Leben | Kiku 05.12.2011

Von Nicaragua über Berlin nach Hohenems

Illustratorin Barbara Steinitz im Online-Kinder-KURIER-Interview

Schwarze Schattenfiguren und -gegenstände im Vordergrund, weiße Flächen bzw. solche in Sepia (jene gelblich-orange-bräunliche Farbe, die oft vergilbte Fotos symbolisiert). Wenige, aber starke Bilder illustrieren das diesjährige preisgekrönte Kinderbuch "Rosie und der Urgroßvater". Die Illustrationen stammen von Barbara Steinitz.
Die Berliner Künstlerin entwickelte, wie sie dem Kinder-KURIER erzählt, diese Technik in Nicaragua. "Und da gibt's auch einen Österreichbezug. Die Casa de los tres Mundos in Granada wurde von Dietmar Schönherr (einem engagierten Tiroler Schauspieler) gegründet." Dort leitete sie nach ihren Studien in Saarbrücken und Barcelona Kunstkurse und spielte mit Kindern - auch abseits dieses Hauses vor allem am Land, "zum Beispiel in einem Dorf, das nach eine Hurrikan wieder aufgebaut wurde Schattentheater. Die Hütten waren ohne Strom. Mit Kerzen konnte man leicht kleine Schattenbühnen beleuchten." Steinitz begann dann Szenenbilder zu fotografieren, traf die bekannte Schriftstellerin Gioconda Belli.

Die Blume und der Baum

Und wurde - wieder zurück in Deutschland - von dieser eingeladen, das Buch "Die Blume und der Baum" zu illustrieren. Dafür fiel ihr sofort die in Nicaragua für sie entdeckte Form der Schattenbilder ein. "Das musste ich am Anfang erst beim Verlag ein wenig durchboxen". Mit - durchschlagendem - Erfolg.
Dieses Buch entdeckte der Pädagoge Helmut Schlatter vom Jüdischen Museum im Vorarlberger Hohenems zufällig in der Buchhandlung seines kleinen Heimatortes Nenzing. Der war auf der Suche nach Bildern für die Kinder-Dauerausstellung. Dafür hatte das Museum Monika Helfer gebeten, Geschichten zu verfassen, die jüdische Kultur und Geschichte für die jungen Besucher_innen aufbereiten.

Regisseurin

Barbara Steinitz’ Illustration zur Geschichte von Sophie Meyer, die nie gelogen hat
© Bild: BARBARA STEINITZ

Steinitz bekam die Texte, fertigte Bleistiftskizzen und erste Bilder an - und bekam von der Autorin "völlig freie Hand, als Illustratorin bist du auch so etwas wie die Regisseurin eines Films oder Theaterstücks. Jedoch erfolte die historische Recherche für die Bilder in sehr enger Zusammenarbeit mit Helmut Schlatter und Hanno Loewy vom Hohenemser Museum. Ohne sie und das von ihnen gelieferte Bildmaterial hätte ich meine Illustrtionen so nicht erschaffen können."
Für ein Bild überlegt Steinitz eine Szene, schneidet aus schwarzem Fotokarton die Silhouetten aus, stellt die Schattenszene vor transparentem Papier, wie's auch Architekt_innen verwenden, zusammen, beleuchtet die Szenerie von hinten "dadurch ergeben sich gewisse Unschärfen, die einen 3D-Effekt erzeugen" und fotografiert das inszenierte Standbild. "Da mach ich oft 20 bis 50 Fotos mit verschiedenen Lichteinstellungen".
Für das Buch wurden nun einige der Geschichten und Bilder aus der Ausstellung genommen, dazu eine Rahmenhandlung erfunden "und für die hab ich fürs Buchcover ein neues Bild erarbeitet".

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011