Kiku 05.12.2011

Tolle, teils witzige Tanzperformances

© Bild: Denise Hebenstreit

Gelungene Abschluss-Präsentationen der zeitgenössischen Tanzpädagogik des Wiener Konservatoriums: "Perspektivenwechsel". Noch heute zu sehen!

Ein Trompeter, eine Saxophonistin, Ein Gitarrist - quer über die große, leere Bühne verteilt musizieren so vor sich hin, irgendwo noch Tänzerinnen und Tänzer, die scheinbar jede/jeder für sich vor sich hin Bewegungen vollführen. Schön langsam füllen sich auch die Publikumsreihen im Rysanek-Saal des Konservatorium in der Wiener Johannesgasse. Plötzlich wird die Tür zugeklescht. Ein Mann schreitet eilenden Schritts herein, auf die Bühne, nimmt Platz auf einem Cachon und vor einer Conga. Gibt nun den Ton an. Die entspannt-lockere, reie-kreativ-improvisierende Stimmung ist wie weggeblasen. Strenge, klare, Bewegungen folgen. Alle i einer Reihe aufgestellt. Jede/r nennt Herkunft in der dazugehörigen Sprache, ob Litauisch oder Waldviertlerisch und dazu das eigene künstlerische Vermögen. Achja, davor noch eine Nummer - es wird eine Casting-Show persifliert, in der variierten Wiederholung beginnt Kreativität erneut Einzug zu halten - "Look at me, I'm almost famous!" nennen die Beteiligten die Performance. Es ist einer von fast zwei Dutzend kleinen Tanz-Musik-Auftritten von Studierenden verschiedener Jahrgänge der Tanzpädagogik-Ausbildung am Konservatorium - ein rund zweieinhalbstündiger Abend, dessen Genuss zu empfehlen ist - am Freitag, 1. Juli kann dies nochmals erfolgen.

Viel Witz

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© Bild: Denise Hebenstreit

Viele der Performances leben nicht nur von den gekonnten, meisterhaften, teils akrobatischen Bewegungen und der - teils selbst komponierten - Musik, sondern auch von ziemlic viel Witz. So beginnt Gerlinde Roidinger ihr Solo "perfekt unvollständig" einfach mit einem choreografierten Hin- und herrücken dreier Zeitschriften und einer Getränkeflasche auf einem kleinen Tischchen, bevor sie aufsteht und an sich selber und ihrer Kleidung so lange herumzupft, -rückt und -schiebt bis sie sogar eher unordentlich ausschaut.
Herrlichauch Rino Indionos zeitlupen-langsames Werden und Wachsen obendrein als menschliche Projektionsfläche einer Videoanimation zu eigenkomponierter elektronischer Musik (Daniel Hofstätter) in "Growth".

Gang.Art

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© Bild: Denise Hebenstreit

Den Einfluss unterschiedlichen Schuhwerks auf die Bewegung demonstrieren wunderbar Anna Grüssinger, Carina Herbst, Yutong Ji und Miriam Schmid in Gang.Art (übrigens erst aus dem ersten Jahrgang!).
Sehr spannend auch "curve of a straight line", einer Improvisation ebenfalls aus dem ersten Jahrgang. Akino distelberger, Carmen Pratzner, Christian Margol, Future Sibanda, Klara Pramesberger und Rene Frießacher lassen dabei durch eher sehr dosierte Bewegungen ihre Schatten an der Wand tanzen.

Infos
Perspektivenwechsel, Klassenabend des Studiengangs Zeitgenössische Tanzpädagogik, 1.-3. Jahrgang
1. Juli, 19.30 Uhr
Konservatorium Wien, Johannes gasse 41, Leonie-Rysanek-Saal

Erstellt am 05.12.2011