Leben
18.12.2017

Miet-Santa: "Schlimmste sind 5-Jährige, die Handys wollen"

Kurz vor Weihnachten rechnen in Einkaufszentren engagierte Weihnachtsmänner mit dem Konsumrausch am Fest der Liebe ab.

Wenn ihm ein Kind sagt, dass es sich zu Weihnachten ein iPad wünscht, stellt er sich einfach blöd, erzählt Ron Horniblew, der als Miet-Weihnachtsmann in Großbritannien arbeitet, der britischen Zeitung Daily Mail. Er fragt die Kinder dann, was denn falsch mit ihrem Auge sei, ob es schlecht sei, dass er sich das näher ansehen werde.

Dabei weiß der 82-Jährige genau, was ein iPad ist, denn er hört sich bereits seit 53 Jahren die Wünsche von Kindern zu Weihnachten an. Laut eigenen Angaben ist er der längstdienende Weihnachtsmann des Landes. In den vergangenen Jahren konnte er dabei einige Veränderungen feststellen. Immer häufiger stünden neben einem iPad auch andere teure elektrische Geräte auf den Wunschlisten der Kinder. Am schlimmsten sei es für Hornblew, mit Fünf- oder Sechsjährigen konfrontiert zu sein, die nach Telefonen fragen. Wenn er sie fragt, wofür sie denn ein Telefon brauchen, würden sie erklären, dass sie damit ihre Freunde anrufen möchten, die ebenfalls alle bereits ein Telefon besitzen. Er sagt dann: "Sprichst du nicht am Spielplatz mit deinen Freunden?"

Obsessiver Konsumrausch

Im Gespräch mit der Daily Mail erinnert er sich an die Zeit zurück, in dem sich Kinder über eine Orange im Weihnachtsstrumpf freuten. Heute würde die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten hingegen kaum mehr eine Rolle spielen, das Fest sei heute vom obsessiven Konsumrausch dominiert. Er erzählt, dass er einmal am Weihnachtsmorgen zu einer Familie eingeladen worden war und kaum durch das Wohnzimmer kam, weil überall Spielzeug und auf dem Boden verstreut lag. Die Schuld an den übermäßig vielen Geschenken gibt Hornblew nicht den Kindern, sondern deren Eltern, die diese viel zu sehr verwöhnen. Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass er seine Tätigkeit als Weihnachtsmann in Einkaufszentren aufgab und seitdem nur noch im kleineren Rahmen, zum Beispiel im Krankenhaus oder Wohnungen, den Weihnachtsmann mimt.

Auch andere Weihnachtsmänner, die von der Daily Mail befragt wurden, kritisieren den Konsumwahn am Fest der Liebe. Oder den Umstand, dass die Bedeutung der Familie an Weihnachten beispielsweise in den Hintergrund getreten ist. Viele Kinder würden sich diverse Gadgets wünschen, um sich davon berieseln lassen zu können. Während früher bei Mädchen Puppen ganz oben auf dem Wunschzettel standen, die sie anziehen konnten, wollen sie sich heute in erster Linie selbst einkleiden und wünschen sich bereits im Alter von sieben oder acht Jahren Make-up oder Tätowierungen.