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Kindheit
02/13/2016

"I am Eleven": Wovon Elfjährige träumen

Für die Filmemacherin Geneviève Bailey war das Alter von elf Jahren die beste Zeit. Also fragte sie gleichaltrige Kinder rund um den Globus, wie sie die Welt sehen. So bringt sie Erwachsene dazu, sich an ihre Gefühle von früher zu erinnern. Und wieder so begeistert und jung zu sein wie damals.

von Daniela Davidovits

Mit elf Jahren sind Kinder groß genug, um klar zu denken, und klein genug, um noch zu träumen. Genau an dieses magische Alter erinnert sich Filmemacherin Geneviève Bailey mit Begeisterung: "Als die Welt auf eine gute Art riesengroß war und uns zu Füßen lag." Und sie fragte sich: "Sind die Kinder heute noch immer glücklich und aufgeregt, diese verrückte Welt zu erobern? Haben sie noch immer so viel Spaß wie ich mit elf?" Die junge Dokumentarfilmerin porträtierte elfjährige Kinder in 15 Ländern, "um die Welt durch die Augen jener zu sehen, die sie einmal erben werden". Ihr Film, "I am Eleven" räumte bei Filmfestivals mehrere Preisen ab und wird morgen, Sonntag, erstmals in Wien gezeigt (www.iameleven.com ).

"Sie haben alle dasselbe Alter und das schafft anscheinend ein starkes Gefühl der Verbundenheit – von Indien bis Marokko, Bangkok bis Amsterdam, von der noblen Upper Eastside von Manhattan bis in meine Heimatstadt Melbourne", sagt Bailey über "ihre Kinder".

"Nicht schnell erwachsen"

"Im Jahr 2222 gibt es vielleicht fliegende Autos", lässt etwa Luca aus Deutschland ihrer Fantasie freien Lauf. Die altkluge Grace aus Tschechien hat beschlossen, ihre Kindheit richtig auszukosten: "Ich habe immer zu mir selbst gesagt: Werd’ nicht zu schnell erwachsen".

Remi aus Frankreich wirkt schon sehr reif – und er hat einen Traum: "Ich habe mir immer gewünscht, dass es keine Grenzen gibt, dass die ganze Welt ein Land ist. Dass ich kein Bürger von Frankreich bin, sondern ein Bürger der Welt."

Billy aus England sieht das Leben pragmatischer, erzählt er Filmemacherin Bailey: "Wenn man erwachsen wird, verändert sich deine Stimme, du heiratest die Frau, die du liebst, und bekommst Kinder und Enkelkinder. Und dann – bumm. Alles ist vorbei." Jetzt hat der nachdenkliche Dunkelhaarige ein Hobby aus den 80er-Jahren: "Ich mag nur ‚ Dirty Dancing‘ 1 und 2. Weil sie tolle Tanzschritte haben und außerdem noch Romantik."

Sie wird oft gefragt, wie sie so interessante Kinder gefunden hat, erzählt Bailey: "Logisch wäre gewesen, Schulen zu fragen. Aber ich hatte Angst, die Lehrer würden für mich die Kinder auswählen, die die besten Noten haben oder besonders extrovertiert sind. Also habe ich Leute auf Marktplätzen angesprochen, in Buchhandlungen oder anderen abenteuerlichen Plätzen."

"Als ich elf war"

Die Ideen der Kinder sollen auch Erwachsene zum Denken anregen, wünscht sich die Filmemacherin und lässt ihre Zuschauer aufschreiben, wie es früher war. "Als ich 11 war" – ". . . hatte ich keine Verantwortung und das war toll", ". . . machte ich eine Reise nach Italien und sie öffnete meine Augen für das Reisen" oder ". . . liebte ich es, mit meinen Freunden auf Sommerlager zu fahren".

Nicht alle waren so euphorisch: Der Übergang vom Kind zum Teenager ist nicht ganz einfach. Das zeigen Antworten wie "Ich habe mich gelangweilt" und "Mein bester Freund war ein Staubsauger".

Alice aus Taiwan hingegen erinnert sich begeistert an dieses Alter: "Als ich elf war, hatte ich die beste Zeit und ich verstand den Sinn des Lebens." Heute ist sie ungefähr 15.

Wenn ich 30 bin, möchte ich einen Weltrekord knacken

Nikos Leidenschaft ist das Theaterspielen. Deshalb möchte der Stockerauer später Schauspieler werden – und Computerexperte. "Mit 30 möchte ich in der Nähe meiner Familie wohnen, Geld verdienen, viel reisen und einen Weltrekord knacken." Und er würde gerne einen Teleporter erfinden, "damit man sich schneller von einem Ort zum anderen bewegen kann. Das ist umweltfreundlicher als Autos". Die Umwelt liegt Niko am Herzen. "Ich wünsche mir mehr Pflanzen und Natur. Und es sollen keine Tiere mehr aussterben."

In 20 Jahren, glaubt Niko, "werden wir sicher schon den Mars besiedeln. Vielleicht können wir mit Außerirdischen kommunizieren. Computer werden im Haushalt alles für uns machen. Und man kann Dinos wieder zum Leben erwecken".

Elfjährige haben viel Zeit, die sie mit Freunden verbringen

In die Schule geht Tamar gerne: "In Geschichte lernen wir interessante Sachen, zum Beispiel über das Alte Ägypten." Auch den Zeichenunterricht mag die Wienerin. Später würde sie ihr Hobby gerne zum Beruf machen: "Ich möchte etwas Künstlerisches tun. Ich liebe es zum Beispiel, mit Fimo zu basteln", sagt sie und zeigt stolz eine entzückende Figur aus Knetmasse. Wenn sie etwas erfinden könnte, wäre es "ein Buch, das man alles fragen kann, und ein Stift, der alles schreibt".

Was haben Elfjährige, das Erwachsene nicht haben? "Zeit, die sie mit Freunden verbringen können. Das geht später nicht mehr." Die wichtigste Aufgabe der Menschen sollte es sein, "Kriege zu beenden. Dann müssten die Menschen aus Syrien nicht mehr flüchten und Tausende Kilometer zurückzulegen".

Ich hoffe, dass ein Heilmittel für Krebs gefunden wird

Am liebsten spielt Lea mit ihrer Katze Bella und unternimmt etwas mit ihren Freunden. Später würde die Wienerin gerne in einem Büro arbeiten: "Das macht sicher Spaß und ist gut bezahlt." Fest steht, dass sie auch nach der Schule noch Kontakt zu ihren Freunden haben wird. Wie könnte die Welt aussehen, wenn Lea 30 ist? Die Elfjährige hofft, "dass es Frieden auf der Welt geben wird. Der Krieg in Syrien soll aufhören und es soll keine Hungersnot mehr geben. Außerdem wünsche ich mir für die Zukunft weniger Naturkatastrophen".

Für Krankheiten wie Diabetes oder Krebs sollte schon bald ein Heilmittel gefunden werden, wünscht sich Lea. Sie selbst würde gerne eine Zeitmaschine erfinden. Oder ein Auto, das sicher fährt: "Damit nicht mehr so viele Unfälle passieren."

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