Szenenfoto aus "Wenn die Ziege schwimmen lernt"

© Christian Herzenberger

Theater des Kindes
10/21/2016

Sollen wirklich alle das Gleiche können müssen?

Plädoyer für Förderung von Stärken in der Schule im Stück „Wenn die Ziege schwimmen lernt“ im Linzer des Theater des Kindes.

von Heinz Wagner

Alle Kinder freuen sich auf den Schulanfang. Eeeendliiiich ist es so weit! Und noch immer wird leider so manchen gerade dort die vorhandene Wissbegierde, Neugier, die Lust, Neues lernen zu wollen, abgewöhnt. Vom „Frag nicht so viel!“ über „was hast du da gezeichnet, so schaut aber kein Geist aus!“ bis dahin, dass immer alle das Gleiche lernen müssen und reicht der Bogen des Vermiesens. Gekrönt von allzu vielen, die den Schulbeginn noch immer mit der mehr als überflüssigen Floskel „jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ beschreiben.

Schule der Tiere

So manche Versionen einer „Schule der Tiere“ bringen den Kern des verunfallten Schulbeginns auf den Punkt. Eine findet sich unter dem Titel „Wenn die Ziege schwimmen lernt“ in einem Bilderbuch (von Nele Moost und Pieter Kunstreich). Das Linzer Theater des Kindes hat diese Geschichte aufgegriffen und daraus ein sehr rundes, witziges Stück für Menschen ab 3 Jahren gemacht – mit so manchen Wortspielen, die sich an die Lach- oder Schmunzel-muskeln der erwachsenen Begleitpersonen richten.

Ziege, Elefant, Schnecke, Pferd, Hund, Löwe, Ente und noch so manche andere Tiere – meist mit ganz spärlichen Mitteln meisterhaft vom Bühnenduo Simone Neumayr und Matthias Hacker abwechselnd dargestellt – finden sich am ersten Schultag ein. Freude pur! Und dann kommt’s dick: Die kletterfreudige Ziege muss mit dem Lehrer Pinguin schwimmen lernen, das Pferd klettern und den Elefanten vergattert Lehrerin Eule zum Fliegen. Die Ameise – die durch die Fantasie der Darsteller_innen – und der Zuschauer_innen zum „Leben“ erweckt wird, wird nur kurz für ihre Fähigkeit schwere Dinge schleppen zu können bewundert, soll aber nun schwimmen lernen, denn „es gibt keine Noten für Sachen durch die Gegend schleppen“.

Kein Ponyhof & Co...

Begleit„musik“ sind dann so bekannte Sprüche wie, „Schule ist eben kein Zuckerschlecken“ oder auch „kein Ponyhof“ mit Verdonnerung zur Nachhilfe. Ein Misserfolgserlebnis nach dem anderen führt dann dazu, dass die Tiere wegen der Anstrengung bei den Dingen, die sie gar nicht können (können), auch ihre eigenen Stärken vernachlässigen. Pferd und Elefant werden nun auch beim Laufen langsamer, aller verlieren überhaupt so ziemlich die Lust am Lernen.

Erst als die beiden Lehrenden frustriert aufgeben, weil ihre Schüler_innen so gar nichts annehmen wollen, was sie ihnen beibringen wollen, und die Tierkinder endlich wieder frei agieren können, gewinnen sie die Lust am Lernen wieder. Das checken auch – im Gegensatz zum Buch – die beiden Pädagog_innen und kommen zurück und haben begriffen, was ihnen die Schüler_innen verklickern: „Wenn jemand sagt, du machst das gut, dann gibt das Mut!“

Wenn die Ziege schwimmen lernt
nach dem Bilderbuch von Nele Moost und Pieter Kunstreich

Stück und Regie: John F. Kutil
Ziege, Giraffe, Pferd,Eisbärin, Nilpferd, Störchin, Ente, Lehrerin Eule: Simone Neumayr
Löwe, Fuchs, Känguru, Fisch, Wildschwein, Elefant, Eichhörnchen, Raupe, Lehrer Affe, Lehrer Pinguin: Matthias Hacker

Ausstattung: Michaela Mandel
Musik: David Wagner
Licht: Franz Flieger Stögner
Regieassistentin: Gerti Tröbinger
Vorstellungstechnik: Franz Flieger Stögner / Sigird Nagele/Harald Bodingbauer/Philipp Jungmair

Wann & wo?
Bis 19. November 2016
Theater des Kindes
4020 Linz, Langgasse 13
www.theater-des-kindes.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.