Leben
29.12.2011

Nutzer-Exodus von Webhoster GoDaddy?

Boykott-Aufruf für 29. Dezember, weil Domain-Registrar umstrittenen US-Gesetzes-Entwurf unterstützte.

Am 29. Dezember sollen, einem allgemeinen Aufruf zufolge, die Nutzer des Domainregistrars und Webhosters GoDaddy in Scharen ihren Anbieter wechseln. Der Grund dafür: GoDaddy unterstützte als einer der größten Vertreter seiner Zunft den umstrittenen US-Gesetzesentwurf zum "Stop Online Piracy Act" (SOPA). Der Entwurf sieht weitreichende Sperren gegen Webseiten vor, die Urheberrechte verletzen oder Urheberrechts-Verstöße begünstigen. Seine Gegner, darunter Kaliber wie Google, Facebook, Apple und Microsoft, fürchten eine Beschneidung der Redefreiheit im Netz und einen Rückgang bei Innovationen.

GoDaddy war zunächst mit dutzenden weiteren Unternehmen auf einer SOPA-Unterstützerliste aufgetaucht. Ein Nutzer des Online-Forums Reddit namens "SelfProdigy" rief daraufhin zum Boykott auf und ernannte den 29. Dezember zum "Dump GoDaddy Day" - an diesem Tag sollten bei GoDaddy registrierte Unternehmen kollektiv ihren Anbieter wechseln. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia kündigte am 23. Dezember an, bei GoDaddy aussteigen zu wollen. Imgur, eine der weltgrößten Bilder-Hosting-Webseiten, hat den Umstieg bereits vollzogen.

GoDaddy rudert zurück

Nach massiver Kritik an der Haltung des Unternehmens ruderte GoDaddy rasch zurück. Die Unterstützung für SOPA wurde aufgekündigt. In einem Blogeintrag beteuerte das Unternehmen seine ursprüngliche Absicht, die Formulierung des Gesetzesentwurfs von innen heraus zu beeinflussen. Man habe aber eingesehen, dass die Integrität des Internets, sowie freie Meinungsäußerung mit SOPA nicht gewährleistet wären und sich deshalb zu einem Positionswechsel entschlossen.

Im Verlauf des 29. Dezember wird man sehen, wie weitere GoDaddy-Kunden die wechselhafte Einstellung des Unternehmens bewerten und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

Kritik von Internet- und Rechts-Experten

Der vor allem von der Film- und Musik-Industrie unterstützte SOPA zielt darauf ab, die US-Justiz zu ermächtigen, Webseiten, die gegen Urheberrechte verstoßen, unzugänglich zu machen, sowie von allen Finanzierungsmitteln abzuschneiden. Genauer gesagt, können Internet-Provider damit gezwungen werden, Eingriffe im Domain Name System (DNS) des Internet durchzuführen, durch die betroffene Webseiten nicht mehr aufrufbar werden. Allerdings sei diese Maßnahme nicht verlässlich, da bereits Umgehungs-Prozeduren für diese DNS-Manipulationen entwickelt wurden. Eine derartige Schwächung des DNS würde allerdings die Auffassung des Internet als vereinheitlichtes, globales Kommunikations-Netzwerk ruinieren.

Zahlreiche Internet-Experten sehen in dem Gesetzesentwurf einen großen Schritt in Richtung staatlicher Zensur, etwa im Stil der Great Firewall in China. Viele Rechtsexperten halten den SOPA-Entwurf deshalb für besonders gefährlich, weil er Gerichtsentscheidungen ohne vorhergehende Anhörung der beschuldigten Partei erlaubt - ein ihrer Ansicht nach klarer Verstoß gegen die US-Verfassung.

Weiterführende Links