Wenn's "nur" durch Schauspiel beim Publikum in der Nase zu jucken anfängt...

Bunberry oder Ernst sein ist alles
Foto: Volker Waldegg

2. Schüler_innenTheaterTreffen der jungen Burg in Wien

Mit Oscar Wildes bekanntem komödiantischem Verwirrspiel "Bunbery oder Ernst sein ist alles" wurde das 2. Schüler_innenTheaterTreffen der jungen Burg eröffnet. Die Jugendtheatergruppe Peter Pilat aus dem niederösterreichischen Gablitz besetzte konsequent alle weiblichen Rollen mit Burschen und als Spiegelbild als männlichen Rollen mit Mädchen. Das war aber auch schon der wichtigste Witz, ansonsten - teils recht brav - im Stile klassischen Schultheaters mit aufgesetzten klamaukesken Pointen.

Genial

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Dafür am Abend des ersten der vier Tage eine geniale Version von "hikikomori, H. verweigert sich". Mit diesem japanischen Begriff wird das Phänomen bezeichnet, wenn Menschen sich völlig in ihre vier Wände zurückziehen und kaum bis nie mehr hervorkommen. Das junge Trio Gwendolin Barnard, David Valentek und Anna Fallmann aus Schauspielkursen im Grazer Theater am Ortweinplatz (taO) hat unter der Regie von Bea Dermond ein fünfviertelstündiges dichtes, starkes, stark authentisches Stück in der Burgtheater-Außenspielstätte Kasino am Schwarzenbergplatz gespielt.

Voll authentisch

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Der gar erst seit einem Monat 16-jährige Valentek, der den H. darstellt, wirkt voll glaubhaft, überzeugend. Die aus den Improvisationen sich ergebende Entscheidung, das Stück in der Sprache der drei Jugendlichen, mehr oder minder stark steirischem Dialket, verstärkt den Echtheitsfaktor. Und wunderbar grauslich-grindige bildhafte Beschreibungen für den Zustand in H.s Zimmer lassen sogar ansatzweise den entsprechenden "Duft" fühlen - wie Nacktschnekcen in einem Bier, in das noch Tschick reingeworfen werden... die Fortsetzung sei hier gar nicht mehr ausgeführt. Das sich-zurück-ziehen, auf alles zu scheißen und zu kotzen, mit der beschissenen Welt da draußen nix mehr zu tun haben wollen... - all das nimmst du dem Darsteller ab.

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Sensationell aber auch die 18-jährige Anna Fallmann, die die Mutter gibt. Eine Frau, die zum einen mit dem Schicksal hadert, kurz vor dem Studium den Sohn zur Welt gebracht zu haben, dem sie die Schuld an einer Art verpfuschtem Leben, weil nicht Forscherin geworden... und einem Gefühl von Mutterliebe, Verantwortung für den Sohn, den sie mal bittend, mal mit dem Versuch psychischen Drucks, mal lautstark drohend dazu bewegen will, sein selbst gewähltes Gefängnis zu verlassen.

Rosenkind

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Das gelingt auch der sehr einfühlsamen Chatpartnerin "Rosenkind" (Barnard, 17) nicht. In der Kommunikation mit ihr scheint H. manchmal aufzumachen - meist nur für kurze Momente, um danach auch Rosenkind von sich zu stoßen... eine sehr, sehr reife Leistung des Trios, das erzählt, bisher erst acht Mal - "und das auf kleiner Bühne und engem Zuschauerraum, wir wollten, dass die sich fühlen, als würden sie fast in unserem Wohnzimmer sitzen" - nun "zum ersten Mal auf eienr so großen Bühne gespielt zu haben.

(Volker Waldegg) Erstellt am
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