Menschliche Atomaktivität in Meteorit nachweisbar

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Foto: OTS/NHM, L. Ferrière Hohe Konzentration des Kohlenstoff-Isotops C14

Die Reise des Meteorits zur Erde dauerte rund 1,2 Millionen Jahre.

Überraschende Ergebnisse lieferte die erste Analyse von Radionukliden des Tscheljabinsk-Meteoriten. In Proben des im Februar 2013 über der russischen Stadt explodierten Meteoriten ließen sich Spuren anthropogener radioaktiver Kontamination nachweisen, vermutlich von Nuklearunfällen in der Gegend, so die Forscher um Kosmochemiker Christian Köberl im Fachblatt "Meteoritics & Planetary Science".

Die Wissenschafter haben ein Dutzend Fragmente des Meteoriten untersucht, der am 15. Februar 2013 rund 30 Kilometer über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk explodiert war, dabei rund 7.000 Gebäude in der Region am Ural beschädigt und etwa 1.500 Menschen verletzt hat. Sie konzentrierten sich dabei auf die Analyse sogenannter kosmogener Radionuklide in den Überresten. Diese radioaktiven Atomsorten entstehen durch die Interaktion des Meteoriten mit der kosmischen Strahlung und verraten viel über Größe, Aufbau, Alter etc. des Objekts.

Petrografische Untersuchungen zeigten, dass der Meteorit bereits vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre "sehr stark brekziiert" - also im inneren Aufbau zerbrochen - gewesen sein muss, was teilweise bestimmend für die starke Explosion und Zersplitterung des Objekts war, sagte Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, im Gespräch mit der APA. Dieser brüchige Ausgangszustand sei vermutlich das Resultat einer Kollision im Asteroidengürtel, die schließlich auch dazu geführt hat, dass der Meteorit in Richtung des inneren Sonnensystems gelangt ist.

Lange Reise

Die Radionuklide verrieten weiters, dass die Reise des Objekts vom Asteroidengürtel bis zur Erde rund 1,2 Millionen Jahre gedauert hat. Zudem konnten die Wissenschafter aufgrund der nachgewiesenen großen Bandbreite von Radionuklid-Konzentrationen auf ein Objekt mit einem Mindestmaß von zehn Metern Durchmesser schließen - ein Ergebnis, das mit der aus der Explosionsenergie errechneten Größe des Meteoriten von 15 bis 20 Metern gut übereinstimme.

Das überraschendste Ergebnis zeigte aber die Analyse des Kohlenstoff-Isotops C14. "Dessen Konzentration in den Proben war so hoch, dass das nicht durch die kosmische Strahlung, sondern nur durch anthropogene Strahlungsquellen erklärbar ist", betonte Köberl, für den die Kontamination "überraschend ist, da die Meteoritenfragmente nur wenige Wochen im Boden lagen".

Als mögliche Ursachen geben die Forscher Nuklearunfälle in der Region an, etwa der Kyschtym-Unfall, bei dem 1957 in der im Bezirk Tscheljabinsk gelegenen Atomanlage Majak ein Tank für radioaktive Abfälle explodierte. Die Anlage ist nach wie vor aktiv. Zudem seien zwischen den 1940er- und 1960er-Jahren immer wieder radioaktive Abfälle in der Gegend deponiert worden.

(kurier/apa / ege) Erstellt am
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