© Heinz Wagner

Junge Flüchtlinge
04/22/2014

"Endlich können wir lernen"

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor allem aus Syrien und Afghanistan in Wohnheim des Samariterbundes

von Heinz Wagner

Ein bissi schwer war Deutsch am Anfang schon“, meint Raman D. zum KURIER. Aber offenbar nur ein bisschen. Denn so wie seine Kollegen im Wohnheim in der Meidlinger Kerschensteinergasse spricht er nach wenigen Monaten in Österreich diese Sprache sensationell gut. Seit sieben Monaten lebt er nun hier in Frieden – nach einer Flucht aus Qamischli im Bürgerkriegsland Syrien. Der Vater – hier versagt ihm die Stimme und er deutet nur mit der Hand quer zum Hals – ist bei Kämpfen ums Leben gekommen, zwei Brüder und die Mutter flüchteten auf dem Landweg in die Türkei, er selbst mit einem der übervollen Boote übers Mittelmeer. Obwohl er täglich den Deutschkurs besucht, will er viel mehr – lernen. „Ich möchte gern in die Schule gehen! Bin aber schon 16 und da ist keine Schulpflicht mehr.“

Sprachen aufsaugen

Anfangs noch ein wenig schüchtern – immerhin ist es ihre erste Pressekonferenz – tauen Mudaser I. und Ali Akbar N. auf. Die beiden, ebenfalls allein geflüchtet, kommen aus Afghanistan, sprechen mit Dari und Paschtu, die zwei Amtssprachen ihres Geburtslandes. Unterwegs haben sie – wie viele andere der insgesamt 30 „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ in diesem vom Samariterbund betreuten ehemaligen ÖBB-Personalwohnheim Sprachen wie Schwämme aufgesogen. Nasmudin Malhi aus Pakistan, der seit vier Monaten hier lebt, verbrachte einige Monate auf seiner Flucht in Ungarn, redete ein paar Sätze Ungarisch, ein anderer afghanischer und ein algerischer Flüchtling unterhielten sich anfangs auf Griechisch, weil das nach der ersten europäischen Fluchtstation die erste Sprache war, die sie gemeinsam hatten.

Endlich lernen!

Mudaser I. besucht seit vier Monaten den Deutschkurs, Ali Akbar N. seit sechs Monaten. Beide waren jeweils rund ein Jahr unter abenteuerlichsten Bedingungen unterwegs bevor sie in Österreich landeten. „Hier ist es jetzt fast so, wie ich es mir als Kind immer geträumt habe“, meint Ali Akbar N.: „Du kannst in Frieden leben und lernen!“ Sein Wunschtraum: „Ich möchte Chirurg werden.“

Weg ins Leben

Neben dem Deutschkurs genießen sie auch die Begegnung mit den freiwilligen Lernbetreuerinnen der Kinderfreunde. Die kommen einmal in der Woche, immer am Donnerstag Nachmittag. „17 Mal war ich schon da“, freut sich Antonia F.. Einige ihrer Kolleginnen waren Lehrerinnen, sie selber Sozialarbeiterin, hat nebenher aber immer schon auch in ihrer Berufszeit zusätzlich ehrenamtlich gearbeitet.
Neben den professionellen Betreuungspersonen aus den Bereichen Sozialpädagogik, Psychologie und Sozialarbeit sind die Lernbetreuerinnen auch Vertrauenspersonen geworden. Diese Helferinnen ebnen den Burschen, die Familie, Heimat, ganz viel Vertrauen verloren haben und oft schwer traumatisiert sind, den Weg (zurück) in ein halbwegs normales Leben. Damit ermöglichen sie den Jugendlichen mitunter sogar erstmals so etwas wie Kindheit oder Jugend, die sie in ihrem bisherigen Leben nicht kennen lernen durften.

Ressourcen besser nutzen

„In erster Linie schauen wir, wo wir die einzelnen Jugendlichen abholen müssen – die einen lernen erst unsere Schrift, die anderen sind schon fast hochschulreif. Alle sind aber jedenfalls jedenfalls sehr engagiert und interessiert“ weiß Antonia F. aus den Begegnungen seit November des Vorjahres. „Schade ist nur, dass Österreich diese Ressourcen nicht mehr nutzt und die Jugendlichen, die schon 16 sind, nicht gleich in die Schule gehen lässt.“

Mehr Infos über die Flüchtlinge im Wohnheim des Samariterbundes

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