Szenenfoto aus "The Miracle Worker" im Theater im Zentrum

© Rita Newman

Mit-/hinreißend berührend
10/18/2016

Mit-/hinreißend berührend

Das Theater der Jugend bringt die Geschichte der Helen Keller - blinde und gehörlose US-Schriftstellerin - in einer mehr als packenden Inszenierung auf die Bühne.

von Heinz Wagner

Wer auch immer vor Beginn des Stückes nicht ins Smartphone starrt, sondern einen Blick auf die Bühne riskiert, beginnt schon Bewunderung für die Hauptdarstellerin von „The Miracle Worker“ zu verspüren. Sie hängt mehr oder minder – auf einem Brett sitzend – im Baum. Eeeeewig lange.

So richtig mit- und hinreißend urarg berührend führt Maresi Riegner sie in der Folge eineinhalb Stunden lang das Publikum in die Kindheit der Helen Keller. Die 1880 geborene US-Amerikanerin wurde mit eineinhalb Jahren blind und gehörlos. Ihre Eltern begegneten ihr mit viel Mitleid, konnten aber keinen wirklichen Zugang zu ihr finden. Die junge Helen konnte sich nicht verständlich machen, weshalb sie immer wieder Tobsuchtsanfälle bekam.

Erst Annie Sullivan, eine junge Lehrerin, fand – nach vielen auch sehr heftigen Kämpfen mit Helen und gegen deren Eltern – Zugang. Nach langem begriff Helen den Zusammenhang zwischen dem kühlen Nass aus dem Brunnen und dem ihr von Sullivan in die Hand buchstabierten Wort Wasser. Dabei bediente sich die Lehrerin nicht der heute für „Taubblinde“ gebräuchlichen Sprache des Lormens, sondern dem Gebärden-Alphabet, das sie in Hand ihrer Schülerin drückte. Von da an war sie mit dem „Virus“ der Wissbegierde und Lernfreude infiziert, lernte sogar Fremdsprachen und wurde Schriftstellerin. Die 1968 verstorbene Autorin sprach sich auch gegen die Rassendiskriminierung in den USA aus, weshalb sie mit ihrer Familie übers Kreuz kam. Ihr unschlagbares Argument: Für Blinde gebe es keine Farben!

Wie bereitet man sich auf diese sehr anstrengende Rolle vor?

Wie, so wollte der Kinder-KURIER von der sehr jungen Darstellerin, noch Schauspielschülerin wissen, könne man sich auf eine derartige Rolle vorbereiten?Maresi Riegner: „Ich habe einmal bei einem Film von Barbara albert das Stubenmädchen einer blinden Pianistin gespielt, die hab ich sehr genau beobachtet. Auf der Bühne verdrehe ich meistens die Augen und da sieht man dann echt wenig. Das führt auch zu einer anderen Körperspannung.“

Und die immer wieder kehrenden, sehr echt wirkenden Tobsuchtsanfälle? Da hab ich mich an Zornanfälle in meiner Kindheit erinnert.

Das ist doch eine sehr anstrengende Rolle, allein schon das lange am Baum sitzen vor Beginn der Vorstellung.Ja, da muss ich echt drauf aufpassen, dass mir nicht Hände und Füße einschlafen. Aber insgesamt macht es mir echt sehr viel Spaß diese Helen zu spielen, da man sich da richtig austoben kann.

Was? Wann? Wo?

The Miracle Worker

von William Gibson

Deutsch von Andreas Pegler

Ab 11 Jahren

Regie Sandra Červik

Helen Keller: Maresi Riegner

Annie Sullivan, Lehrerin: Felicitas Franz Kate Keller, Mutter: Stephanie K. Schreiter Arthur Keller, Vater: Uwe Achilles Viney, Haushälterin: Lynne Williams

Bühne, Licht: Nathalie Lutz Kostüme: Susanne Özpınar Musik: Mathias Jakisić

Gebärdencoach: Liselotte Paleček Dramaturgie: Yvonne Zahn Assistenz, Insoizienz: Eva Maria Gsöllpointner

Aufführungsrechte: Theater-Verlag Desch GmbH, Berlin

Wann & wo?

Bis 17. DezemberTheater im Zentrum, 1010 Liliengasse 3Telefon: (01) 521 10-0www.tdj.at

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