin Posautz setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Jägern und Forstwirten. Ein genaues und flächendeckendes Beobachten der Tiere und rasches Handeln sei im Ernstfall entscheidend.

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