
© Rita Newman
Sympathie für den Bösen
„Der talentierte Mr. Ripley“ von Krimi-Spitzenautorin Patricia Highsmith in einer Inszenierung im Theater der Jugend in Wien.
Obwohl wir’s vordergründig lieber hätten, dass immer das Gute siegt, sind wir doch nicht selten von bösen Hauptfiguren fasziniert. Lehnen zwar – danach befragt oder selber auch nur kurz nachdenkend – ihre Handlungen ab, fiebern aber dennoch mit, ob sie’s letztlich schaffen, durchzukommen. Das Happy End ist dann nicht, dass der Intrigant, Betrüger, Mörder hinter Gitter kommt, sondern sich durchschwindelt – oder US-Präsident wird – wie in der Serie „House of Cards“. Oder in „Der talentierte Mr. Ripley“, das in einer eigenen Version kürzlich vielumjubelte Premiere in der kleineren Spielstätte des Theaters der Jugend in Wien (Theater im Zentrum) feierte.
Auch wenn das Schlüpfen in eine andere Identität vielleicht an Facebook & Co. erinnern möge, die Geschichte ist mehr als 60 Jahre alt. 1954 verfasste die Krimi-Autorin Patricia Highsmith den Roman, der so beliebt wurde, dass sie die Hauptfigur in einer Reihe weiterer ihrer Bücher weiter spielen ließ.
Die Grundstory

Wandelbarer Raum

Komplizen-Suche

Doch ganz lässt die Inszenierung das Publikum nicht in das Lager des bösen driften. Als er Dickies Freundin Marge gegen Ende in den Wahnsinn zu treiben versucht, verspielt er doch einiges an Sympathie. Immerhin!
Was sonst noch – neben einer starken Leistung aller Ensemble-Mitglieder und dem wunderbar wandelbaren Raum samt Licht, Videos und Musik – anzumerken bleibt: Es schadet den ganzen zwei spannenden Stunden nicht im geringsten, dass das Stück zur Zeit des Romans – ganz ohne Handys, mit Schiff-Überfahrt statt Flug usw. – angesiedelt ist ;)
Was? Wer? Wann? Wo?

von Patricia Highsmith
Theater der Jugend/Wien
in einer Fassung von Thomas Birkmeir
Ab 13 J., 2 Stunden
Tom Ripley Jakob Elsenwenger
Richard Greenleaf Julian Schneider
Marge Sherwood /
Signora Buffi Ursula Anna Baumgartner
Freddie Miles Uwe Dreysel
Tenente Roverini Frank Engelhardt
Herbert Greenleaf Uwe Achilles
Regie Thomas Birkmeir
Bühne Goda Palekaitė
Kostüme Susanne Özpınar
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Licht Fritz Gmoser
Assistenz/
Teilinspizienz Felix Metzner
Teilinspizienz Florian Pilz
Hospitanz Gregor Schmidinger
Aufführungsrechte Diogenes Verlag AG Zürich
