Leben 05.12.2011

KURIER-"Watschenmann" analysiert das Web

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Gemeinsam mit dem OGM misst KURIER die Stimmung der Wiener Nutzer auf Twitter, Facebook und in Online-Foren.

Was wurmt Wien? Das analysiert der KURIER ab sofort in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Marketing (OGM). Mit einer eigens dafür entwickelten Software wird dazu die Stimmung von Wiener Nutzern des Mitmach-Internet erhoben. Dazu zapft das "Web2Watch" getaufte Programm öffentliche Quellen wie Facebook, Twitter, Internet-Foren und Weblogs an und errechnet, welche Themen aktuell diskutiert wurden.
KURIER-Kolumnist Dieter Chmelar wird die Ergebnisse ab sofort wöchentlich am Samstag aufgreifen und unter dem Titel "www.watschenmann was wien wurmt" (www.kurier.at/watschenmann ) kommentieren.

"Wir machen Marktforschung, ohne die Menschen zu fragen", sagt Florian Matscheko, der "Web2Watch" gemeinsam mit OGM-Chef Wolfgang Bachmayer entwickelt. In einem ersten Testdurchlauf in der Woche des Schulbeginns konnte etwa erhoben werden, dass sich die Wiener besonders über Schüler in der Straßenbahn aufregen. Facebook, Twitter und Blogs waren voll von Kommentaren, in denen sich Internet-Nutzer nach den ruhigen Ferienmonaten jetzt über lärmende Kinderhorden in den Öffis beschwerten.

Gleichzeitig will OGM mit dem "Mythos Mitmach-Web" aufräumen und auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Wie Analysen zeigten, gebe es in Österreich nicht - wie Facebook behauptet - 2,6 Millionen Nutzer, sondern tatsächlich 1,6 Millionen aktive Mitglieder. Beim Kurznachrichten-Dienst Twitter zählte man 40.000 aktive Nutzer, außerdem gebe es hierzulande 15.000 aktive Blogger und eine halbe Million Internetnutzer, die Kommentare in Foren schreiben.

Ausschnitt

Mit der "Web2Watch"-Software bietet OGM (6000 bis 150.000 Euro/Jahr) Unternehmen nun die Möglichkeit, im Internet "mitzuhören und mitzudenken". "Wer das macht, kann flexibler auf Kundenmeinungen eingehen", so Bachmayer. Parteien könnten auch die Stimmung der Wähler analysieren.

Grenzen hat "Web2Watch", das auf dem Analyse-Dienst "Radian6" basiert, auch. 1,4 Millionen Österreich sind nicht online, wie das Institut für Strategie-analysen kürzlich erhoben hat. Facebook, Twitter und Co. nutzen in Österreich insgesamt 1,8 Mio. Menschen (21 Prozent). "Die traditionelle Marktforschung ist nicht am Aussterben", so Bachmayer. Die Ergebnisse von "Web2Watch" müssten immer mit klassischen Befragungen ergänzt werden.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011