Leben
01.08.2017

Sie bringen den Garten ins Wohnzimmer

Zwei Frau erfinden mit ihrem Concept Store "Das Luna" das Gärtnern gerade neu.

Mehr denn je sehnen sich Menschen nach Naturerfahrungen. Vor allem bei Städtern ist die Lust auf Grün groß. Nicht nur: In einer zunehmend globalisierten Welt wollen sich immer mehr Menschen selbst versorgen. Doch in Großstädten sind Grünflächen nur begrenzt vorhanden. Wo sich ein Hochhaus an das nächste reiht, können die meisten von einem eigenen Balkon oder Garten nur träumen.

Wäre es angesichts dieser Tatsache nicht großartig, den Garten ins eigene Wohnzimmer zu verlegen? Diese Idee verfolgen Alexandra Braschel und Stephanie Meisl, die kürzlich ihr Concept store Das Luna im 7. Bezirk in Wien eröffneten. Mit diesem Lokal realisieren die zwei Frauen einen neuen Trend: Indoor gardening. Garteln in den eigenen vier Wänden ist in Österreich gerade erst im Kommen.

Kinderträume

"Wir waren so fasziniert von Pflanzen – irgendwann haben wir einander nur noch Kakteen geschenkt‘‘, schmunzelt Alexandra Braschel. Die Idee für das Lokal kam eher zufällig. Nebenbei mit ihrer Filmproduktion C‘quence tätig, suchten die zwei einen Ausgleich. Einer ihrer Kunden schwärmte von der guten alten Waldmeisterlimonade und dem Wunsch, die Stadt wieder grüner zu machen. Angetrieben von dieser Vision und der Leidenschaft für Urban Gardening, fassten die Frauen den Entschluss, ein Lokal der etwas anderen Art zu gründen. Weil auch sie selbst keinen eigenen Garten besaßen, suchten die Filmproduzentinnen nach Alternativen und stießen dabei auf ein neues Konzept.

Indoor gardening hat seinen Ursprung in Skandinavien, wo die Menschen im Winter mit wenig Licht auskommen müssen. Verschiedene nordeuropäische Unternehmen wie etwa Click and Grow, Plantui, Herbheroes oder Tregren stellen die innovativen Indoorgartensysteme her. Das Konzept dahinter ist simpel: Eine Box mit Erde und eingebautem Wassertank versorgt die Pflanze rund um die Uhr. Je nach Jahreszeit gleicht ein Beleuchtungssystem den Lichtmangel zusätzlich aus. Bis zu zwei Wochen kommen die Pflanzen aus, dann sollte der Tank nachgefüllt werden. Auf diese Art und Weise können Obst und Gemüse in der Wohnung problemlos angebaut werden.

Nachhaltige Alternative

Je nach Bedarf und Platz gibt es viele Variationen in unterschiedlichen Größen. Vom zierlichen Schnittlauch bis zur stattlichen Tomatenstaude ist alles zu haben. Die Kosten pro Box belaufen sich auf 100 bis 250 Euro. Verkauft werden die Anlagen direkt vor Ort. So könne man sich im Luna selbst ein Bild über die Indoor-Systeme machen und sich das Ganze besser vorstellen. Im Internet seien die Pflanzen nämlich nicht greifbar, argumentieren die Lokalbetreiberinnen. Für viele Menschen schien es bisher unmöglich, eigenes Obst oder Gemüse anzubauen. Die Indoorgartensysteme sind eine frische, nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Produkten aus dem Supermarkt.

Abseits vom Lokalbetrieb geht es Braschel und Meisl auch darum, die Menschen beim gemeinsamen Gärtnern zusammenzubringen. Zu diesem Zweck haben sie vor ihrem Lokal einen ungewöhnlichen Gastgarten gebaut, die sogenannte Grätzel-Oase. Positiver Nebeneffekt: In die eigens von Tischlern konstruierte Holzanlage ist eine Blumenumtopf-Station integriert. Hier kann sich jeder frische Erde und Dünger nehmen und die Pflanzen neu einbetten. Um auch die Grätzel-Oase grüner zu machen, unterzog man sie einer Rundum-Bepflanzung. Das gemeinschaftliche Projekt wurde von mehreren Gärtnern beaufsichtigt.

Ihr Faible für Design veranlasst die Frauen, auch mit Künstlern zusammenzuarbeiten. So stößt man beim Schlendern durch den Laden auf ausgefallene Produkte für Grün-Fans – von pinken Gartenschläuchen über herzförmige Kakteen bis hin zum Tee für Pflanzen. Braschel und Meisl kritisieren den vielerorts vorherrschenden Mangel an Kreativität. So seien die meisten Produkte von Blumenhändlern oder Bauhäusern nicht heimfreundlich. "Die Gießkanne verschwindet in vielen Haushalten im hintersten Winkel, dabei könnte sie einen Raum wunderbar dekorieren.‘‘ Die Pflanzenwelt sei schräg und vielfältig, doch in Österreich scheinen manche Innovation noch nicht ganz angekommen zu sein.

Pflanzentauschbörse

Zusätzlich zum Lokalbetrieb organisieren die zwei Frauen im Luna regelmäßig Events, die Menschen zum Eigenanbau anregen sollen. Das nächste Mal können Gartenfans bei der Pflanzentauschbörse am 20. August um 15 Uhr zusammenkommen und sich austauschen. Das Luna zeigt vor, wie das Gärtnern der Zukunft aussehen könnte. Wer also schon immer davon geträumt hat, auf der Wohnzimmercouch zu liegen und gleichzeitig die ersten Himbeeren zu ernten, wird nun fündig. (Laura Wallenko)