© Kerstin Kurz

Kiku
06/23/2015

"So haben wir dich nicht erzogen...!"

Wiener Lehrlinge erarbeiteten mit "forever young" ein Stück zum Drama-Bewerb "für immer Peter Pan"

Wendy ist 17, verträumt und verspielt. Ihre Eltern betreiben ein Unternehmen und haben für ihre älteste Tochter die spätere Übernahme desselben vorgesehen. Sie schleudern Wendy „Du kannst nicht immer nur spielen!“, „Wir wollen ja nur dein Bestes!“ und ähnliche nur allzu schlecht bekannten Phrasen an den Kopf. Und karikieren sie selbst mit dem Ausbruch: „So haben wir dich doch nicht erzogen. Du bist schon genauso wie deine Mutter!“.

Je mehr davon sie übergebraten kriegt, desto stärker zieht sich Wendy zurück. Sie erfindet sich einen eigenen Freund, der sie so mag wie sie ist, sich vielleicht sogar noch mehr Spiele und Streiche ausdenkt: Peter Pan.

Eines Tages, von der Mutter ins Gebet genommen, bricht es aus ihr heraus: „Immer geht es ja nur um euch. Um mich geht es euch doch gar nicht wirklich. Ich will doch nur glücklich sein!“

Verliebt, oder...?!

Irgendwann unternimmt sie doch einen Versuch, Peter Pan zu vergessen, erwachsen zu werden. Noch immer zurückgezogen, interessiert sich ein neuer Mitschüler ausgerechnet für sie und nicht für all die anderen Mädels, die ihn anhimmeln. Es funkt. Erstes Date. Da taucht unter dem Tisch Peter Pan auf. Zurück in die Kindheit. Abfuhr für Daniel, den Neuen.

Doch mittlerweile muss sie nicht, nein Wendy will jetzt knapp vor ihrem 18. Geburtstag erwachsen werden, verabschiedet sich von Peter Pan, entschuldigt sich bei Tobias, der ihr natürlich verzeiht. Party, Happy End...

Ausgehend vom diesjährigen Motto des Nachwuchswettbewerbs des Theaters Drachengasse, der unter dem Motto „Für immer Peter Pan“ stand, erarbeiteten die 16 Jugendlichen der Berufsschule für Verwaltungsberufe in der Wiener Embelgasse ein eigenes Stück und nannten es „Forever Young oder alles hat seine Zeit“.

Theaterfunke

Besiana Feraj, die sich die Grundgeschichte ausdachte, erzählt dem KiKu, dass sie spontan diese Idee hatte, Wendy ins Zentrum der Geschichte zu rücken. Zum einen sollte sie in der heutigen Zeit leben und wie das Stück letztlich zeigt, Probleme mit ihren Eltern, dem Loslassen der Kindheit haben und eine Liebesgeschichte sollte auch rein. Zum anderen sollte sie es sein, die für sich den Peter Pan erfindet.

Von dieser Grundgeschichte ausgehend, „haben dann alle in der Klasse an einzelnen Szenen gearbeitet, gemeinsam diskutiert, was genau passieren soll, die Texte dann geschrieben...“

Sie selbst, so gesteht sie, sei früher nur eher widerwillig ins Theater gegangen, „mit der Schule, wenn ich musste“. Durch dieses Projekt aber „siehst du, wieviel Arbeit da dahinter steckt, dass alles live ist und immer was schief gehen kann. Dass du drauf achten musst, wie du das, was du sagen willst auch so rüber bringst, dass es genau so beim Publikum ankommt...“ Besiana Feraj ist „zwar nicht zum Theaterfreak geworden, aber begeistert bin ich jetzt schon“.

Krönender Abschluss

Jessica Angelina Kop spielt die Wendy – und das sehr authentisch. „Eigentlich wollte ich erst gar nichts und schon gar nicht so eine große Rolle spielen, aber dann ist die Mitschülerin, die die Wendy spielen sollte, ausgefallen. Für mich war’s aber nicht ganz neu, weil ich aus einer musikalischen und theatralen Familie komme. Ganz anders für Jenny Eichinger, eine der Mitschülerinnen in der Klassen-Szene. „Für mich war’s aufregend, ganz neu, sehr anstrengend, es hat aber auch sehr viel Spaß gemacht“, fasst sie die neuen Erfahrungen für den Kinder-KURIER zusammen. Das „Anstrengende“ führt sie so näher aus: „Es steckt eigentlich viel mehr Arbeit dahinter, als man als Zuschauerin oder Zuschauer merkt. Es ist doch eine ernsthafte Arbeit“. Und den Spaß bedeutete für sie „vor allem das Zusammenarbeiten im Team und gemeinsam immer wieder lachen können“.

Während einige wohl bedauern, nach der vielen Arbeit und den Proben nur eine einzige Aufführung spielen zu dürfen, finden die beiden zuletzt genannten Mitwirkenden: „Dafür ist es aber so etwas wie ein krönender Abschluss, die einzige Live-Aufführung!“

Forever young alles hat seine Zeit
Koproduktion Theater Drachengasse und 1d der Berufsschule für Verwaltungsberufe Wien 1050 Embelgasse

Künstlerische Leitung: Sandra Schüddekopf / Regisseurin
Mitwirkende Schüler_innen der 1d der Berufsschule für Verwaltungsberufe Embelgasse:

Text: Alle Schüler_innen
Erzählerin: Chiara Malecek
Wendy: Jessica Angelina Kop
Peter: Jannine Roth
Tobias: Patrick Keplinger
Vater Charlie: Johannes Wiener
Mutter Marie Jane: Nadine Lang
Mitschüler_innen: Bonnie Denise Osterritter, Jennifer Eichinger
Kellnerin: Nadine Edling

Lehrerin Grün: Ingrid Schwarz

Regieassistenz: Besiana Feraj
Musik/Umbauten: Markus Bockberger, Lei Yu
Kostüme, Maske,
Requisite: Bonnie Denise Osterritter, Jenny Eichinger, Nadine Edling
Fotos: Kerstin Kurz
Programmheft: Reneé-Dominique Freund, Kerstin Kurz
Plakatwand: Marina Aćimović, Markus Bockberger, Nadine Edling, Lisa Erdely, Reneé-Dominique Freund, Lei Yu
Arbeitsprotokoll: Johannes Wiener
Kontaktperson zu
Förderstellen: Jessica Angelina Kop

Projektleitung/Projektorganisation: Ingrid Schwarz (BS f. Verwaltungsberufe),
Kathrin Kukelka-Lebisch (Kulturvermittlerin Theater Drachengasse)

Workshop/Auftrittstraining/Präsentation: Anita Zieher / Schauspielerin

www.bs-wien.at

www.drachengasse.at