Musik in den Augen

Auge hinter Lupe…
Foto: by-studio - Fotolia/By-Studio/Fotolia Kläge spiegeln sich in der Pupillenreaktion wider.

Die Größe der Pupille hängt mit dem emotionalen Gehalt der Musik zusammen - und vom persönlichen Bezug zu ihr.

Die emotionalen Reaktionen auf Musik lassen sich an den Augen ablesen. Wissenschaftler der Universitäten Wien und Innsbruck haben herausgefunden, dass sich die Größe der Pupille abhängig vom Grad des emotionalen Gehalts der und dem persönlichen Bezug zur Musik verändert.

Pupillenreaktion

Die Pupille passt sich nicht nur den Lichtbedingungen an, ihre Größe kann sich auch durch Gedanken, Emotionen und mentale Anstrengung verändern. Zum Beispiel erweitert sich die Pupille in Reaktion auf sexuell explizite Bilder oder bei der Berechnung schwieriger mathematischer Aufgaben. Auch Klänge können Pupillenreaktionen hervorrufen. Hört man etwa einen Streit, führt dies zu einer größeren Pupillenerweiterung als neutrale Klänge, wie der Hintergrundlärm in einem Büro. Die Reaktionen des Auges während des Musikhörens wurden nach Angaben der Wissenschaftler bisher noch nicht systematisch untersucht.

Experiment

Bruno Gingras vom Institut für Psychologie der Uni Innsbruck hat mit seinen früheren Kollegen der Uni Wien in der Studie Musik aus der Romantik verwendet. Sie baten 30 Testpersonen, den emotionalen Gehalt von Ausschnitten aus Klaviertrios zu bewerten. Die Einstufungen reichten dabei von „sehr fremdartig“ bis „sehr vertraut“, „sehr ruhig“ bis „sehr erregt“, „sehr entspannt“ bis „sehr angespannt“ und „sehr unangenehm“ bis „sehr angenehm“.

Eine andere, gleich große Gruppe, die den Zweck des Experimentes nicht kannte, hörte diese Ausschnitte, während ihre Pupillengröße mit einer speziellen Kamera gemessen wurde. Danach füllten diese Teilnehmer einen Fragebogen aus, der auch Fragen über ihre Beziehung zur Musik beinhaltete.

Erregung

Es zeigte sich, dass der Grad der emotionalen Erregung mit der Pupillenerweiterung zusammenhängt: je erregender die Musik, desto stärker erweiterte sich die Pupille. „Es wurden auch stärkere Erweiterungen bei jenen Zuhörern beobachtet, die angaben, dass Musik eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt“, so Gingras. Die Ergebnisse ließen darauf schließen, dass die emotionale Reaktion auf Musik sich in der Pupillengröße widerspiegelt, und dass sowohl der emotionale Gehalt als auch der Bezug zur Musik dabei eine Rolle spielen.

Für den Psychologen ist die Messung des Pupillendurchmessers eine vielversprechende Methode, um emotionale Reaktionen auf Musik zu untersuchen, da Pupillenreaktionen nicht willentlich kontrolliert werden können. So könnten unbewusste Prozesse beim Musikhören untersucht werden.

Die Studie wurde im Fachjournal „Frontiers in Human Neuroscience“ veröffentlicht.

(apa / hed) Erstellt am
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