Leben
25.01.2018

Grapsch-Vorwürfe bei Londoner Nobel-Gala

Die britische Premierministerin Theresa May hat sich am Donnerstag "angewidert" gezeigt von Berichten über massive sexuelle Belästigungen bei einer noblen Spendengala.

Bei dem Londoner Event mit ausschließlich männlichen Gästen Mitte Jänner soll es einem Bericht zufolge zu sexuellen Übergriffen auf junge Frauen gekommen sein, die von einer Agentur als Hostessen gebucht worden waren.

"Als ich den Bericht über diese Veranstaltung gelesen habe, war ich offen gesagt angewidert", sagte May in einem BBC-Interview am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Der britische Unterstaatssekretär für Familien und Kinder, Nadhim Zahawi, der unter den Gästen der Gala gewesen war, wurde unterdessen abgemahnt.

Reporterinnen eingeschleust

Bei dem Traditionsdinner des exklusiven Presidents Club in einem Londoner Hotel waren nach Angaben des Veranstalters allein in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Britische Pfund (2,29 Mio. Euro) für wohltätige Zwecke gesammelt worden. Etwa 360 Männer aus der Geschäftswelt sollen daran teilgenommen haben. Um sie bei Laune zu halten, wurden 130 Hostessen gebucht. Die jungen Frauen wurden demnach aufgefordert, sexy Kleidung zu tragen und mussten eine schriftliche Erklärung unterschreiben, die ihnen untersagte, über Erlebnisse an dem Abend zu sprechen.

Der Financial Times war es gelungen, mehrere Reporterinnen als Hostessen einzuschleusen. Sie und andere Frauen seien mehrfach angegrapscht worden, so der Bericht. Frauen seien von Gästen dazu aufgefordert worden, ihnen auf ihre Hotelzimmer zu folgen.

Versteigert wurden unter anderem ein Mittagessen mit Außenminister Boris Johnson und Bank-of-England-Chef Mark Carney. Beide bestritten, davon gewusst zu haben. Mehrere Begünstigte, unter anderem das Londoner Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital, kündigten an, die Spendengelder zurückzugeben. Der 1985 gegründete Presidents Club teilte inzwischen seine Auflösung mit.