Kiku
01.04.2017

Was ist schon Liebe gegen Haben?!

„Wuthering Heigts – Sturmhöhe“ ein Theater-der-Jugend-Stück nach dem Roman von Emily Brontë verströmt Gefühlskälte pur auf der Bühne.

Gut gegen Böse – sehr verkürzt gesagt/geschrieben, lassen sich darauf viele Romane, Theaterstücke, Filme, Serien ... zusammenfassen. „Wuthering HeigtsSturmhöhe“ ist anders. Hier gibt’s praktisch nur Böse. Im Roman, dem einzigen von Emily Brontë und der verdichteten Fassung des Theater-der-Jugend-Direktors Thomas Birkmeir.

Von den zwei möglicherweise Guten – wir wissen zu wenig über sie – stirbt der eine bald, der andere ist laaaangweilig. Die Spannung ergibt sich aus dem Gegeneinander der Bösen von denen die meisten unter dem Banner der Liebe agieren. Doch stets ist das, was sie den anderen gegenüber als Liebe ausgeben, immer nur die Liebe zu sich selbst. Lauter Ich-AG sozusagen.

Haben zählt mehr als Menschenwürde

Geschenke! Geschenke!... rufen die Kinder als der Vater Earnshaw nach Hause auf den Hof von Wuthering Heigts kommt. Stattdessen bringt er einen ausgemergelten in Lumpen gehüllten Buben mit. Der eigene Sohn Hindley, enttäuscht die versprochene Geige nicht gekriegt zu haben, bespuckt den fremden Jungen. Die Tochter Cathy hingegen freundet sich mit ihm, den der Vater nach einem verstorbenen Sohn Heathcliff nennt, an – allerdings betrachtet sie ihn erst eher als so etwas wie ein lebendiges Spielzeug.

Später, als beide heranwachsen und sich ineinander verlieben – in der stürmischen Einöde laufen ihnen aber auch kaum andere Menschen über den Weg – entpuppt sich das was sie als Liebe bezeichnen, mehr als die/den anderen besitzen wollen. Und Leidenschaft entblößt sich eher als Gier.

Lieber reich als geliebt

Cathys Bruder, mittlerweile Erbe des Hofs, verbannt den vom Vater aufgenommenen Waisenbuben in den Schweinestall. Sollte die Schwester weiterhin auf Heathcliff stehen, würde er beide verbannen. Und so nimmt Cathy das Angebot des Nachbarn, des einzigen, der in den zwei Stunden nie wirklich bös, dafür sehr fadisierend, wirkt, an und heiratet ihn. Lieber reich verheiratet als mit dem Geliebten arm durch die Welt ziehend. Noch dazu wo die Liebe ja eher auf Besitzdenken basiert.

Und so zieht der einst vom Vater aufgenommene Jungen – in dieser Fassung eines Flüchtlings, der’s übers Mittelmeer geschafft hat – hinaus in die weite Welt. Um als gemachter Mann zurückzukommen, der den herabgewirtschafteten Hof gekauft hat und nun Rache übt – den versoffenen einstigen Hof-Erben in den Schweinestall verbannt und Cathy, mit der er in inniger Hassliebe verbunden ist, nicht in Ruhe lässt.

Hass als Liebe getarnt

In ihrer scheinbaren Liebe quälen sich die Beteiligten gegenseitig – aber auch sich selbst. Gefühlskälte durchzieht die zwei Theaterstunden auf einer schrägen Ebene. Die Drehbühne wird somit manchmal zum hoch erhabenen Anwesen von wo aus auf die anderen herabgeschaut wird und dann wieder zum Loch, in das Beteiligte fallen. Das stärkste Gefühl ist Hass, selbst wenn sie sich als Liebe tarnt – das transportieren vor allem Luka Dimić als Hheathcliff als auch Felicitas Franz als Catherine Earnshaw schüttelfröstelnd. Erwähnenswert jedenfalls noch Florian Stohr als Diener Joseph, der so manch Scheinheiligkeit entlarvt, wenn er von anderen unausgesprochene Dinge drastisch anspricht.

Fantastisch, dass kein Zeigefinger auftaucht, der besagt: So sollt ihr ja nicht handeln. Das vermittelt sich durchs Spiel der Figuren ganz von allein.

Was? Wer? Wann? Wo?

Wuthering Heights – Sturmhöhenach Emily Brontëvon Thomas Birkmeirca. 2 Stunden, ab 13 Jahren

Heathcliff: Luka Dimić Catherine Earnshaw: Felicitas Franz Nelly Dean: Elisabeth Findeis Joseph: Florian Stohr Hindley Earnshaw: Pascal Groß Edgar Linton: Jürgen Heigl Isabelle Linton: Aline-Sarah Kunisch In weiteren Rollen: Ensemble

Regie: Thomas Birkmeir Bühne: Vanessa Achilles-Broutin Kostüme: Irmgard Kersting Videogestaltung: Felix Metzner Dramaturgie: Markus Emil Felkel Licht: Christian Holemy Assistenz/Inspizienz: Felix Metzner Hospitanz: Julia Philomena Baschiera Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Wann & wo? Bis 28. April 2017 Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36 Telefon: (01) 521 10-0http://www.tdj.at

... blickt hinter die Kulissen

Update 27. März 2017, 16.10 Uhr: Neuer Eintrag der Bloggerin - Link siehe unten

Mary-Jane Fritsch schnitzt an einen großen rosa Schaumgummi-Teil. Hinter ihr am Fensterkreuz hängt ein aus eben diesem Material geschnitzter Frauenkörper mit zwei angeklebten Armen. Ein Bein liegt auf dem Arbeitstisch, das hat sie schon auf die richtigen Maße gebracht. Die entsprechen der Hauptdarstellerin des nächsten Stücks im Wiener Theater der Jugend „ Wuthering Heights – Sturmhöhe“ nach dem Roman von Emily Brontë. Auf seiner Homepage beschreibt das TdJ Roman und Stück als „eine Art Gegenentwurf zu Shakespeares „Romeo und Julia“ - Schattenseiten der Liebe, wann Romantik umschlagen kann in Eigennutz, Eifersucht und Besitzgier“.

Felicitas Franz spielt Catherine Earnshaw und wurde genau vermessen. In einer Szene kommt sie als Leiche vor und die soll ihr täuschend ähnlich sehen. Kopf, Gesicht und Hände wurden aus Silikon hergestellt und gleichen ihr, was in den Räumen der Requisite schon ein wenig spooky wirkt.

Junge Bloggerin

Mehr sei hier nicht verraten, dieser Beitrag soll sich auch gar nicht um die Requisite drehen, sondern vielmehr um die 19-jährige Elena Zohmann. Sie begleitet das genannte Stück in vielen seiner Entstehungsphasen. Wobei sie in ihrem ersten Eintrag eben auch einschränkt: „Natürlich werde ich versuchen, nicht so viel von der Geschichte zu spoilern. Sonst wär’s ja nicht mehr spannend, was die Schauspieler/innen ab 28.März auf der Bühne tun. Aber dafür kann ich euch mit Interviews, Berichten, Fotos und kurzen Videos aus Proberäumen, Werkstätten, Maske, etc. versorgen...“

Zohmann besucht in der HTL Spengergasse den Zweig Mediendesign und Animation. Als Maturantin kann sie nicht gerade über zu wenig Stress klagen. Zum Ausgleich besucht sie die unverbindliche Übung Schwertkampf wohin sie nach der Recherche in der Requisiten-Abteilung zischt. Vor wenigen Wochen meldete sie sich im Theater der Jugend, outete sich als Theaterbegeisterte, die obendrein mit ihrem fachlichen digitalen Know-How etwas beitragen wolle, um diese analoge Kunstform mehr Jugendlichen schmackhaft zu machen. Und so kam es dazu, dass Elena Zohmann vor wenigen Tagen auch der Requisten-Abteilung einen Besuch abstattete. Dabei durfte der Kinder-KURIER sie begleiten, ihr über die Schulter schauen – und eben auch Blicke auf das Geschehen auf diesen Tischen werfen. Irgendwo steht eine Schale, ganz dünn, außen gesprenkelt. „Das ist ein Vogelnest – aus Strudelteig“, erklären die junge Requisiten-Leiterin und ihre beiden Kolleginnen Lisa Hörzinger und Silke Staubmann.

Erst Angst, später Begeisterung

Also, nun zur Bloggerin. Ihre allerersten Theatererlebnisse hätten das Kommende gar nicht vermuten lassen. Diese und verkleidete Leute „haben mir total Angst gemacht“, erinnert sie sich noch heute an die erschreckenden Gefühle. Dafür brachte die Volksschule und die Frage, ob sie ins Theater der Jugend gehen wolle, die Wende. „Freundinnen und Freunde haben schon zugesagt und so wollt ich auch gehen. Und an das erste Stück, das ich gesehen habe -Konrad oder Das Kind aus der Konservendosevon Christine Nöstlinger (Saison 2004/05) – hat mir extrem gut gefallen.“

Die Liebe zum Theater keimte da nicht nur in der Rolle der Zuschauerin auf, „ich hab dann in der Volksschulzeit zuerst mit der Musikschule Flöte und dann in der 3. und 4. Klasse auch bei kurzen Stücken mitgespielt, im ersten Jahr eine kleinere und im Jahr darauf schon eine Hauptrolle. Und obwohl ich zuerst gesagt habe, aber nur wenn's kein Musical ist, hab ich dann bei den Proben völlig darauf vergessen und doch mitgemacht.“

In der folgenden Schule „hab ich mich aufgeregt, dass es keinen Theaterklub gibt, später gab es dann ein Freifach Schauspiel und wir haben auch im Dschungel Wien eine Aufführung gehabt.“

Hinter die Kulissen schauen

Als Zuschauerin blieb sie dem Theater der Jugend treu, „da bin ich immer gern hingegangen“. Später tauchte sie auch in die Welt der Spielklubs des TdJ ein, „das hat extrem viel Spaß gemacht und wir konnten dabei auch hinter die Kulissen schauen“ - etwas das sie nun mit ihrem Blog viel intensiver und aktiver betreibt. „Viele Jugendliche und auch ich lieben bei Filmen das Making of, zu erfahren, wie ist das oder jenes entstanden. Und da war dann die Idee, einen Blog zu führen, in dem erzählt und gezeigt wird, wie entsteht so ein Stück, von dem du als Zuschauerin oder Zuschauer ja „nur“ das Endprodukt siehst. Für mich ist die Arbeit am Blog auch so etwas wie ein Dankeschön ans Theater. Und ich hoff, dass viele Jugendliche sich davon angesprochen fühlen und dann kommen, um das Stück zu sehen.“

https://makingofwutheringheights.wordpress.com/blog/