Leben
05.02.2018

Lions-Camps: Austausch für junge KURIER-Leser

Jugendliche erzählen, was ihnen die Zeit in internationalen Lions-Camps brachte.

Erst nach einigem Überlegen antwortet Jusstudentin Xenia Ebenhöh auf die Frage, welcher Moment ihr beim Schüleraustausch am besten gefiel: "Wir sind um drei Uhr in der Früh auf den Berg Masada gegangen und haben uns den Sonnenaufgang angeschaut."

Xenia hat bereits zweimal an Lions Camps teilgenommen – 2016 in den Niederlanden, und weil es ihr dort so gut gefallen hat, im Jahr darauf in Israel. Besonders beeindruckt hat Xenia, dass die Leute dort trotz kultureller Unterschiede dieselben Probleme und Gedanken beschäftigen wie sie selbst. Vor der Bewerbung brauchen Jugendliche laut Xenia keine Angst zu haben – es wird nicht etwa auf die Noten, sondern auf die Beweggründe geschaut.

Der 18-jährige Mario Eder verbrachte drei Wochen in und um Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands. Auch er sagt, dass man beim Motivationsschreiben "ehrlich sein soll. Und am besten bereitet man sich auf das Land gut vor, in das man fährt". Die Lions Clubs Österreich organisieren solche Aufenthalte für Jugendliche aus aller Welt – und vergeben drei Plätze an KURIER-Leser. Einerseits versenden sie dabei Österreicher wie Mario und Xenia, andererseits veranstalten sie Camps für ausländische Jugendliche in Österreich. Zwei Drittel der Teilnehmer – Incomer wie Outgoer – sind Mädchen, nur ein Drittel Buben. Die Reisen der Jugendlichen dauern etwa drei Wochen – erst bei Gastfamilien, wo sie Landeskultur und Sprache kennenlernen sollen, danach mit den anderen Jugendlichen in einem Camp. Dort werden Aktivitäten organisiert: Mario war Kajak fahren, in Museen und hat auch ein Waisenhaus besucht. Xenia erzählt vom gemeinsamen Wandern, vom Kamelreiten in der Wüste in Israel und vom Zusammensitzen am Lagerfeuer.

Incomer – Outgoer

Die Teilnehmer kommen durchaus nicht nur aus Familien, die Lions-Club-Mitglieder sind. Viele Jugendliche, so auch Xenia und Mario, sind über Freunde oder Lehrer auf die Camps aufmerksam gemacht worden.

Ernst Gottscholy ist bei den Lions Österreich für den Jugendaustausch der Region Ost zuständig. Er kümmert sich einerseits um die "Outgoer", also jene österreichischen Jugendlichen, die in eines der weltweiten Lions Camps reisen. Und um die "Incomer" – Jugendliche aus der ganzen Welt, die in eines der drei österreichischen Camps kommen. Die Camps sind in zeitlicher Gestaltung und Programm sehr unterschiedlich, die meisten haben aber einen Schwerpunkt. Gottscholy: "Unser Camp im Osten Österreichs heißt ‚Viennaandaround‘ und versteht sich besonders als Friedenscamp für den Austausch der Religionen und Weltanschauungen." Und für Jugendliche aller sozialen Schichten, worauf Gottscholy stolz ist. So werden jährlich 100 Jugendliche verschickt und 100 kommen zu Besuch. Das Ziel der Camps ist, Jugendliche aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen, damit langfristige, internationale Freundschaften entstehen. Sowohl Xenia als auch Mario ist das gelungen. Bei Mario ist gerade ein Freund aus der Türkei zu Besuch, den er in Estland kennengelernt hat.

Plätze für KURIER-Leser

Das Programm: Das Youth Camp und Exchange (YCEP) von Lions international soll Völkerverständigung und Frieden fördern. Seit mehr als 50 Jahren besuchen Jugendliche vieler Nationen, Kulturen und Religionen Österreich – Viennaandaround ist der Name des Camps im Osten, insgesamt finden drei in Österreich statt. Im Gegenzug entsenden die Lions Clubs Österreichs jugendliche Botschafter in die weltweit mehr als 100 Camps. Camp-Sprache ist immer Englisch.

Drei Plätze für KURIER: Für diesen Sommer (Juli) erhalten drei junge KURIER-Leser im Alter von 16 bis 20 Jahren die Chance, mit Jugendlichen aus der ganzen Welt ein anderes Land kennenzulernen. Bewerbungen dafür werden bis spätestens 17. Februar 2018 mit dem Betreff „Kurier-Lions“ entgegengenommen. Dafür bitte ein Foto und eine Begründung, warum genau Du die oder der Richtige bist und was Du von der Reise erwartest, an Ernst Gottscholy senden, der für den Jugendaustausch in der Lions-Region Ost zuständig ist. eMail-Adresse: ernst@viennaandaround.com

Unter allen Einsendungen werden von Vertretern der Lions Clubs drei "Gewinner" ausgesucht. Alle Kosten, ausgenommen Taschengeld, übernimmt dabei der Lions Club Österreich. Die Gewinner werden bis spätestens 3. März 2018 verständigt. Darüber hinaus können sich alle Jugendlichen (16–20 Jahre) für Sommercamps bewerben.

Informationen: www.lionscamp.at

Nicht nur besuchen, sondern kennenlernen

KURIER: Sie organisierten den Austausch österreichischer Schüler mit Schülern aus Washington. Was war Ihr Ziel?

Günter Froneberg: Das klingt vielleicht geschwollen, aber mir ist es um internationale Verständigung und Horizonterweiterung gegangen. Ich wollte, dass die amerikanischen und österreichischen Schüler einander nicht nur besuchen, sondern wirklich kennenlernen. Mir geht das Herz auf, wenn sich manche Schüler immer noch gegenseitig besuchen und in Kontakt bleiben. Außerdem wollte ich, dass die Schüler im Ausland erste Berufserfahrung sammeln. Die Schüler konnten dort in verschiedenen Firmen in einen Beruf hineinschnuppern.

Haben Sie eine Veränderung bei Schülerinnen und Schülern bemerkt, die im Ausland waren?

Vor allem langfristige Veränderungen. Eine Schülerin hat etwa ihr Studium aufgrund eines Berufs ausgewählt, den sie in Amerika kennengelernt hat. Außerdem haben sich viele langfristige Freundschaften ergeben.

Nach welchen Kriterien haben Sie Schüler für das Programm ausgewählt?

Natürlich haben Notendurchschnitt und Sprachkenntnisse eine Rolle gespielt. Allerdings war mir auch das Verhalten, das die Schüler gezeigt haben, und ihr Interesse an amerikanischen Schülern wichtig. Ich musste mir ja sicher sein, dass sie in Amerika selbstständig zurechtkommen und sich um ihre Gastschüler kümmern werden. Ich wollte nicht, dass jemand nur wegen des Lebenslaufs an dem Programm teilnimmt.

Was waren die häufigsten Schwierigkeiten während des Austauschs?

Problematisch war vor allem, dass Jugendliche aus verschiedenen Ländern oft unterschiedliche Freiheiten genießen – man denke nur an Alkohol – und von Eltern unterschiedlich unabhängig sind. Daraus hat sich schon manche seltsame Situation ergeben.