Leben
02.11.2017

Peru: Misswahl-Kandidatinnen prangern sexuelle Gewalt an

Die Teilnehmerinnen des Schönheitswettbewerbs zur Miss Peru haben diesen dazu genutzt, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.

Bei der Wahl der Miss Peru in Lima sorgten die Teilnehmerinnen für eine Überraschung beim Publikum: Statt ihre Maße zu nennen, präsentierten sie erschreckende Zahlen zum Thema Gewalt gegen Frauen. Die 23 Kandidatinnen des Schönheitswettbewerbs gingen dabei einzeln ans Mikrofon. "Mein Name ist Camila Canicoba und ich repräsentiere das Department Lima. Meine Maße sind: 2202 Frauenmorde in den letzten neun Jahren in meinem Land", lautete beispielsweise eines der Statement. Während die Frauen ins Mikrofon sprachen, waren im Hintergrund Zeitungsausschnitte über Gewalt gegen Frauen zu sehen.

Jessica Newton, ehemalige Schönheitskönigin und Organisatorin des Wettbewerbs äußerte sich gegenüber Buzzfeed zu den Beweggründen, warum sie das Thema bei der diesjährigen Misswahl ansprechen wollte: "Jeder, der das nicht anprangert und nichts tut, um das zu stoppen, ist Mittäter." Dass Frauen durch die Zurschaustellung im Bikini objektiviert werden, wies Newton von sich. Es sei eine persönliche Entscheidung, was eine Frau anziehen möchte und was nicht. "Wenn ich im Badeanzug rausgehe, bin ich genauso anständig wie eine Frau, die im Abendkleid rausgeht."

Am Sonntag verbreitete sich schließlich der Hashtag #MisMedidasSon (auf Deutsch: "meine Maße sind"), jener Halbsatz, mit dem die Frauen begonnen haben, die erschreckenden Zahlen zu präsentieren.

Proteste im vergangenen Jahr

Erst im vergangenen Jahr haben rund 50.000 Menschen unter dem Motto "Ni una menos" (auf Deutsch: "nicht eine weniger") in der peruanischen Hauptstadt Lima gegen die im Land allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen protestiert.

Im Jahr 2015 registrierten die peruanischen Behörden 95 Frauenmorde. Im vergangenen Jahr waren es laut Angaben des Frauen-Ministerium 124. Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013 zufolge rangiert Peru auf Platz drei der Länder mit der höchsten Zahl von weiblichen Opfern sexueller Gewalt durch ihren Partner.