Vom Computerspiel auf die (Tanz-)Bühne

Tänzer_innen in "Virtual Insanity"
Foto: Flowmotion

Virtual Insanity: Gelungener Mix aus Tanz, (Schau-)Spiel und digitaler Performance

Die Bühne wirkt wie ein aufgeklappter Laptop. Nur statt der Tastatur sozusagen ein einziges großes Touch-Pad. Von der linken Seite kommt ein Fuß rein, schwebt über dieser Fläche, blitzartig setzt er auf. Das Ding ist tatsächlich berührungssensitiv. Rundum wird's hell. Muster erscheinen. Da sich nun weitere Tänzer_innen auf dieser digital empfindlichen Tanzfläche bewegen ergibt sich nicht nur eine tänzerische Choreografie, sondern auch eine von computergenerierten Grafiken. Soweit eine der Sequenzen von "Virtual Insanity", das nun wieder im Dschungel Wien zu erleben ist.

Social Networks

Tänzer_innen in "Virtual Insanity" Foto: Flowmotion Tänzer_innen in "Virtual Insanity"

Eine andere Passage setzt das Thema plakativer in Szene. "Lasagne, ups, vertippt, du Oage, Party, …" Fetzen aus Facebook-Statusmeldungen tauchen auf Großbild"monitor", der Projektionsfläche im Hintergrund, auf. Immer mehr, immer dichter. Auf dem Boden Symbole dieses sozialen Netzwerks sowie von Skype, YouTube, immer schneller, immer hektischer bewegt sich der einsame Tänzer über die Bühne, immer getriebener. Ohne scheinbaren Ausweg. Bis er den Weg ins Publikum findet. Begegnung mit echten Menschen statt gefangen in der virtuellen (Schein-)Welt.

Shadows

Tänzer_innen in "Virtual Insanity" Foto: Flowmotion Tänzer_innen in "Virtual Insanity"

Ganz anders ein weiterer Teil dieser Performance. So einfach und doch so komplex. Die Tänzer_innen begeben sich hinter eine weiße Leinwand. Von vorne sind nur ihre schwarzen Schatten zu sehen. Ähnlich wie die nun allerorten groß promotete Shadowland-Show "zaubern" sie sich zu Tieren, einer Autofahrt, einer Frau auf einem Felsen usw. als Gemeinschaftsbilder zusammen. Und als ein Piano samt seinem Spieler auftaucht, erklingen auch auf Klavier gespielte Lieder...

Hintergrund

"Virtual Insanity" beschäftigt sich mit den Symbolen, Reizen, Möglichkeiten und Gefahren von Online-Communities und zeitgenössischen Kommunikationsformen. Seit iPhone, Smartphone und ähnlichem sind virtuelle Welten nicht mehr an Computer gebunden sondern ein fixer Teil unseres Alltags. Egal ob in der U-Bahn, in der Schule oder beim Essen im Restaurant - Virtualität ist Teil der Realität.
Abkürzungen wie Smileys, "lol" oder "hdl" sollten digitale Kommunikation vereinfachen und helfen sie zu emotionalisieren. Gleichzeitig haben diese aber auch begonnen unsere tatsächliche Sprache zu beeinflussen und zu verändern. In "Virtual Insanity" geht es um Verhaltensweisen von Communities; um ihre Denkweisen, ihre Lust zu spielen und zu kämpfen; eine Gruppe von jungen Menschen auf der Suche nach Balance; gefangen zwischen Alias-Charakteren und Freundschaft; getrieben von Sehnsucht, Einsamkeit und Neugierde.
Mit jugendlichem Elan zeigen die TänzerInnen das Bild einer Gesellschaft mit ihren Regeln und Riten und analysieren wie das Verhältnis miteinander agierender Menschen durch vorgefertigte Ideenwelten und Vorstellungen bestimmt wird.

Gut vernetzt

Tänzer_innen in "Virtual Insanity" Foto: Flowmotion Tänzer_innen in "Virtual Insanity"

Videos, Animationen - etliche Theaterproduktionen meinen seit ein paar Jahren offenbar, "irgendwie was Multimediales brauchte ma a." so schaut's dann oft auch aus. Andere bauen solche Elemente organisch in ihr Schauspiel ein - als Erweiterung der Perspektive oder Hinzufügen anderer Sichtweisen, oder.. Und dann gibt es - vor allem aus dem Tanzbereich kommend Produktionen, die von vornherein Multimedia mit konzipieren. Und ganz wenige, die umgekehrt genau von diesen ausgehen.. Genau das macht die flowmotion dance company rund um Florian "Flo" Berger.
Für "Virtual Insanity" wurde erstmals eine völlig neue Technik eingesetzt. Bislang mussten für die eingangs beschriebene Szene Bewegungen via Kamera aufgenommen und mit den digitalen Patterns gekoppelt werden. Das erforderte nicht nur einen "längeren" Weg, sondern auch spezielle Lichtverhältnisse. In diesem Fall wurden jedoch zwei knapp über dem Boden montierte Laser links und rechts der Bühne aufgestellt. Jede der tänzerischen Bewegungen werden davon erfasst und an den Rechner geschickt. Diese Daten fließen ein in jenes Rendering-Programm, das die Animationen steuert. So tauchen die Farben, Formen und Muster in Echtzeit auf der Projektions- und Aktionsfläche auf.
Diese Methode kommt, so Martin Zeplichal von ThisPlay, aus der Games-Technologie. In etwa bekannt aus WII und ähnlichen spielchen. Gemeinsam mit der Tanzcompagnie wurde sie hier nun erstmals für Visuals in einem Kunstzusammenhang adaptiert und entwickelt. "Programmiert wurde in der Sprache VVVV, die ideal für Performances geeignet ist, weil sie relativ schnell zu sichtbaren Ergebnissen führt."

Infos

Konzept, Produktion: Florian Berger
Choreografie: Florian Berger mit den Tänzer_innen
Tänzer_innen: Ayberk Esen, Maria Gabler, Paz Katrina Jimenez, Jan Raffael
Löbl, Patric Redl, Ning Teng, Florian Berger
Projektion: Interactive Graphics: Martin Zeplichal (www.tsetse.cc)
Supervisor: Motionlab (www.motionlab.at)
Interaktion: This.Play (www.this-play.com)
Sounddesign: Audiodevice

Wann?
Dienstag, 17. Mai, 19.30 Uhr
Mittwoch, 18. und Donnerstag, 19. Mai, 10 und 19.30 Uhr
Freitag, 20. Mai, 11 Uhr

Wo?
Dschungel Wien
1070, MuseumsQuartier

(kurier) Erstellt am
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