Mit Tanz und Licht zentrales Thema auf die Bühne gebracht: Szenenfoto aus "Anthropozän"

© Dušana Baltić

Licht und Schatten eines neuen Zeitalters
12/17/2015

Licht und Schatten eines neuen Zeitalters

"Anthropozän" - ein schweres Thema mit urbanem Tanz (Hip-Hop-Variationen) und Licht bzw. Schatten assoziativ aufbereitet. Derzeit im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Dunkel. Ziemlich finster ist's auf der Bühne – zu Beginn und am Ende. Dazwischen Lichtspiele. Aber nicht um ihrer selbst willen. Das Licht, die Lichter, manchmal einzelne Lampen, manchmal Lichterketten, bunte Röhren steht für so ziemlich alles, alle Ressourcen des Planeten.

Tanz ist ihre Lebensart

Kurz nach Beginn des Stücks, das derzeit im Dschungel Wien (siehe Infos) zu erleben ist, tauchen sieben Gestalten in dieser Dunkelheit auf, mit Taschenlampen leuchten sie verschiedenste Ecken, Winkel, Seiten aus. Wie Höhlenforscher_innen beginnen sie die Bühne, die für eine Stunde sozusagen die ganze Erde symbolisiert, zu erforschen. Sie entdecken eine Lampe, die ein wenig wie eine Feuerstelle wirkt, zu gruppieren, tanzen, bewegen – mit Händen, mit den ganzen Körpern. Das ist ihre Fortbewegungs-, nein sogar Lebensart.

So ziemlich alle Stile des Hip-Hop wie Breaking, Locking, Popping, Freestyle und noch manch andere, in den vergangenen Jahren eher als urban dance neu bezeichnet zusammengefasst spielt sich an verschiedensten Ecken und Enden der Bühne ab, mal einzeln, immer erst durch einen Lichtspot sichtbar gemacht, mal in kleineren, mal in der ganzen Gruppe. Mal mit-, dann wieder gegeneinander. Atemberaubende Bewegungen, die auch nach fast einer Stunde noch so wirken, als wären die Protagonist_innen alle erst frisch auf die Bühne gekommen. Neben dem Lob der Tänzer_innen braucht's bei dieser Produktion auch ein hervorragendes Zusammenspiel mit der Lichttechnik, denn Tanz – Sprung – Licht an, das muss auf den Bruchteil einer Sekunde jedes Mal passen.

Neues Zeitalter

Aus Graz, Dornbirn, Innsbruck und viele aus Salzburg tanzen sie in eigenen Crews, haben sich aber zusätzlich zu einer Company zusammengefunden, die gemeinsam engagierte Projekte entwickelt. Hungry Sharks, die hungrigen Hai nennen sie sich. Ausgangspunkt für Anthropozän war das neue Zeitalter, das zwar schon vor mehr als 140 Jahren erstmals von einem italienischen Geologen konstatiert wurde, sich aber besonders im neuen Jahrtausend manifestiert. Hatten zuvor die Naturgegebenheiten auch das menschliche Dasein bestimmt, verändert die Menschheit heute immer mehr – Stichworte Klimawandel und Artensterben – den Planeten.

Nichts weniger als das – so das Anliegen der sieben Tänzer_innen – sollte auf die Bühne. Und ihre Ausdrucksform, der Tanz, ist prädestiniert dafür, es nicht zu lehren, gar mit dem Zeigefinger - „tut's schön brav Müll trennen und nicht zu viel Fleisch essen...“ - vermitteln zu wollen. Hier muss es künstlerisch transformiert Bilder in den Köpfen der Zuschauer_innen zeichnen, Assoziationsketten auslösen...

Aufstieg und Fall

Nach dem wenigen Licht und Spots zu Beginn, schafft sich das Septett durch mehr und heftigeren Tanz mehr Licht, eben ganze Ketten und bunte Röhren. Im Streben nach immer mehr, beginnt einer viel für sich anzuhäufen, die anderen sechs stehen im Dunklen, beginnen mit ihm um seine Reichtümer zu kämpfen, aber stets einzeln. Kampf gegeneinander, es bilden sich Gruppen, die einzelne bis zur Vernichtung bekämpfen, mit Leuchtstoffröhren, ja fast Schwertern, niederzustrecken, in einem Fall sogar mit zwei Röhren als Art Kreuz.

Kein Happy End. Dunkelheit.

Und die spornt doch vielleicht eher an, sich „sch...“ zu denken, weiter zu spinnen, vielleicht auch was zu tun, als hätte das Stück ein lichtvolles Ende.

AnthropozänHungry SharksEin urbanes Tanzstück über den Einfluss des Menschen auf die ErdeAb 13 J.; ca. 60 Minuten

Künstlerische Leitung, Choreografie, Musikschnitt: Valentin „Knuffelbunt“ Alfery Tanz: Farah Deen, Valentin „Knuffelbunt“ Alfery, Patrick Gutensohn, Franz Günter Moser-Kindler, Manuel Pölzl, Moritz Steinwender, Tarek Tillian Dramaturgie, Coaching: Aslı Kışlal choreografische Assistenz: Franz Günter Moser-Kindler Licht: Joe Albrecht Produktionsleitung, Artwork, PR: Dušana Baltić

Wann & wo? 18. Dezember; 7./8. Jänner 2016 Dschungel Wien 1070, MuseumsQuartier Telefon: (01) 522 07 20-20www.dschungelwien.at

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