Leben
19.09.2017

Millennials: Die Generation der jungen Durchstarter

Ein 23-Jähriger möchte den Ruf seiner Altersgenossen zurechtrücken – denn erstaunlich viele seien sehr jung sehr erfolgreich geworden.

Kaum eine Generation musste in den vergangenen Jahren so viel Kritik einstecken wie die "Millennials" – jene, die zwischen 1985 und Mitte der Neunziger geboren wurden und rund um die Jahrtausendwende ins Berufsleben eingetreten sind. Verwöhnt seien sie, nicht willens, für eine Sache zu kämpfen, aber ausgestattet mit einem Überdrüber-Selbstvertrauen, weil sie von ihren Babyboomer-Eltern zu Prinzen und Prinzessinnen erzogen wurden.

Jonathan Sierck, Jahrgang ’93, wollte der Kritik an seiner Generation etwas entgegensetzen. In seinem Buch "Junge Überflieger" (erschienen im Redline Verlag) porträtiert er unter 30-Jährige, die trotz ihrer Jugend große Erfolge erzielt haben. Seine These: Die Generation Y (eine andere Bezeichnung für die Millennials) hat auffallend viele junge Durchstarter hervorgebracht. "Natürlich gab es immer schon Menschen, die sehr früh sehr erfolgreich waren", erklärt der Autor. "Aber: Gerade im Start-up-Bereich sieht man, dass viele von uns nicht mehr den konventionellen Weg gehen – erst mal studieren, schauen, dass man gewisse Sicherheiten hat. Wir fangen früh an, Fragen nach Selbstverwirklichung zu stellen und lassen uns nicht davon abhalten – auch wenn das vielleicht nicht der sicherste Weg ist." Er räumt ein: "Natürlich wachsen wir auch in einer dankbaren Zeit auf, in der wir uns mit gewissen Herausforderungen nicht herumschlagen müssen."

Das große Warum

Eine dieser Überfliegerinnen aus dem Buch (drei heimische Beispiele finden Sie unten) ist die 26-jährige Berlinerin Masha Sedgwick – eine der erfolgreichsten Modebloggerinnen im deutschsprachigen Raum. "Als sie anfing, war Bloggen noch kein Thema", sagt Sierck. "Sie hat sich Programmieren beigebracht, zwölf Stunden am Tag gearbeitet. Sie wurde oft blöd angemacht, nach dem Motto, such dir einen vernünftigen Job. Heute drehen die Leute durch, wenn irgendwo ein ‚Influencer‘ auftaucht."

Nein, für sein Buch hat Sierck – der Philosophie studiert und sich 2012 im Bereich Weiterbildung selbstständig gemacht hat – nicht nur Social-Media-Stars porträtiert. Sondern auch Profisportler, Gründer, Menschen, die sich sozial engagieren. Und einen gewissen "Jung"-Politiker aus Österreich namens Sebastian Kurz. Was sie eint? "Alle haben Rückschläge erlebt. Doch sie haben ihr Ziel erkannt und wussten, warum sie weitermachen. Sie haben herausgefunden, warum sie in der Früh aufstehen. Ich nenne es ‚das große Warum‘."

Dem Klischee des in Watte gepackten Millennials entsprechen Siercks Beispiele also nicht. "Ich glaube schon, dass es auch viele gibt, die sagen, ich sollte etwas kriegen, bevor ich etwas geleistet habe. Die, die wirklich weit gekommen sind, haben sich aber einem Ziel verschrieben, das größer ist als sie selbst." Entscheidend sei nicht, dass man selbst etwas Besonderes ist – "sondern dass man mit dem, was man kann, Besonderes leistet".

Ein völlig leerer Terminkalender ist schrecklich

Eigentlich wollte er ja Journalist werden – "als ich gemerkt habe, dass meine lustigen Webvideos so gut ankommen, habe ich diesen Plan schnell verworfen". Heute ist Buchinger ein YouTube-Star, knapp 150.000 Menschen haben seinen Kanal abonniert, bis zu 1,2 Millionen sehen seine humorigen Clips. "Weil die Nachfrage da war, habe ich vor Kurzem ein Buch geschrieben (‚Der Letzte macht den Mund zu‘, Anm.). Ich denke, heutzutage muss man extrem flexibel sein, um Erfolg zu haben." Für ihn als Selbstständigen bedeute Erfolg vor allem, immer ein nächstes Projekt in Aussicht zu haben. "Nichts erschreckt mich mehr als ein leerer Terminkalender." Die Kritik an seiner Generation kann er nur zum Teil nachvollziehen. "Man sagt ja gerne, dass die Millennials keinen Plan haben und alles nur ein bisschen können, aber nichts so richtig. Das kann meiner Meinung nach aber auch ein versteckter Segen sein. Die meisten meiner Kollegen wollen gar nicht 30 Jahre den gleichen Job ausüben, sondern immer wieder Neues erfahren."

Schneller Erfolg ist so ungesund wie Fast Food

Die Tochter polnischer Immigranten ist das Wunderkind der Wiener Kreativszene. Nach ihrem Grafikstudium gründete sie eine Agentur, die z. B. für die optische Neugestaltung des Kultlokals "Motto" im 5. Bezirk verantwortlich zeichnet. Vom Magazin Forbes wurde sie zu den besten 30 unter 30 gewählt. "Schneller Erfolg", sagt Karasinski, "ist wie Fast Food: ungesund, ausbeutend, kalt. Menschen, die gerne diese Art von Erfolg genießen und diesen an Zahlen messen, borgen sich meistens eine Idee, besitzen beinhartes Durchsetzungsvermögen und wenig Empathie. Langanhaltender Erfolg ist wie Soul Food: bedacht und wohltuend. Menschen, die Erfolg an dem Wohlergehen ihrer Umgebung und Kultur messen, brauchen in der heutigen Zeit Feingefühl, Ausdauer und Ruhephasen."

Man muss bereit sein, auf vieles zu verzichten

Mit nicht einmal 30 hat der Linzer bereits drei Hauben erkocht. Seit acht Jahren arbeitet Irka in der "Saziani Stub’n", seit fünf Jahren ist er (hochgelobter) Küchenchef. Was es braucht, um so jung so weit zu kommen? "Ehrgeiz und Verbissenheit", sagt er ohne zu überlegen. "Man muss bereit sein, auf vieles zu verzichten. Ich lebe, um zu arbeiten - irgendwann ist es vielleicht umgekehrt. Obwohl wir nur fünf Tage die Woche offen haben, bin ich mit dem Kopf immer im Restaurant." Natürlich sei mit 18 vieles interessanter gewesen als der Job. "Aber ich habe meinen Weg keinen Tag bereut."