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Persönlichkeiten
01/16/2017

Diese Menschen haben die Gamsstadt geprägt

Am Anfang waren die Roten Teufel. Später kamen König Edward und der russische Geldadel. Wie Kitzbühel vom Alpendorf zum Ziel des Jetsets wurde.

von Julia Pfligl

Den Aufstieg vom verschlafenen Bergdorf zum Skisportmekka verdankt Kitzbühel einer genialen Marketing-Idee von Karl Koller. Der Ex-Rennläufer – er gewann die erste Hahnenkamm-Abfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg – übernahm 1950 die örtliche Skischule und ließ alle Skilehrer mit roten Pullovern und Zipfelmützen ausstatten. Die "Roten Teufel" wurden die berühmtesten Skilehrer der Welt. Und blieben es bis heute.

Etwa zur selben Zeit lenkte der gebürtige Kitzbüheler und Ski-Superstar Toni Sailer die mediale Aufmerksamkeit in den Tiroler Alpenort. Zu den sportlichen "Helden von Kitzbühel" gehört aber auch eine weibliche Pionierin: Gräfin Paula von Lamberg wagte sich im Jahr 1911 als erste Frau überhaupt auf eine Skisprungschanze. Mit wehendem Rock erreichte die "fliegende Gräfin" eine Weite von 22 Metern.

Architektur

Ein guter Freund Karl Kollers – er soll an der Entwicklung der "Roten Teufel" maßgeblich beteiligt gewesen sein – war der Architekt und Maler Alfons Walde (1891–1958). Er prägte die Stadt nicht nur sportlich, sondern in erster Linie künstlerisch: Seine bekanntesten Werke zeigen die verschneite Winterlandschaft in den Kitzbüheler Alpen und das Dorfleben nach dem Ersten Weltkrieg. Sein Werk ist im "Museum Kitzbühel" in der Altstadt ausgestellt. Im "Berghaus Tirol" am Hahnenkamm, das Walde vor 90 Jahren plante, werden noch heute Tiroler Schmankerl zubereitet.

Einer der Ersten, die den Jetset in den Alpenort brachten, war Edward VII., späterer König von England. Der umtriebige Monarch kam erstmals 1935 zum Skifahren nach Kitzbühel und löste in seiner Heimat einen regelrechten Boom aus. Neben den Briten zog es später auch die süddeutsche Schickeria und den russischen Geldadel in die Gamsstadt. Elena Baturina, reichste Frau Russlands und Ehefrau des ehemaligen Bürgermeisters von Moskau, investierte 2009 mehrere Millionen in ihre zweite Heimat.

Und Karl Koller? Lebt immer noch in Kitz. Er blieb 25 Jahre Chef der Skischule und ist Träger des Tiroler Ehrenzeichens. Im April feiert er seinen 98. Geburtstag.

Der schwarze Blitz aus Kitz

Toni Sailerwurde 1935 in der Gamsstadt geboren und stand als Zweijähriger erstmals auf Skiern. Mit zwölf wurde er Mitglied des Kitzbüheler Skiclubs, später dessen Präsident. 1956 siegte der Filmschauspieler auf der Streif. 53 Jahre später fand er auf dem Friedhof Kitzbühel seine letzte Ruhe.

Die Teilzeit-Einwohnerin

Uschi Glas(72) verliebte sich während Dreharbeiten in den Siebzigerjahren in Kitzbühel. Später kaufte sie eine Wohnung im Zentrum und löste einen Rechtsstreit aus: Weil sie zu wenig Zeit am vermeintlichen Hauptwohnsitz verbrachte, wurde dieser zum „Arbeitswohnsitz“ umgewidmet.

Die jodelnde Promi-Wirtin

Rosi Schipflingerkocht, singt, jodelt und spielt Gitarre – am liebsten alles gleichzeitig. Ihr uriger Berggasthof auf der Sonnalm ist nicht nur am Hahnenkamm-Wochenende ein Treffpunkt der Prominenz. Doch die Wirtin beteuert: „Bei mir ist jeder willkommen, ob prominent oder nicht.“

Der „Kaiser“ von Kitzbühel

Franz Beckenbauer(71) zählt zur kleinen Hautevolee aus München, die Kitzbühel mit ihrer wiederkehrenden Präsenz zum Nobelvorort der bayrischen Hauptstadt geformt haben. Ab und zu erscheint in den lokalen Medien ein Bericht, dass der 72-Jährige ein Haus in Kitz ge- oder verkauft hat.

Der „Ureinwohner“ von der Alm

Hansi Hinterseerwuchs auf der Seidlalm auf, den Schulweg hinunter nach Kitz konnte er oft nur auf Skiern bewältigen. Mit 14 begann seine Karriere als Rennläufer, später wechselte der 62-Jährige in die Volksmusik. „Das Leben auf der Alm hat mich zu dem gemacht, der ich bin“, sagt er heute.

Der Vater des Skisports

Franz Reischlegte den Grundstein für die Sport- stadt: 1892 besorgte er sich Holzbretter und startete erste Skitouren zum Kitzbüheler Horn.
Weil sich immer mehr Gleichgesinnte fanden, gründeten sie 1902 den Kitzbüheler Sportklub.
Der organisiert heute noch die Hahnenkamm-Rennen.

Die Milliardärin aus dem Osten

Elena Baturina(53), reichste Frau Russlands, legte sich 2009 ein Anwesen in Kitzbühel zu, kaufte den Golfclub Eichenheim und steckte 35 Millionen Euro in das Luxushotel Grand Tirolia. Weil der Erfolg hinter den Erwartungen blieb, feuerte sie jüngst das Management und klagte über die Tiroler Bürokratie.